Die Sünderin

Die Sünderin

BR Deutschland 1950, Spielfilm

Inhalt

"Der" Skandalfilm der 1950er Jahre – aber nicht wegen der Nacktszene der jungen Hildegard Knef. Die durch unglückliche Umstände zur Prostituierten gewordene Marina lernt eines Tages doch noch ihre große Liebe kennen. Der ältere Maler Alexander aber ist schwer krank und nur eine sehr teure Operation könnte ihm das Leben retten. Um dies zu ermöglichen, geht Marina ihrem alten Gewerbe nach. Doch der Eingriff an Alexanders Gehirntumor bringt nur eine zeitweilige Linderung, keine endgültige Heilung. Marina kann ihren Geliebten nicht länger leiden sehen und tötet ihn mit einer Überdosis Schlaftabletten; dann nimmt sie sich selbst das Leben.

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Melodram um eine Hure

Skandal, Aufstand, Irritation - die Knef lässt sich nackt im Garten filmen! Der Kölner Kardinal Frings wetterte gegen diesen Film und die „Zersetzung der sittlichen Begriffe“ - Willi Forst konnte sich über ein lebhaftes Echo zu seinem ersten Nachkriegsfilm nicht beklagen. Nicht nur die katholische Kirche wusste, dass das Wort „Sünde“ unwiderstehlich lockt. Die Kinos waren voll. Der angebliche Skandal war der beste Reklameagent. Hildegard Knef gehörte nicht zu den Angepassten in der Filmbranche. Sie war etwas Besonderes. Sie wagte es, sich für ihr Publikum auszuziehen. (Unvorstellbar, dass eine Ruth Leuwerik diese Rolle übernommen hätte...) Und so haben viele zum ersten Mal eine Nackte auf der Kinoleinwand gesehen (die Älteren erinnerten sich sehr wohl an anzügliche Stummfilme). Man wollte einen Skandal sehen, der heute einfach lächerlich wirkt. Die Knef erzählt diesen Film in der Rückblende, lärmoyant, gefühlsbetont, irgendwie klebrig. Der Künstler, die große Liebe ihres Lebens (Gustav Fröhlich), erblindet, sie geht auf den Strich, um ihm die Operation zu finanzieren, aber es bringt nur einen Aufschub. Und da entdecken wir plötzlich das goldene Herz einer Hure. Der Film selber ist konventionell und sterbenslangweilig. Nicht einmal verrucht (wie hätte das möglich sein sollen bei der unterdrückten Sexualität in den Fünfzigern?). Zum Schluss nehmen sich beide das Leben. Aber sie ist kein Vamp, eher unterkühlt, berechnend, distanziert. Ist das der Sinn des Films: „Urteilt nicht allzu rasch über Menschen?“ (Seidl) Auch in einer Hure schlägt ein liebend Herz? Hildegard Knef schüttelte diesen Ausrutscher ab und machte Karriere, Willi Forst brauchte noch sechs Jahre, um zu begreifen, dass seine Art, Filme zu machen, hoffnungslos von gestern war. Adieu, Willi.

Credits

Alle Credits

Regie:Willi Forst
Regie-Assistenz:Georg Marischka
Drehbuch:Gerhard Menzel
Kamera:Václav Vích
Kameraführung:Klaus Schumann
Standfotos:Richard Wesel
Bauten:Franz Schroedter
Maske:Heinz Stamm, Jupp Paschke
Kostüme:André
Schnitt:Max Brenner
Ton:Martin Müller
Musik:Theo Mackeben
  
Darsteller: 
Hildegard KnefMarina
Gustav FröhlichAlexander
Robert MeynMarinas Stiefvater
Änne BruckMarinas Stiefmutter
Jochen-Wolfgang MeynMarinas Stiefbruder
Andreas WolfArzt
Theo Tecklenburg
Wera Frydtberg
Carl Voscherau
Benno Gellenbeck
Karl Kramer
Horst von Otto
  
Produktionsfirma:Deutsche Styria-Film GmbH (München), Junge Film-Union Rolf Meyer (Hamburg)
Co-Produzent:Rolf Meyer
Produktionsleitung:Helmuth Volmer
Aufnahmeleitung:Heinz Fiebig, Hannes Staiger
Länge:2384 m, 87 min
Format:35mm, 1:1,37
Bild/Ton:s/w, Ton
Prüfung/Zensur:FSK-Prüfung (DE): 18.01.1951, 02427, ab 18 Jahre / nicht feiertagsfrei
Aufführung:Uraufführung (DE): 18.01.1951, Frankfurt am Main, Turm-Palast

Titel

Originaltitel (DE) Die Sünderin

Fassungen

Original

Länge:2384 m, 87 min
Format:35mm, 1:1,37
Bild/Ton:s/w, Ton
Prüfung/Zensur:FSK-Prüfung (DE): 18.01.1951, 02427, ab 18 Jahre / nicht feiertagsfrei
Aufführung:Uraufführung (DE): 18.01.1951, Frankfurt am Main, Turm-Palast