Fern Andra

Weitere Namen
Fern Edna Andrews (Geburtsname) Vernal Andrews (Weiterer Name) Baronin Fern Andra von Weichs (Weiterer Name) Fern Elisabeth Andrews (Weiterer Name) Elisabeth Freein von Weichs (Weiterer Name)
Darstellerin, Regie, Drehbuch, Produzent
Natzeka, Illinois, USA Aiken, South Carolina, USA

Biografie

In den 1910er und frühen 1920er Jahren sind "Fern Andra-Filme" eine Marke und gehören zu den publikumswirksamen Produktionen jener Zeit. Als Produzentin, Regisseurin und Drehbuchautorin hat sie in Deutschland an über 40 Filmen mitgewirkt. Ihren Werdegang beschreibt Andra kurz und knapp in dem 1926 von Kurt Mühsam und Egon Jacobsohn herausgegebenen Filmlexikon "Wie ich zum Film kam": "Als 4-jähriges Kind auf der Bühne, kurze Zeit darauf gefilmt bei der A. B., dann Tournee durch die Vereinigten Staaten, als erste Darstellerin von Kinderrollen 'Onkel Tom’s Hütte' und später in England als Selbstunternehmerin von Ragtime Revue, zwischendurch Seiltanz mit den Willmann [sic], vor Ausbruch des Krieges in Deutschland mit [Charles] Decroix gefilmt (eigenes Unternehmen) Dauerengagement bei Gaumont Berlin und schließlich Gründung der Fern Andrafilm Co. im Jahre 1918."

Was sie darüber hinaus in ihrer Autobiografie und in der Presse über ihre Herkunft, Kindheit und Jugend verbreitet, kann man durchaus als äußerst fantasievoll bezeichnen, wobei die Grenzen zwischen Fiktion und Wahrheit, Film und Leben fließend sind. Fest steht, dass Andra 1918 bereits eine erfolgreiche Unternehmerin ist. Sie betreibt ein eigenes Filmatelier in der Berliner Friedrichstraße, ihre Filme sind Kassenschlager und füllen Kinosäle. Da sie selbst schreibt, inszeniert und produziert, kann sie sich ihre Hauptrollen auf den Leib schreiben. Häufig spielen ihre Filme im Zirkusmilieu: Als Schulreiterin, Trapezkünstlerin, Seiltänzerin und Tierbändigerin kann Andra ihr artistisches Können in den Mittelpunkt rücken. 1919 verlässt sie die Fern-Andra-Film-Co. Georg Bluen und arbeitet seit 1920 mit dem Regisseur Robert Wiene zusammen. Es entstehen im gleichen Jahr "Genuine" – einer der wenigen Andra-Filme, der nicht verschollen ist – und "Die Nacht der Königin Isabeau" im Stil des frühen filmischen Expressionismus.

Andra ist für ihre spektakulären Werbemaßnahmen berühmt und berüchtigt: Für ein römisches Wagenrennen im Berliner Stadion zu dem Film "Des Lebens und der Liebe Wellen" (1921, Lorenz Bätz) soll sie 40.000 Statist*innen gewonnen haben; einen Flugzeugabsturz, bei dem der Pilot Lothar von Richthofen ums Leben kommt, vermarktet sie derart hemmungslos, dass dies in einen Beleidigungsprozess mündet.

Anfang der 1920 Jahre sinkt Fern Andras Stern. 1929 hat sie in "Der rote Reiter" (Franz W. Koebner) ihren letzten Filmauftritt in Deutschland. Nach einer Zwischenstation in England kehrt sie 1930 mit ihrem Ehemann, dem Mittelgewichtsboxer Kurt Prenzel, in die USA zurück. In der deutschen Presse taucht ihr Name kaum noch auf. 1936 wird sie in einem Auszug aus Curt Bellings nationalsozialistischem Pamphlet "Der Film in Staat und Partei" erwähnt, wo ihr vorgeworfen wird, im Ausland in "antideutschen Hetzfilmen" mitgewirkt zu haben ("Die Glocke", 23.09.1936). Nach ihrer letzten Filmrolle in "Lotus Lady" (1943, Phil Rosen) arbeitet sie als Atelier-Beraterin für Filmproduktionen, für den Rundfunk und später auch für das Fernsehen. Nach eigenen Angaben tritt Andra im Windsor Theater Hollywood auf, dessen Ensemble während des Nationalsozialismus deutsche Emigrant*innen unterstützt. Anfang der 1950er Jahre kommt sie mit ihrem vierten Ehemann erneut nach Deutschland. Andra bittet das Deutsche Institut für Filmkunde in Wiesbaden um Unterstützung bei der Suche nach ihren verschollenen Filmen. Der Großteil ihres filmischen Werks gilt heute jedoch als verloren. Am 8. Februar 1974 stirbt Fern Andra in den USA. (kh)

Quelle:

Berten, Daria; Haupts, Annika; Heizmann, Anna; Jaspers, Kristina (Hg.): Weimar, weiblich. Filmpionierinnen des Kinos der Moderne (1918-1933). München: Edition text+kritik 2025 (Film Erbe, Bd. 7).

FILMOGRAFIE

1925
  • Produzent
1923/1924
  • Darsteller
1923
  • Darsteller
1922
  • Darsteller
  • Produzent
1921
  • Darsteller
1921
  • Darsteller
  • Drehbuch
1920
  • Darsteller
1919
  • Darsteller
  • Drehbuch
1919
  • Darsteller
1919
  • Darsteller
  • Regie
  • Drehbuch
  • Produzent
1919
  • Darsteller
  • Regie
  • Drehbuch
  • Produzent
1918
  • Darsteller
  • Drehbuch
1918
  • Darsteller
  • Regie
  • Drehbuch
1917/1918
  • Darsteller
  • Drehbuch
1918
  • Darsteller
  • Drehbuch
1918
  • Darsteller
  • Regie
  • Drehbuch
1917
  • Darsteller
  • Drehbuch
1916/1917
  • Darsteller
  • Drehbuch
1916
  • Darsteller
  • Regie
  • Drehbuch
  • Produzent
1916
  • Darsteller
  • Drehbuch
  • Produzent
1916
  • Darsteller
  • Regie
  • Drehbuch
  • Produzent
1915/1916
  • Darsteller
  • Drehbuch
1915
  • Darsteller
  • Regie
  • Drehbuch
1915
  • Darsteller
  • Regie
  • Drehbuch
  • Produzent
1915
  • Darsteller
  • Regie
  • Drehbuch
  • Produzent
1914/1915
  • Darsteller
1914
  • Darsteller
1914
  • Darsteller
1914
  • Darsteller
1913
  • Darsteller