Luise Fleck

Luise Fleck

Weitere Namen: Louise Fleck (Schreibvariante); Louise Kolm (Weiterer Name); Luise Veltée (Geburtsname)
Regie, Drehbuch, Produzent
*01.08.1873 Wien, Österreich; †15.03.1950 Wien, Österreich

Biografie

Luise Fleck – Regisseurin

Luise Veltée wird am 1.8. 1873 in Wien geboren. Der Vater, Ludwig Veltée war Feuerwerker und Begründer des Stadtpanoptikums in Wien. Nina Veltée, die Mutter von Luise, stammte aus einem alten Adelsgeschlecht aus Lyon. Sie war damals schon berufstätig und bediente die Kasse des Wiener Panoptikums. So scheint Luise Veltées zukünftige Berufstätigkeit als Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin nicht ungewöhnlich.

Luise Kolm - sie heiratet den Wiener Fotografen Anton Kolm - zählt zu den Pionierinnen des österreichischen Stummfilms. 1908 führt sie erstmals Regie bei dem Film "Am Gänsehäusl"; damit wäre sie die erste Filmregisseurin der k. u. k-Monarchie, was allerdings nicht ganz gesichert ist.

Luise und Anton Kolm, Jakob Fleck und Claudius Veltée (der Bruder von Luise) gründen 1911 (1908?) die erste österreichisch-ungarische Filmproduktionsfirma, die "Wiener Kunstfilm". Hier ist sie als Regisseurin und Produktionsleiterin tätig (1):"Luise Kolm ist ein geniales Allroundtalent zumal sich der Ehemann Kolm lediglich um die Finanzen kümmerte - sie machte alles, sie klebte Filme, machte die Schriften und half ihrem Bruder im Laboratorium. Ohne ihre Antriebsfunktion wäre der Fortbestand der Firma fraglich gewesen. (2)"

1919 gründen die Kolms und Fleck die "Vita-Film" in Wien und die "Wien-Film" am Rosenhügel.

Seit 1911 führen Luise Kolm und Jakob Fleck eine Regie-Partnerschaft. 1924, zwei Jahre nach dem Tod von Anton Kolm heiraten die beiden. Im gleichen Jahr geht die Vita-Film bankrott. Das Ehepaar Kolm-Fleck übersiedelt nach Deutschland, und setzt dort ab 1926 seine Regietätigkeit für Beliner Produktionsgesellschaften fort, u.a. für Liddy Hegewald und die Ufa. Von 1923-1933 leben und arbeiten die Flecks mit dem Sohn Walter in Berlin. In diesem Zeitraum drehen sie 30-40 Filme; teilweise produzieren sie neun Filme pro Jahr. Sohn Walter Kolm-Veltée absolviert eine Tonmeisterausbildung bei Tobis-Film in Berlin. Als Hitler 1933 die Macht ergreift, kehrt die Familie zurück nach Wien, da Jakob Fleck Jude ist.

Für Hegewald-Film produzieren sie noch weiter in Österreich und Prag, wobei der Sohn Walter pro forma für die Regie verantwortlich ist. Doch auch dies kann nicht lange geheimgehalten werden. Der letzte Film, den die Flecks in Österreich realisieren, ist das Anzengruber-Melodram "Der Pfarrer von Kirchfeld" (1937) (3).

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 fällt für die Flecks jegliche Berufstätigkeit im Filmmetier aus. Jacob Fleck retuschiert zu Hause für einen Fotografen. 1938 wird er in den Konzentrationslagern Buchenwald und Dachau interniert. Nach seiner Entlassung verschafft Wilhelm Dieterle, der durch seine Rolle in "Der Pfarrer von Kirchfeld" (1926) sehr bekannt wurde, dem Ehepaar ein Avidavit. 1940 emigrieren die Flecks nach Shanghai. In dieser Zeit realisieren sie zusammen mit dem chinesischen Regisseur Fei Mu den Film "Söhne und Töchter der Welt" (1941), der am 4. Oktober 1941 im Jindu Theater in Shanghai Premiere hat (4).

Nach einer Zeit voller Entbehrungen kehren Luise und Jakob Fleck 1947 nach Österreich zurück, wo sie ihren Lebensabend verbringen. Luise Fleck stirbt am 15. März 1950 in Wien/St. Veit und wird in der Familiengruft der Kolm-Veltées beigesetzt. Drei Jahre später verstirbt auch Jacob Fleck.

Walter Kolm-Veltée schildert Luise Fleck als dynamische, humor- und phantasievolle Frau (5).

Seinen Beschreibungen zufolge mit Kolm verlief die Ehe glücklich. Die Rollenverteilung innerhalb der Firma erfolgte den jeweiligen Fähigkeiten entsprechend, meistens kümmerte sich Anton Kolm um die kommerziellen Angelegenheiten der Firma. Luise Fleck arbeitete intuitiv und hatte ein Gespür für den damaligen Publikumsgeschmack. Ihr Motto: "Wir machen einen schönen Film, denn wenn er mir gefällt und gut wird, dann gefällt er auch dem Publikum." Die Drehweise beschreibt Kolm-Veltée als äußerst rationell: Oftmals wurden 8-10 Filme vorgeplant; im Winter wurden für alle Filme die Atelieraufnahmen gemacht, im Sommer erfolgten alle Aussenaufnahmen - bei "Freilicht". Das bevorzugte Genre der Flecks während der Stummfilmzeit waren Musikfilme (z. B. Lehar-Operetten, Orloff) und "wienerische Filme, die in Berlin gern gesehen wurden.

Insgesamt schrieb Luise Kolm 18 Drehbücher, führte 53 mal Regie und war Produzentin von 129 Filmen (6).


Fußnoten:

(1) Hier differieren die Angaben des Sohnes Walter Kolm-Veltée.
(2) Eduard Sekler, Schauspieler der "Wiener Kunstfilm". In: Filmgeschichte(n) aus Österreich, Folge 2, ORF, 1970.
(3) Die Flecks verfilmen den "Pfarrer von Kirchfeld" zweimal: 1926 in Deutschland und 1937 in Österreich.
(4)Guoqiang Teng, Fluchtpunkt Shanghai. Luise und Jakob Fleck in China 1939-1946. In: Film-Exil SDK (4/1994).
(5) Interview mit Walter Kolm-Veltée.
(6) lt. österr. Filmographie. Markus Nepf führt in seiner Diplomarbeit weit höhere Zahlen auf.

Aus: GabrieleHansch/GerlindeWaz: Filmpionierinnen in Deutschland. Ein Beitrag zur Filmgeschichtsschreibung. Berlin 1998. (unveröff.)

Filmografie

1937 Der Pfarrer von Kirchfeld
Regie
 
1933 Liebe bei Hof
Regie
 
1931 Wenn die Soldaten...
Regie
 
1931 Ein Auto und kein Geld
Regie
 
1930 Die Csikosbaroneß
Regie
 
1930 Einbruch im Bankhaus Reichenbach
Regie
 
1929/1930 Die Warschauer Zitadelle
Regie
 
1929/1930 Der Fleck auf der Ehr'
Regie
 
1929 Mädchen am Kreuz
Regie
 
1929 Der Leutnant ihrer Majestät
Regie
 
1929 Das Recht auf Liebe
Regie
 
1928 Die schönste Frau von Paris
Regie
 
1928 Frauenarzt Dr. Schäfer
Regie
 
1928 Die Yacht der sieben Sünden
Regie
 
1928 Die lustigen Vagabunden
Regie
 
1928 Die kleine Sklavin
Regie
 
1928 Der Zarewitsch
Regie
 
1927/1928 Die Geliebte seiner Hoheit
Regie
 
1927 Der fröhliche Weinberg
Regie
 
1927 Wenn Menschen reif zur Liebe werden
Regie
 
1927 Der Orlow
Regie
 
1927 Das Fürstenkind (Der Fürst der schwarzen Berge)
Regie
 
1927 Ein Mädel aus dem Volke
Regie
 
1927 Der Bettelstudent
Regie
 
1926/1927 Liebelei
Regie
 
1926 Der Pfarrer von Kirchfeld
Regie
 
1926 Der Meineidbauer
Regie
 
1924 Die Tochter der Frau Larsac
Regie
 
1923 Frühlingserwachen
Regie
 
1921/1922 Olga Frohgemut
Regie, Produzent
 
1921 Revanche
Regie
 
1920 Eva, die Sünde
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1920 Winterstürme
Produzent
 
1920 Der Leiermann
Regie, Produzent
 
1920 Wildfeuer
Produzent
 
1920 Doktor Ruhland
Produzent
 
1920 Verschneit
Regie, Produzent
 
1920 Der Fluch der Vererbung
Produzent
 
1920 Großstadtgift
Regie
 
1919/1920 Freut euch des Lebens
Regie, Produzent
 
1919/1920 Durch Wahrheit zum Narren
Regie, Produzent
 
1919/1920 Lasset die Kleinen zu mir kommen
Produzent
 
1919/1920 Der tanzende Tod
Regie, Produzent
 
1919 Herzblut
Produzent
 
1919 Die Zauberin am Stein
Regie, Produzent
 
1919 Die Stimme des Gewissens
Produzent
 
1919 Der Herr des Lebens
Regie, Produzent
 
1919 Seemannsbraut
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1919 Lediger Hof
Produzent
 
1919 Lumpacivagabundus
Regie
 
1919 Seine schwerste Rolle
Regie, Produzent
 
1919 Stahl und Stein
Produzent
 
1919 Die Ahnfrau
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1919 Der gefesselte Prometheus
Produzent
 
1918 Die Jüdin
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1917/1918 Der König amüsiert sich (Rigoletto)
Regie
 
1917/1918 Der Doppelselbstmord
Regie
 
1917 Der Schandfleck
Regie, Drehbuch
 
1917 Der Verschwender. 2. Teil
Regie
 
1917 Der Verschwender. 1. Teil
Regie
 
1916/1917 Mir kommt keiner aus
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1916 Lebenswogen
Regie, Drehbuch
 
1916 Die Tragödie auf Schloß Rottersheim
Regie
 
1916 Auf der Höhe
Regie, Drehbuch
 
1916 Die Landsteicher
Regie
 
1915/1916 Sommeridylle
Regie, Produzent
 
1915/1916 Mit Gott für Kaiser und Reich
Regie, Drehbuch
 
1915 Mit Herz und Hand fürs Vaterland
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1913/1914 Frau Gertrud Namenlos
Produzent
 
1913 Johann Strauß an der schönen blauen Donau
Produzent
 
1912 Turf
Regie
 
1908 Von Stufe zu Stufe
Drehbuch
 

Übersicht

Literatur

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