Ghost Train

Deutschland 2024 Dokumentarfilm

Summary

Berlin, December 1948: Ilya Trauberg, a young Soviet director, dies under mysterious circumstances.
A year earlier, he had been appointed to the board of DEFA, which later became the largest film
studio in the GDR. In a city that in 1948 was a "hot spot" for conflicts of interest between the socialist
East and the capitalist West.

It was only at the end of the 1980s, when she was a teenager, that his granddaughter and director,
Darya Khrenova, learnt that Ilya Trauberg was her grandfather. With the death certificate in her hand
and the childhood memory of her grandmother‘s meaningful sentence "Ilya was poisoned", she
starts searching for Ilya Trauberg, who seems to have disappeared from the history of cinema, the
public and even from his own family.

Source: German Films Service & Marketing GmbH

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Heinz17herne
Heinz17herne
Als am 17. Mai 1946 in der Sowjetischen Besatzungszone die Deutsche Film AG (Defa) als erste deutsche Nachkriegsfilmgesellschaft gegründet wird, ist sie ein Symbol für Neubeginn und kulturellen Aufbruch. Die berühmten Studios der 1917 gegründeten Universum-Film AG (Ufa) in Potsdam-Babelsberg stehen nun unter der Aufsicht von Oberst Sergei Iwanowitsch Tjulpanow von der in Karlshorst situierten Sowjetischen Militär-Administration (SMAD). Der junge Filmregisseur Ilja Trauberg, Leiter des Mosfilm-Schauspielstudios in Moskau, wird zum Defa-Direktor berufen. Er stirbt im Dezember 1948 mit nur 43 Jahren in Berlin unter bis heute ungeklärten Umständen. An einem Herzschlag? Oder war es Selbstmord, gar Mord?

Über sieben Jahrzehnte später will die Regisseurin Darya Khrenova, Ilja Traubergs Enkelin, Licht in diese rätselhafte Geschichte bringen: In der Wochenschau war damals von „plötzlichem Tod“ die Rede, in der Sterbeurkunde, die sie nach dem Tod der Großmutter entdeckt, wird ein Herzinfarkt als Todesursache vermerkt. Doch sie erinnert sich an eine Behauptung ihrer Großmutter, die sie als Teenager gehört hat: „Ilja wurde vergiftet.“ Stimmt das? Wenn ja, warum? Fakt ist: Der Leichnam wurde im Krematorium Baumschulenweg verbrannt und die Asche auf dem jüdischen Preobraschenskoje-Friedhof in St. Petersburg beerdigt, wo Darya Khrenova das Grabmal erst nach langer Suche gefunden hat.

Glienicker Brücke, Symbol der deutschen Teilung, prominenter Ort zwischen Berlin und Potsdam zum Austausch von Geheimdienst-Mitarbeitern. Der animierte „Ghost Train“ hält jedoch am Ostbahnhof, während Trauberg einst aus Moskau kommend am Schlesischen Bahnhof ausstieg. Zu den ersten Zeitzeugen, mit denen Darya Khrenova spricht, gehören der Autor und Filmemacher Günter Jordan, der Kritiker und langjährige Vorsitzende der Defa-Stiftung Ralf Schenk sowie Claudia Köpke, Tochter des Regisseurs Kurt Maetzig und seiner Gattin Marion Keller.

Sie sprechen über den Kommunisten Karl Hans Bergmann, Mitbegründer und bis 1948 Lizenzträger und Vorstandsmitglied der Defa, der im Winter 1949 vor den spätstalinistischen Säuberungen nach West-Berlin flüchtete. Und über Marion Keller, die mit Kurt Maetzig zusammen die Defa-Wochenschau („Sie sehen selbst. Sie hören selbst. Urteilen Sie selbst“) gründete und ihren Titel „Der Augenzeuge“ erfand. 1950 wurde sie entlassen und verließ fünf Jahre später die DDR. Auch Ilja Traubergs Tochter Weronika Bokowa und seine Mitarbeiterin Eva Schröder kommen zu Wort, ohne dass neue Erkenntnisse gewonnen werden: Die Frage, warum Trauberg, der am Majakowskiring in Pankow gewohnt hat, in ein SMAD-Krankenhaus in Karlshorst eingeliefert worden ist statt in die Berliner Charité bleibt unbeantwortet.

Der Literaturwissenschaftler und Filmhistoriker Paul Werner Wagner, der sich nach einem gescheiterten Fluchtversuch sieben Jahre in der Wolfener Filmfabrik bewähren musste, sich in der Wendezeit der Bürgerrechtsbewegung anschloss und von 2002 bis 2010 Vorsitzender des Berliner Künstlerklubs „Die Möwe“ war, berichtet wie Ralf Schenk vom Anspruch der Defa, Filme für ganz Deutschland zu produzieren. Als erster Präsident des unweit des Bahnhofs Friedrichstraße im Ost-Sektor gegründeten Clubs habe Ilja Trauberg zahlreiche Begegnungen zwischen Künstlern aller vier Besatzungszonen ermöglicht.

Pavel Klering, Sohn des kommunistischen Schauspielers Hans Klering, der seit 1931 in Sowjetrussland lebte und 1946 als einer der Lizenzträger und Vorstandsmitglieder der Defa nach Berlin zurückkehrte, war 1949 mit seiner Mutter Antonia Nizkowskaja in die Sowjetunion gezogen und lebt heute als promovierter Biophysiker samt Familie wieder in seiner Geburtsstadt Berlin. Er spricht, allerdings recht vage, von Geheimdienst-Berichten und davon, dass Ilja Trauberg in der Berliner Wohnung Hans Klerings gestorben ist.

Darya Khrenovas Spurensuche ergibt letztlich keine Antworten auf die offenen Fragen. Ihr 90-minütiger Dokumentarfilm „Ghost Train – Trauberg, die Defa und der Tod“, am 13. Mai 2026 im „Dritten“ des Rundfunks Berlin-Brandenburg erstausgestrahlt, wirft immerhin einen erhellenden Blick auf die unmittelbare Nachkriegszeit im geteilten Berlin, auf die Offenheit auch der sowjetischen Kulturoffiziere, welcher der bald beginnende Kalte Krieg ein abruptes Ende setzte. Dem auch Ilja Trauberg zum Opfer gefallen sein kann.

Zu den weiteren Mitwirkenden gehören Günter Agde, Peter Bagrow, Sven Drohn-Langnick, Manfred Gill, Anne Hartmann, Sergej Kapterew, Nikolai Khrenov, Alexander Kolpakidi, Jewgenij Margolit, Björn Seidel-Dreffke, Maria Tschepajtite und Irina Uspenskaja.

Pitt Herrmann

Credits

All Credits

Duration:
90 min
Video/Audio:
Farbe, Ton

Titles

  • Originaltitel (DE) Ghost Train

Versions

Original

Duration:
90 min
Video/Audio:
Farbe, Ton