Kultureller Film im Fokus: NRW fördert 15 Projekte mit 517.400 Euro

Die Film- und Medienstiftung NRW unterstützt in ihrer aktuellen Förderrunde der vereinfachten Produktionsförderung 15 Filmprojekte mit insgesamt 517.400 Euro. Im Mittelpunkt stehen kulturelle Filmprojekte, die sich mit Fragen von Identität, gesellschaftlichem Wandel, Erinnerung, Gerechtigkeit und demokratischen Entwicklungen auseinandersetzen. Die geförderten Vorhaben zeichnen sich durch eine hohe künstlerische Qualität, innovative filmische Ansätze und relevante gesellschaftliche Perspektiven aus.

 

Gefördert werden Projekte aus den Bereichen Drehbuch, Projektvorbereitung, Kurz- und Langfilmproduktion sowie Postproduktion. Inhaltlich reicht das Spektrum von persönlichen Entwicklungs- und Familiengeschichten über historische und politische Recherchen bis hin zu internationalen Dokumentarfilmen. Die ausgewählten Projekte beleuchten unter anderem gesellschaftliche Umbrüche im Iran, die Folgen von Polizeigewalt, Migrationserfahrungen, demokratische Prozesse in Indien sowie Fragen von Erinnerung, Zugehörigkeit und Selbstbestimmung.

Die Entscheidung traf eine unabhängige Jury bestehend aus Franziska Gärtner, Head of Fiction bei der Kölner bft, Horst Herz, Filmemacher, Editor und Produzent, sowie Corinne Le Hong, Autorin und Filmemacherin.

Drehbuchförderung

"Istanbulda" - 10.000 Euro
Buch: Cenk Ertürk, Lohmar

Ein türkischer Friseur will seinem Leben entfliehen und glaubt, die einzige Möglichkeit dafür in Deutschland zu finden. Als er in Istanbul eine todkranke Deutsche trifft, verändert sich sein Leben grundlegend. Er hilft ihr und gerät in einen Konflikt zwischen Hoffnung, Aberglauben und Verzweiflung – bis er verspricht, das zu schützen, was ihr am wichtigsten ist: ihren kleinen Sohn. 

"Ein Stück Haut" - 10.000 Euro
Buch: Semih Korhan Güner, Köln 

Der neunjährige Sercan reist 1993 mit seiner Familie von Köln aus ins Heimatdorf seiner Eltern in der ostanatolischen Steppe. Dort wird seine Beschneidung vollzogen und gefeiert. Die Reise und die Tage im Dorf werden für ihn zu einer Auseinandersetzung mit patriarchalen Traditionen und dem Verlust kindlicher Geborgenheit. 

Projektvorbereitungsförderung

"Life is an Extreme Close Up" - 25.000 Euro
Regie: Shahab Kermani
Produktion: Shahab Kermani & Markéta Polednová, Köln 

In einem vom Krieg geprägten Iran wandert eine Kamera von Hand zu Hand. So wird sie zum Medium einer kollektiven filmischen Erzählung. In einer Zeit, in der niemand weiß, was die kommenden Monate bringen werden, entsteht über ein Jahr ein persönliches Porträt gesellschaftlicher Umbrüche. Die Protagonist*innen werden Dokumentarist*innen ihres eigenen Lebens. Die Beiträge der Filmenden verdichten sich zu einem gemeinsamen Blick – einem Symbol für Verbundenheit und widerständige Hoffnung.

"Der Körper als Archiv" - 14.500 Euro
Regie: Gelareh Kakavand, Münster 

Der hybride Dokumentarfilm changiert zwischen Archivforschung, beobachtender Gegenwart und essayistischer Montage. Auf zwei Erzählebenen werden die Ereignisse im Iran parallel zu denen in Deutschland von 1967 erzählt. Die Archivebene ist auf die politische Atmosphäre 1967, die Rolle des Schah-Regimes, der deutschen Polizeigewalt und den Kampf und die Deutung des Todes von Benno Ohnesorg fokussiert. Der Kern des Films dreht sich um die Frage, wie der Tod im Moment seiner Einschreibung vom Körper gelöst und in administrative Sprache überführt wird. 

"Landmarks" - 25.000 Euro
Regie: Benjamin Hindrichs
Produktion: El Gallo Amazónico Films, Hückeswagen

Um eine Modellfarm für Rinderzucht zu schaffen, ließ Volkswagen in den 1970er und 1980er Jahren Zwangsarbeiter zehntausende Hektar Amazonas-Regenwald roden. All dies hat sich tief in Körper und Landschaften einer ganzen Region eingeschrieben. Der Dokumentarfilm begleitet drei Zwangsarbeiter und Brüder, die erstmals an den Ort des Geschehens zurückkehren. Der Film arbeitet sowohl mit Archivmaterial als auch mit aktuellen Aufnahmen. Vergangenheit und Gegenwart kommen so zusammen. 

Produktionsförderung Kurzfilm

"Grundriss" - 25.000 Euro
Regie, Buch: Anja Kreis
Produktion: Fortis Fem Film, Köln 

Clara führt als Immobilienmaklerin Tag für Tag Interessierte durch leere Wohnungen. Stets ist sie kontrolliert und angepasst. Diese routinierte Normalität scheint auch ihr Privatleben zu bestimmen. Doch zunehmend verliert sie die Kontrolle über ihren Körper und ihr Leben. In einem Kreislauf aus Wiederholung und Selbstentfremdung wird sichtbar, was nie betrauert wurde. Und wie Erfahrungen, die keinen Raum bekommen haben, sich im Körper festsetzen. 

"Anything Above 300 Meters in Considered a Mountain" - 25.000 Euro
Regie, Buch: Kevin Biele, Köln 

Zusammen wollen Sohn (32) und Mutter (55) den Drachenfels besteigen. Die Mutter macht es für die Zweisamkeit mit ihrem Sohn. Der wiederum möchte seine übergewichtige, kurzatmige Mutter fit kriegen. Doch während des Aufstiegs staut sich der Frust bei beiden und es vermehren sich die Anzeichen, dass mit der Mutter etwas nicht stimmt. Auf dem Gipfel, während eine Frau ein Foto von ihnen macht, entlädt sich die Anspannung zwischen Mutter und Sohn - und verwandelt sich in eine Erinnerung über Verlust.

"Refugia" (Animation) - 25.000 Euro
Regie, Buch: Hannah Noh, Jiha Jeon 

Ein europäischer Baummarder sitzt reglos auf einem Ast. Als ein anderes Wesen - zusammengesetzt aus Naturmaterialien und weggeworfenem Abfall - durch den Wald zieht, folgt er ihm. Dazu muss er eine endlose Autobahn überqueren, wandert durch Museumräume im Aufbau, durch Dioramen mit eingefrorenen Präparaten und anthropozän veränderten Tieren. Am Ende kehrt er auf seinen Ast zurück - und rührt sich nicht mehr.

"The Last Straw" (AT) - 25.000 Euro
Regie, Buch: Silke Schönfeld, Dortmund

Eine junge Frau stolpert auf dem Weg nach Hause vor der Dortmunder Polizeiwache Nord in einen geparkten Polizeiwagen. Was danach geschieht, existiert in zwei unvereinbaren Versionen. Der Dokumentarfilm handelt von der Schwester der Regisseurin, die mutmaßliches Opfer von Polizeigewalt wurde, und untersucht die psychologischen Konsequenzen für Betroffene. Er stellt die Frage: Gibt es einen Einzelfall, der eindeutig genug ist – mit einem Opfer, das als unschuldig genug gilt – damit die eingespielten Mechanismen der Rechtfertigung nicht mehr greifen?

"Phoenix" - 25.000 Euro
Regie, Buch: Maximilian Bungarten, Mechernich 

Tomasz reist zur Beerdigung seines Vaters in seine Heimat im Rheinland zurück, um seine Mutter bei der Planung zu unterstützen. Beide verbergen Teile ihres Lebens voreinander und alte Spannungen zwischen Mutter und Sohn sind wieder da. Ein unerwartetes Wiedersehen mit einem alten Freund bestimmt Tomasz' Aufenthalt zu Hause ebenso stark.

Produktionsförderung Langfilm

"Flags of an Imaginary Nation" - 90.000 Euro
Regie, Buch: Rebana Liz John
Produktion: Filmbetrieb Dedek & Engelhardt, Köln 

Der Langzeitdokumentarfilm begleitet Schüler*innen in Mumbai bis zu ihrer ersten Parlamentswahl 2029. Das Portrait der indischen Jugend erforscht deren Träume, Ängste und unausgesprochenen Sehnsüchte. Vor dem Hintergrund digitaler Medien, Fehlinformationen und zunehmender Autokratie zeigen die Jugendlichen, wie es ist, in einer der größten Demokratien der Welt, die immer stärker unter Druck steht, erwachsen zu werden. 

"Operation Champion" - 60.000 Euro
Regie, Buch: Mariam Nikolaishvili
Produktion: CORSO Film- und Fernsehproduktion, Köln 

Gvantsa ist nach einem Autounfall schwerbehindert. Was folgt, ist keine Genesung, sondern eine Neuerfindung. Sie wird Weltmeisterin im Rollstuhl-Fechten. Was als Behinderung galt, verwandelt sich in eine mächtige Fähigkeit. Für das autoritäre Regime in Georgien wird sie als Schachfigur im politischen Spiel missbraucht. Bald steht sie im Zwiespalt zwischen einer Operation, die ihre Gesundheit retten könnte, und dem Sport, der ihrem Leben einen Sinn gibt. 

"Achinos" - 90.000 Euro
Regie: Iris Baglanea
Buch: Iris Baglanea, Alice Rohrwacher
Produktion: FICTION PARK, Düsseldorf

Zwei Schwestern im Alter von 7 und 10 Jahren leben mit ihrer Familie inmitten der Natur in Griechenland. Bewusst abgeschieden leben sie im Einklang mit ihrer Umwelt und fernab gesellschaftlicher Konventionen. Als das fragile Gleichgewicht der Familie ins Wanken gerät, trifft der Vater eine radikale Entscheidung. Um sich vor den Härten des Lebens zu schützen, verwandeln sie sich in Seeigel und machen den Tod zu einem Spiel.

Postproduktionsförderung

"Der Schüler*innen-Report" - 35.000 Euro
Regie, Buch: Sylvia Minhöfer / Borges 

Der hybride Dokumentarfilm beleuchtet weibliche Sexualität, Erinnerung und das Ringen um Selbstbestimmung. Zwölf Frauen erzählen im Klassenraum von ihren ersten sexuellen Erfahrungen – intim, widersprüchlich, roh und auch komisch. KI-basierte Bilder übersetzen ihre inneren Zustände. Der Film greift die Ästhetik des „Schulmädchen-Reports“ auf und kehrt sie um: Diesmal bestimmen die Frauen den Blick. Das Projekt wurde 2021 mit einem Wim Wenders Stipendium ausgezeichnet. 

"At the Edge of the Desert" - 33.000 Euro
Regie, Buch: Laurentia Genske 

Die Sonora-Wüste zwischen Mexiko und den USA ist eine der gefährlichsten Migrationsrouten. Extreme Hitze, Wassermangel und das schwierige Gelände fordern unzählige Menschenleben. Der Dokumentarfilm erzählt von Menschen, die diese Wüste durchqueren und von denen, die da sind, wenn sie ankommen. Was macht diese Erfahrung mit Helfer*innen, die nicht wegsehen? Was macht sie mit den Geflüchteten, die alles riskieren, um in Amerika anzukommen?

Quelle: www.filmstiftung.de