Verbrannte Spur

DDR 1971/1972 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
Nachts. Der Lichtstrahl einer Taschenlampe geistert durch eine Wohnung und bleibt an der laut ticken Wanduhr hängen: die Zeiger stehen auf 23.30 Uhr. Tilmann Dähns Kamera zeigt eine Hand, die einen Benzinkanister auf dem Teppichboden leert und ein Streichholz, dessen kleine Flamme einen großen Schaden anrichtet.

Als Heinz Exner (Werner Senftleben) zu so später Stunde nach Hause kommt und die dicken Rauchschwaden am Nachbarhaus bemerkt, hat er große Schwierigkeiten, seine schlaftrunkene Gattin Hildegard dazu zu bewegen, die Feuerwehr zu alarmieren. Als er ungeschickt mit dem Gartenschlauch hantiert, um selbst löschend einzugreifen, wird er von einem jungen Mann in Lederkluft mit Motorradhelm, der sich mit Gewalt durch die geschlossene Terrassentür den Weg ins Freie bahnt, umgestoßen.

Nach der kriminaltechnischen Untersuchung des niedergebrannten Wohnzimmers gehen Oberleutnant Peter Fuchs und Leutnant Vera Arndt von Brandstiftung aus. Der Hauseigentümer, Medizinalrat Dr. Loewen, befindet sich mit seiner Ehefrau Beate im Ausland, Tochter Ulrike Loewen macht zusammen mit ihrem Verlobten, dem Textilingenieur Achim Raschke, Urlaub im Thüringer Wald. Alle Indizien, darunter die von seiner Schwester (Gaby Jäh) in der Mülltonne gefundene Motorradkluft ausgerechnet in dem Moment, als Leutnant Arndt im Treppenhaus steht, sprechen gegen Hanno Hecht, den ehemaligen Freund Ulrikes.

Der Schlosser und Werkzeugmacher, dem sein Brigadier Grabow (Günter Wolf) das beste Zeugnis ausstellt als Aktivist und Mitglied der paramilitärischen Gesellschaft für Sport und Technik (GST), war in den Augen der völlig abgehobenen „Frau Medizinalrat Dr. Loewen“ kein standesgemäßer Umgang für ihre Tochter. Hat der achtkantig vor die Tür gesetzte Hanno, der sich seit geraumer Zeit nachts über die Terrasse durchs Treppenhaus schleichen musste, um Ulrike sehen zu können, aus Rache gehandelt? Schließlich leistete er sich kürzlich auch eine handfeste Auseinandersetzung mit dem „Salonaffen“ Raschke, den Mutter Beate ihrer Tochter aufgedrängt hatte.

Doch dann sorgt ein Unterleutnant (Freimut Götsch) für die Wende: Erst kürzlich sei die Versicherungssumme für die angeblich verbrannte Grafiksammlung des Chefarztes um 50.000 Mark erhöht worden. Als erste Exponate aus dem Sammlungsschwerpunkt Expressionismus, Brücke und Blauer Reiter bei einem Berliner Händler auftauchen, darunter ein Werk Emil Noldes, das noch vor dem Brand als vermutliches Diebesgut beschlagnahmt worden war, aber auf der Liste der verbrannten Werke für die Versicherung steht, gerät Hanno aus dem Fokus. Der scheinbar auf seinem Motorrad geflüchtet ist, aber die Polizeisperren passiert, weil er das Krad seines Arbeitskollegen Eule (Klaus Bergatt) benutzt. Um seinerseits einem eigenen Verdacht nachzugehen im thüringischen Hotel Bergmühle…

Der nur einstündige „Polizeiruf 110“-Krimi „Verbrannte Spur“ nimmt die „Upper Class“ der DDR, die es im sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat gar nicht geben dürfte, aufs Korn. Nicht nur der Medizinalrat Dr. Loewen geriert sich als Chefarzt etwa gegenüber der Oberärztin (Anneliese Müller) und dem Assistenzarzt (Jürgen Rummel) wie ein Halbgott in Weiß. Seine Gattin treibt die Vornehmheit gepaart mit Herablassung noch auf die Spitze. „Für Herrn Professor ist immer ein Zimmer frei“: Das Satyrspiel zu dieser Hochnäsigkeit gibt der Portier des Hotels Bergmühle, der sich Monsieur Chemin-Petit nennt und doch nur Kleinweg (der Szenarist Hans Lucke in einer herrlichen Parodie) heißt.

Pitt Herrmann

Credits

Kamera

Schnitt

Darsteller

Alle Credits

Regie-Assistenz

Szenarium

Kamera

Bauten

Requisite

Kostüme

Schnitt

Darsteller

Produktionsleitung

Länge:
60 min
Format:
35mm, 1:1,33
Bild/Ton:
s/w, Mono
Aufführung:

TV-Erstsendung (DD): 27.02.1972, DDR-TV

Titel

  • Reihentitel (DD DE) Polizeiruf 110
  • Originaltitel (DD) Verbrannte Spur

Fassungen

Original

Länge:
60 min
Format:
35mm, 1:1,33
Bild/Ton:
s/w, Mono
Aufführung:

TV-Erstsendung (DD): 27.02.1972, DDR-TV