Loos ornamental

Deutschland 2007/2008 Experimentalfilm

Summary

Loos Ornamental - Photography And Beyond - Part 13

Architecture as autobiography: The film presents 28 buildings and rooms designed by the Austrian architect Adolf Loos (1870–1933), arranged chronologically according to the time they were built. The images reveal the evolution of Loos′ concept of space, understanding of material as well as the development of an almost modular method of construction. The film was shot in Vienna, Lower Austria, Paris and the Czech Republic. It shows all of the buildings in their current state and is thus also a document about the fate of architectonic modernity.

The film is part of the series called "Photography And Beyond", a film series about writing, drawing, sculpture and architecture. The films show active achievements in design and projection – ideas that have been realized – that have taken the visible form of writing, drawing, photography, architecture and sculpture. It analyses a reversed procedure of seeing, as it were – seeing as expression, not impression. The eye as the interface between the brain and the outer world, the view as a composing force that turns the inside out and presents it mirrored in reality. Something indescribable is formed out of documented and animated notebooks and sketchbooks, through cinematographic analyses of architecture and sculptures: a film about the objectification of concepts of the mind.

Source: 58. Internationale Filmfestspiele Berlin (Catalogue)

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Der österreichische Architekt Adolf Loos (1870 bis 1933) hat das Stadtbild Wiens nach der Jahrhundertwende wesentlich mitgeprägt, wenn auch nicht in dem Umfang Otto Wagners. Mit dem Café Museum, das sich nach umfangreicher Renovierung von der heute ja auch schon wieder nostalgisch wahrgenommenen 1960er Jahre-Ausstattung trennte zugunsten einer Rückbesinnung auf den Ursprung, dem von der Raiffeisenbank mustergültig restaurierten Loos-Haus am Michaelerplatz und den beiden weitgehend im Originalzustand erhaltenen Fachgeschäften Manz und Knize in der Inneren Stadt verfügt Wiens Zentrum über vier herausragende Bauten eines Architekten, der durch seinen Aufsatz „Ornament und Verbrechen“ ganze Generationen von Baumeistern und Kunsthistorikern beschäftigte.

Heinz Emigholz hat sich im Jahr 2006 auf die Spuren von Adolf Loos begeben und ist dabei ganz chronologisch vorgegangen: Sein Dokumentarfilm beginnt mit einem Haufen Steine, die noch vom Vater des Porträtierten stammen und einst zu seinem Vaterhaus gehörten, an dessen Stelle sich nun ein internationales Luxushotel befindet. Um diesen Sachverhalt kurz und knapp in zwei Sätzen darzulegen, ergreift der Filmemacher Heinz Emigholz zu Beginn ein einziges Mal das Wort.

Ansonsten kommt seine auch ästhetisch ganz erstaunliche Spurensuche ohne ein gesprochenes Wort, ja gänzlich ohne Menschen aus: Keine Erklärungen, keine Kommentierung, ein ganzer Film als werkimmanente Huldigung. Die stummen, perspektivisch stets angeschrägten und so vielleicht um so wirkungsmächtigeren Bilder werden lediglich mit dem O-Ton der jeweiligen Geräuschkulisse unterlegt. Was Emigholz bisweilen dazu bringt, etwa bei der panoramaartigen Ansicht eines Loosschen Industriebaus irgendwo in der heutigen tschechischen Provinz, auf ein vorbeikommendes Auto zu warten.

Werkimmanenz ist das Stichwort für den ganzen Film. (Stummfilm-) Zwischentitel stellen das in der Folge gezeigte Bauwerk oder Interieur lediglich mit Namen, Ort und Entstehungszeit vor und benennen den Zeitpunkt der Dreharbeiten. Emigholz hat auf bewegte Bilder oder Kameraschwenks vollständig verzichtet, arbeitet nur mit zumeist weichen Schnitten und gestattet sich ab und zu eine Überblendung.

Werkimmanenz ist das Stichwort auch für das Gezeigte. Wo immer Heinz Emigholz fündig geworden ist, in Wien, Prag, Pilsen und Brünn sowie in der österreichischen und tschechischen Provinz, vom Industriebau über die Arbeitersiedlung und die Privatvilla bis hin zum Denkmal oder zum alpinen Berghof: Vor die Kamera des Regisseurs (und Cutters) kommt nur authentisches Material. Was etwa bei besagter tschechischer Arbeitersiedlung dazu führt, dass nur eine einzige Einstellung von einem Hauseingang gezeigt wird. Alle weitere Loos-Architektur hat die Zeitläufte offenbar nicht überlebt.

Emigholz belegt in stummen und dabei doch so vielsagenden Bildern, was ansonsten ein Kommentator wortreich übernehme müsste. Beim Loos-Haus am Michaelerplatz verweilt die Kamera zunächst auf dem Brunnen der Residenz, um dann das Loos-Haus in seiner „Nacktheit“ zu zeigen. Man muss gar nicht wissen, dass sich der Kaiser beim Blick aus seinem Residenz-Fenster lautstark über die Loos-Architektur beklagt hat, um zu erkennen, dass Welten zwischen der damals herrschende Kunstauffassung und der des Adolf Loos lagen. Gleiches geling Emigholz beim Herrenausstatter Knize: Erst rückt er die barocke Pracht der Pestsäule und des Grabenhofes in den Blick, danach die schlichte und doch so facettenreiche Fassade des Geschäftes.

Der Filmemacher zieht Verbindungslinien, die vom frühen Loos-Haus bis zu den späten Villen reichen: edle Materialien (Holz, Marmor), häufig umlaufende Friese, ganz praktische und dabei stets eindrucksvolle Stiegen-Lösungen, benutzerorientiertes Einbau-Mobiliar von der Couch über den Bücherschrank bis hin zu Küche und Schlafzimmer. Hinter scheinbar schlichter Villen-Fassade hat Emigholz etwa in Prag und Pilsen erstaunlich gut erhaltene großbürgerliche Interieurs vor seine Kamera bekommen und so seine nur optisch ausgesprochene These, dass Adolf Loos sich in wesentlichen Bereichen seines Wollens und Wirkens treu geblieben ist, unterstreichen können. Ich habe den Film Mitte Juni 2008 im Rahmen einer sonntäglichen Matinee im Berliner Großkino „International“ gesehen: Ein enormer Publikumsandrang quer durch die Altersgruppen. Der erheblich gewachsene Stellenwert des Dokumentarfilms hängt sicherlich auch damit zusammen, dass er das Bildschirm-Ghetto verlassen hat. Nach der Berlinale, dem Dokfest München und dem Kinostart ist „Loos Ornamental“ am 9. November 2010 auf 3-Sat erstausgestrahlt worden.

Pitt Herrmann

Credits

All Credits

Shoot

    • Wien
Duration:
72 min
Format:
35mm, 1:1,37
Video/Audio:
Farbe, Dolby Digital
Screening:

Uraufführung (DE): 14.02.2008, Berlin, IFF - Internationales Forum des Jungen Fims;
Kinostart (DE): 22.05.2008

Titles

  • Originaltitel (DE) Loos ornamental
  • Reihentitel (DE) Photographie und jenseits

Versions

Original

Duration:
72 min
Format:
35mm, 1:1,37
Video/Audio:
Farbe, Dolby Digital
Screening:

Uraufführung (DE): 14.02.2008, Berlin, IFF - Internationales Forum des Jungen Fims;
Kinostart (DE): 22.05.2008