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Im konservativ geprägten Südwesten Deutschlands stellen sich vier Menschen einer elementaren Herausforderung, um den Weg zu einem glücklicheren Leben zu finden.
Dabei ändert sich alles für sie. An einem Punkt ihres Lebens wussten sie mit jeder Faser ihres Körpers, dass es so nicht weitergehen konnte und eine große Veränderung in ihrem Leben nötig war. Sonst gäbe es für sie keinen Ausweg aus dem Chaos ihrer Gefühle und keine Hoffnung auf eine glücklichere Zukunft.
Sie heißen Gabriel, Elisabeth, Melina, Dunja. Vorher hatten sie einen anderen Namen, ein anderes Leben und ein anderes Geschlecht.
Sie haben vergeblich versucht, eine konventionelle Ehe zu führen oder davon geträumt, Diakon in der Kirche zu werden. Jetzt arbeiten sie in einer Metallfabrik, paddeln auf dem Bodensee oder stemmen Gewichte in einem Fitnessstudio.
Die Welt, in der sie leben, ist von konservativen Vorstellungen geprägt. Die Menschen begegnen ihnen oft mit Scheu, Unverständnis und Abneigung, aber auch mit Neugier und Freundlichkeit.
Auf ihrem Weg zum neuen Ich finden sie schließlich, worauf sie gehofft, wofür sie gekämpft und wofür sie gelitten haben: Augenblicke des Glücks, der Liebe und des Einklangs mit sich selbst.
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Nach 20 Jahren Psychotherapie, in denen er sich nicht wirklich ernstgenommen fühlte, in der Ehe mit Olli, die er eher als „Männer-WG“ empfand, outet er sich mit 38 Jahren und beginnt mit Hormonen und Muskelaufbau. „Eva wird Gabriel“ hat in der Zeitung gestanden, es war keine leichte Zeit, gerade auch nicht mit seiner Mutter, aber eine emotionale Erleichterung. Seinen Glauben hat er dennoch behalten: Wenn das Bodenpersonal Mist baut, hat das nichts mit seinem Gott zu tun. Der Personaltrainer und Ernährungsberater ist seit fünf Jahren glücklich mit der Immobilienmaklerin und Künstlerin Claudia Halder zusammen, die davor 20 Jahre in einer heterosexuellen Ehe mit zwei Töchtern lebte.
„Ich bin kein anderer Mensch, hab‘ nur einen anderen Namen“: Elisabeth Metzger, 65 Jahre alt, ist intersexuell. Sie hat in ihrem Leben viele Rollen gespielt – als Diakon Ewald in der katholischen Kirche und als Trompeter in der Musikkapelle Rot an der Rot, als Ingenieurin, die ihren VW-Bulli-Oldtimer daheim selbst auf Vordermann bringt und als Frau „mit transidentem Hintergrund“. Mit 52 Jahren hat sie sich zu ihrer intersexuellen Identität bekannt: „Irgendwann im Leben fällt der Vorhang und das Theaterspiel ist beendet.“ Schon in jungen Jahren spürte sie, dass sie anders war, auch sie zog sich häufig in eine einsam im Wald gelegene Kapelle zurück. Auch bei ihr dauerte es Jahre, bis sie den Mut fand, sich zu ihrer Wahrheit zu bekennen. Ihr Lebensmotto lautet: „Der Zusammenhalt und die Liebe zueinander ist das größte Gut, das wir haben, und das sollten wir nicht vergessen.“
„Dieses Leben, das lebst nur du“ spricht Melina Huber, in Friedrichshafen unmittelbar am Bodenseeufer stehend, direkt in die Kamera. Die 44-Jährige ist eine starke, pragmatische Persönlichkeit, die ihre bisexuelle Identität mit 36 Jahren offen zeigte, nachdem sie sich von ihrer eifersüchtigen Gattin getrennt hatte: „Die andere Frau, das bin ich selber.“ Melina arbeitet in einer Werkstatt für Metallverarbeitung und hat sich in einem oft rauen und von traditionellen Geschlechterrollen geprägten Berufsfeld durchgesetzt. Auch, indem sie nicht nur die Fragen der Kollegen mit entwaffnender Offenheit beantwortet, sondern auch die des Bäckermeisters ihres Vertrauens, Stefan Müller in Kehlen. Wie überhaupt alle Gesprächspartner Douglas Wolfspergers sehr freimütig selbst über intime Details ihrer körperlichen und seelischen Narben sprechen.
Melina lebt mit der 57-jährigen Dunja Wiesner zusammen, die sich noch immer auf dem Weg der Wandlung befindet. Auch die Friedrichshafener Schreinermeisterin hat in einer von Männern dominierten Branche ihren Platz gefunden, ohne jedoch je offiziell ihr Outing zu vollziehen. Ihre Geschichte ist von einer leisen, aber ständigen Auseinandersetzung mit ihrer Identität geprägt, und sie ringt noch immer mit dem Mut, sich vollständig zu zeigen.
„Denn dieses Leben lebst nur du“ zeigt zwar schmerzhafte, aber letztlich erfolgreiche Wege, wie Menschen, die vorher einen anderen Namen, ein anderes Leben in konventionellen heterosexuellen Ehen und ein anderes Geschlecht hatten, einen Ausweg aus dem Chaos ihrer Gefühle, im falschen Körper zu leben, gefunden haben. Und das nicht in einer anonymen Großstadt, sondern in einer ländlichen, katholisch geprägten Region in Baden-Württemberg, wo zumeist jeder jeden kennt.
Warmherzig, lebensbejahend und mit feinem Humor erzählt Douglas Wolfsperger („Bellaria“, „Die Blutritter”, „Wiedersehen mit Brundibar“) von Mut, Vielfalt und Selbstbestimmung der, nimmt man die nicht minder taffe Claudia Halder hinzu, fünf Protagonisten. Die sich täglich den Herausforderungen einer von Vorurteilen, aber auch von Angst ihnen gegenüber geprägten Gesellschaft stellen, etwa im Gespräch mit dem sich selbst als „konservativ“ bezeichnenden Eugen Abler.
Douglas Wolfsperger im Presseheft: „Vielleicht liegt mir diese Auseinandersetzung so nah, weil ich selbst einen Teil meiner Jugend in einer katholischen Klosterschule verbracht habe. Dort habe ich früh gelernt, wie viel Sprengkraft zwischen katholischer Sexualmoral und echter, gelebter Sexualität steckt. Diese Spannung begleitet mich bis heute und prägen meinen Blick auf die Geschichten, die ich erzähle.“
Pitt Herrmann