Radetzkymarsch

Österreich Frankreich Deutschland Italien 1993/1994 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
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Zum 100. Todestag von Joseph Roth, dem großen kakanischen Journalisten und Schriftsteller, geboren im galizischen und heute zur Ukraine gehörenden Brody, der in Wien Germanistik studierte und vor den Nazis ins Pariser Exil fliehen musste, kam, zunächst als Zweiteiler, die opulente Verfilmung seines Romans „Radetzkymarsch“ heraus, eine deutsch-österreichische-französische Co-Produktion und gleichzeitig die letzte Arbeit des begnadeten Wiener Regisseurs Axel Corti, der im Alter von 60 Jahren noch vor Abschluss der Dreharbeiten starb.

Diese wurden dann von seinem Kameramann Gernot Roll, der nun als Co-Regisseur ausgegeben wird, vollendet. Schon bald nach der Erstausstrahlung kam der Wunsch auf, die ungekürzte, um 60 Minuten längere Fassung als Dreiteiler zu senden. Sie hat sich erfreulicherweise inzwischen durchgesetzt. Posthum wurde Corti für „Radetzkymarsch“ 1995 der Adolf-Grimme-Preis verliehen, der auch Gernot Roll, Max von Sydow und Tilman Günther vom Chemnitzer Theater, der ein eindrucksvolles Filmdebüt gibt, zuerkannt wurde.

Joseph Roth, schon als Kind von der Familie ins benachbarte größere Lemberg geschickt, begann 1919 als sozialkritischer Journalist. In seinen frühen Romanen „Das Spinnennetz“ (1923), „Die Flucht ohne Ende“ (1927) und „Rechts und Links“ (1929) wurde er zum Chronisten der Kriegsheimkehrer. Bereits 1920 zog Roth nach Berlin, wo er die revolutionsfeindlichen, zumeist monarchischen Burschenschaftler erlebte. Auf seinen Frankreich- und Russland-Reisen 1925/26 lernte er eine andere Gesellschaft, eine andere Welt kennen – und schuf sich künftig, so in seinen Romanen „Hiob“ (1930), „Radetzkymarsch“ (1932) und „Kapuzinergruft“ (1938) ein imaginäres Groß- Österreich mit einem Kaiser als Integrationsfigur im habsburgischen Vielvölkerstaat noch über die Dauer der k.u.k. Monarchie hinaus.

Das zu wissen ist nicht unwichtig im Hinblick auf Axel Cortis Romanverfilmung, in der das längst dem Tod geweihte Habsburger Reich noch einmal als kunstgewerbliche Kulissenwelt wiederersteht. Mit einem erlesenen Darstellerensemble und Udo Samel als Erzähler, dem eine wichtige Brückenfunktion zwischen den eher episodisch aneinandergereihten Szenen, die die Weltgeschichte an Hand der Familiengeschichte der Trottas erzählt, zukommt.

Joseph Trotta (Alexander Strobele), der „Held von Solferino“, ein einfacher slowenischer Offizier, der dem Kaiser Franz Joseph im Gefecht das Leben gerettet hat, wird sozusagen zum Begründer der Dynastie der „von Trottas“. Sehr zum Verdruss der adligen Höflinge, die das Verdienst an der Rettung des Monarchen gern den Blaublütigen zugeschanzt hätten statt des vom dankbaren Kaiser in den Adelsstand erhobenen degoutanten Bürgerlichen.

Joseph Trotta, der auch öffentlich stets zu seiner einfachen Abstammung steht und daher beschönigende Artikel in Schulbüchern ausmerzen lässt, legt durch seine Tat den Grundstein für das großbürgerliche Leben seines Sohnes Franz: Ein k.u.k. Bezirkshauptmann in Mähren, der Statthalter des Kaisers und damit selbst eine Art kleiner König der kleinen Kreisstadt ist. Sein Sohn Carl Joseph hat so allerbeste Voraussetzungen, noch einige Stufen der Karriereleiter zu erklimmen beim Garderegiment der Husaren. Doch der ist kein Militär vom Scheitel bis zur Sohle, fügt sich nur widerwillig in die Ordnung ein.

Und aufs Kavalleriepferd bekommt man ihn nur mit Widerwillen, da muss schon ein heftiges Liebesabenteuer mit der jungen Gattin eines alten Polizeiwachtmeisters, der ihm Reitstunden erteilt, nachhelfen. Ein Ehrenhändel, der mit einem Duell endet, führt dazu, dass Carl Joseph das Eliteregiment verlassen und damit dem Hof-nahen Wien entsagen muss. Er lässt sich zur Infanterie versetzen in ein ödes Nest an der galizischen Grenze der Habsburger Monarchie – ein morastiges Schlammloch, eine Fiebergegend, in der man nur mit erhöhtem Alkoholkonsum überleben kann.

Oder durch gesellschaftliche Ereignisse, für die Graf Chojnicki, ein sehr reicher, aber verschrobener Wissenschaftler sorgt, den der Wiener Burgtheater-Star Gert Voss geradezu dämonisch gibt. Dessen Geliebte Valérie von Taussig kümmert sich um den jungen Alkoholiker und Glückspieler, kann sein trauriges Ende aber nicht verhindern. Denn der Nihilismus des Enkels des „Helden von Solferino“ geht einher mit Auflösungserscheinungen der Donaumonarchie, die in der Vielvölkerarmee seismographisch vorweggenommen werden: Angehörige, auch Offiziere der slawischen Völker der Doppelmonarchie, zeigen kein Interesse mehr, das „Vaterland der Völker“ zu verteidigen. Nur der alte, inzwischen zunehmend gebrechliche Bezirkshauptmann Franz von Trotta repräsentiert noch das alte Reich: Ein Beamter auf (Vor-) Posten, eingebunden in eine strikte Hierarchie, der die Zeichen der Zeit einfach nicht zur Kenntnis nehmen will.

Pitt Herrmann

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Duration:
255 min
Video/Audio:
Farbe, Dolby
Screening:

TV-Erstsendung (DE): 25.12.1994, ARD

Titles

  • Originaltitel (FR AT) Radetzkymarsch
  • Originaltitel (FR AT) La Marche de Radetzky

Versions

Original

Duration:
255 min
Video/Audio:
Farbe, Dolby
Screening:

TV-Erstsendung (DE): 25.12.1994, ARD