Der Weg zur Ufa - "Der Ludendorff-Brief"

Der Weg zur Ufa - "Der Ludendorff-Brief"

Der Weg zur Ufa - "Der Ludendorff-Brief"

Chef des Generalstabes des Feldheeres Gr.Hpt.Qu., d. 4. Juli 1917 M.J. Nr. 20851 P.

An das Königliche Kriegsministerium, Berlin

Der Krieg hat die überragende Macht des Bildes und Films als Aufklärungs- und Beeinflussungsmittel gezeigt. Leider haben unsere Feinde den Vorsprung, den sie auf diesem Gebiet hatten, so gründlich ausgenutzt, daß schwerer Schaden für uns entstanden ist. Auch für die fernere Kriegsdauer wird der Film seine gewaltige Bedeutung als politisches und militärisches Beeinflussungsmittel nicht verlieren. Gerade aus diesem Grunde ist es für einen glücklichen Abschluß des Krieges unbedingt erforderlich, daß der Film überall da, wo die deutsche Einwirkung noch möglich ist, mit dem höchsten Nachdruck wirkt. Es wird deshalb zu untersuchen sein,

1. wie dieser Einfluß erzielt werden kann und
2. welche Mittel anzuwenden sind.

Zu 1. Die Stärkung der deutschen Werbemöglichkeiten hat sich im Film
a) auf die Einwirkung der Filmversorgung im neutralen Ausland und
b) auf eine Vereinheitlichung der deutschen Filmindustrie zu erstrecken, und nach einheitlichen großen Gesichtspunkten eine planmäßige und nachdrückliche Beeinflussung der großen Massen im staatlichen Interesse zu erzielen.

Zu a) Außer der feindlichen Filmindustrie besitzt in den neutralen Ländern die Nordische Gesellschaft besonderen Einfluß. Diese Gesellschaft hat sowohl in Skandinavien als auch in Deutschland und der Schweiz zahlreiche erstklassige Filmtheater. Die Nordische Gesellschaft ist somit für die deutsche Propaganda eine Macht, die schon dadurch großen Schaden anzurichten vermag, daß sie in ihrem Verhalten Deutschland gegenüber feindlich auftreten kann. Hinzu kommt noch, daß die Nordische Gesellschaft zur Zeit in der Lage ist, Filme nach Rußland zu bringen. Was dieser Einfluß, sofern er im deutschfreundlichen Sinne durchgeführt wird, bedeuten kann, laßt sich bei der leichtbeweglichen Volksstimmung, die augenblicklich in Rußland herrscht, kaum abwägen. Zu bedenken ist ferner, daß aller Wahrscheinlichkeit nach Skandinavien den Schauplatz für die künftigen Friedensverhandlungen abgeben wird. Gerade zu dieser Zeit bedarf es der besonderen Anstrengungen der deutschen Propaganda, um eine wirkungsvolle Aufklärung zu erzielen und manche für den Friedensschluß hindernde Auffassung zu beseitigen. Aus diesem Grunde ist es zur Durchführung der Kriegsaufgaben eine unabweisliche Notwendigkeit, schnellstens einen unmittelbaren Einfluß auf die nordische Gesellschaft zu suchen. Das einfachste und beste Mittel besteht darin, daß die Hauptanteile der Nordischen Gesellschaft käuflich übernommen werden. Gelingt das nicht, so muß eine andere Form des Anschlusses gesucht werden, die darin besteht, daß das Interesse der Nordischen Gesellschaft am deutschen Filmmarkt in höherem Maße ausgenutzt wird. Möglich ist eine derartige Vereinbarung nur, wenn es gelingt, die deutsche Filmfabrikation so zu vereinheitlichen, daß sie der Nordischen als eine geschlossene Vortragsmacht entgegentritt.

Zu b) Abgesehen von der Erzielung eines vertraglichen Verhältnisses zur Nordischen Gesellschaft gibt es noch andere Gründe, die es erfordern, daß die deutsche Filmindustrie zu einem einheitlichen Ganzen zusammengeschlossen wird. Je länger der Krieg dauert, desto notwendiger wird die planmäßige Beeinflussung der Massen im Inland. Es müssen deshalb alle in Betracht kommenden Werbemittel systematisch zur Erreichung des Erfolges benutzt werden. Bei dem Filn hat bisher nur eine gelegentliche Beeinflussung der Volksstimmung stattgefunden. - Hinzu tritt das Bestreben mancher Kreise, den Film für ihre Sonderzwecke zu verwenden. So haben die Schwerindustrie in der Deutschen Lichtspiel-Gesellschaft und die Alldeutschen in der Gesellschaft für künstlerische Lichtspiele »Deutsche Kunst« eine Stelle geschaffen, die zu einer Zersplitterung in der Beeinflussung durch den Film führen muß. Ferner kommt noch der sehr tätige Ausschuß für Lichtspielreform in Stettin in Betracht, der bereits eine Kulturfilmgesellschaft gegründet hat. Jede dieser Gruppen sucht, die Filmindustrie durch große Aufträge an sich zu reißen, so daß die Durchführung der Filmaufgaben des Bufa gefährdet ist. Auch aus diesen Gesichtspunkten heraus ist es dringend erforderlich, daß die deutsche Filmindustrie vereinheitlicht wird, um nicht eine wirkungsvolle Kriegswaffe durch Zersplitterung wirkungslos zu machen.

Zu 2. Welche Mittel sind aufzuwenden? Da faktisch zur Beeinflussung einer Gesellschaft nur die absolute Majorität erforderlich ist, so bedarf es nicht immer des Ankaufs sämtlicher Anteile. Bekannt werden darf aber nicht, daß der Staat der Käufer ist. Die gesamte finanzielle Transaktion muß durch eine fachkundige, einflußreiche, erfahrene, zuverlässige und vor allen Dingen der Regierung unbedingt ergebene private Hand (Bankhaus) erfolgen. Die Unterhändler dürfen in keiner Form wissen, wer der wirkliche Auftraggeber des Beauftragten ist. Bei einer Beteiligung von etwa 55% des Gesellschaftskapitals würden für die Nordische Gesellschaft in Kopenhagen etwa 20 Millionen Mark und für die deutschen Filmfabriken etwa 8 Millionen Mark aufzuwenden sein. An deutschen Filmfabriken kommen insbesondere in Betracht:

1. die Deutsche Bioskop-Gesellschaft
2. die Messter-Film GmbH.
3. die Eiko-Film GmbH.
4. die Projektions A.G.-Union
5. die Deutsche Mutoskop und Biograph GmbH.
6. die Nationalfilm GmbH. und andere.

Wenn man beachtet, welche Summen das Ausland für Filmpropaganda ausgibt, so erscheint die vorstehende Forderung als durchaus gering. Es darf nur daran erinnert werden, daß im Lauf des letzten Vierteljahres von Seiten der Entente außerordentlich hohe Summen, über 100 Millionen Mark, für Propaganda-Zwecke bewilligt wurden, von denen der größte Teil für die Filmwerbung Verwendung findet.

Die Verwirklichung der vorstehenden Ausführungen betrachte ich als dringende Kriegsnotwendigkeit und ersuche um baldige Durchführung durch das Bild- und Filmamt. Ich wäre dankbar, wenn ich über das dort Veranlaßte in geeigneter Form unterrichtet werden könnte. Ich füge hinzu, daß es sich um werbende Ausgaben handelt.

I.A. gez. Ludendorff

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