Am 28. Juni wurden im Gloria Palast bereits zum 31. Mal die renommierten Bernd Burgemeister Fernsehpreise für herausragende, produzentische Leistungen verliehen.
Die dreiköpfige Jury unter dem Vorsitz von Dagmar Rosenbauer (freie Produzentin), Heike Wiehle-Timm (Relevant Film) sowie Alexis von Wittgenstein (Violet Pictures) zeichnete Produzentin Doris Zander (Bavaria Fiction GmbH) für das unterhaltsame TV-Drama "Eine Nacht in Bangkok" mit Désirée Nosbusch und Matthias Brandt in den Hauptrollen als besten Fernsehfilm aus. Die für den besten Mehrteiler/Serie ausgelobte Trophäe ging an die geschäftsführenden Produzent*innen Katrin Haase und Oliver Arnold (U5 Filmproduktion GmbH & Co.KG) für die emotionale Science-Fiction Miniserie "Wake Up".
Bester Fernsehfilm: "Eine Nacht in Bangkok" - Szenen einer zerbrochenen Ehe. Yogastudiobesitzerin Katharina und Pastor Hektor leben seit zehn Jahren getrennt, als sie notgedrungen wieder aufeinandertreffen: Ihre erwachsene Tochter Lilith sitzt in Untersuchungshaft. Sie wird verdächtigt, eine Einbruchserie begangen zu haben. Während Hektor eine Anwältin engagiert, wird Katharina selbst tätig. Der Besuch bei Liliths Mitbewohner Robert erschüttert das Ex-Paar: Kennen sie ihre Tochter wirklich?
Produktion: Doris Zander (Produzentin), Bavaria Fiction GmbH für den NDR, Regie: Rainer Kaufmann, Cast: u.a. Désirée Nosbusch, Matthias Brandt, Clara Vogt, Susanne Wuest, Kim Riedle, Drehbuch: Sathyan Ramesh
Juryvorsitzende Dagmar Rosenbauer meint: "Doris Zander wollte etwas über die Traumata von Trennungskindern erzählen, ohne einen Themenfilm oder einen Krimi daraus zu machen. Eine Komödie sollte es sein - also hohes Risiko. Denn mit kaum etwas kann man so scheitern, wie mit dem Versuch lustig zu sein. Sie konnte den preisgekrönten Autor Sathyan Ramesh gewinnen, der aus dieser Idee ein urkomisches Drehbuch mit melancholischen Untertönen gemacht hat. Geschrieben für Désirée Nosbusch und Matthias Brandt. Was für ein Cast! Was für einen Spaß müssen alle Beteiligten bei diesen Dialogen gehabt haben; was für ein Glück mit dem exzellenten Regisseur Rainer Kaufmann, der in seiner Inszenierung weder die Emotionen noch die Komik gefürchtet hat. Und alles wäre nicht möglich gewesen, hätte die Produzentin mit diesem Angebot nicht Christian Granderath vom NDR überzeugt. Wie sie das mit dem Titel hinbekommen hat, muss sie uns unbedingt verraten! Denn in Bangkok spielt der Film definitiv nicht."
Bester Mehrteiler/Serie: "Wake Up" - eine emotionale wie visuell-radikale Science Fiction-Serie. Clara verunglückt bei einem Skiunfall und fällt daraufhin ins Wachkoma. Noch Jahre später gibt sich ihre Schwester Emilia die Schuld dafür. Doch eine medizinische Errungenschaft könnte ihre Schwester zurückholen: Mithilfe von Nanobots soll Claras Bewusstsein in Emilias Körper übertragen werden. Beide werden zu Testpersonen eines Experiments mit ungewissem Ausgang.
Produktion: Katrin Haase und Oliver Arnold (geschäftsführende Produzent*innen), U5 Filmproduktion GmbH & Co.KG für das ZDF, Regie: Mia Maariel Meyer, Tim Trachte, Cast: u.a. Luna Jordan, Aybi Era, Alicia von Rittberg, Simon Steinhorst, Désirée Nosbusch, Drehbuch: Arpana Aischa Berndt, Paulina Lorenz, Raquel Dukpa, Mar B. Alves, Dominik Hochwald, Christoph Mathieu
"Kurz nachdem wir als Jury unsere Entscheidung getroffen hatten, haben wir von Luna Jordans Tod erfahren, die mit ihrem Schauspiel einen besonderen Anteil an der heute preisgekrönten Produktion hat. Was ich sagen kann, ist, dass ihre Rolle in 'Wake Up' eine sehr besondere ist. Und dass Luna Jordan diese Rolle auf ihre ganz eigene Art phänomenal verkörpert hat", so Jury-Mitglied Alexis von Wittgenstein. "Außergewöhnliche Rollen, außergewöhnliche Besetzungsentscheidungen, ein außergewöhnliches Thema: 'Wake Up' ist in allen Belangen die herausragende Produktion aus dem diesjährigen Serien-Jahrgang des Bernd Burgemeister Fernsehpreises. Große ethische Fragen unserer Zeit über die Grenzen dessen, was technologisch bereits machbar und moralisch noch vertretbar ist, werden im Mikroskop einer sehr intimen Geschwister-Geschichte über Schuld und Erlösung verhandelt. Bei dieser Serie kann man über den gesamten Projektverlauf hinweg ablesen, wie viel Wert auf die Zusammenstellung von Kreativen und Crew gelegt wurde. Darin zeigt sich vielleicht die wichtigste Qualität von Produzentinnen und Produzenten."
Insgesamt gingen 16 Produktionen ins Rennen um die renommierte Auszeichnung. "Die Produzentin oder der Produzent tritt oftmals hinter den Erfolg anderer im Teamwork Film zurück. Und genau hier möchten wir als VFF mit dem Preis gegensteuern und gerade die ehren, die mit ihrer Risikobereitschaft, ihrer Ausdauer und ihrer Weitsicht relevante Fernsehfilme und -serien auf den Bildschirm bringen. Und oft sind sie auch inhaltlich Mütter und Väter ihrer Werke", betonte Dr. Albrecht Bischoffshausen, Geschäftsführer der VFF. "Für die kulturelle Vielfalt ebenso wie die Diskussion bedeutsamer Themen sind diese Produktionen ein wichtiger Gradmesser für aktuelle Strömungen in unserer Gesellschaft. Durch fiktionale Geschichten leisten sie alle einen maßgeblichen Beitrag zu Verständigung und Toleranz in einer zunehmend angespannten Debattenkultur – gerade auch dann, wenn sie Themen aufgreifen, die uns alle herausfordern und tief im Herzen berühren. Solche Geschichten, die bewegen, verstören, in uns etwas auslösen und die das Potential haben, uns als Gesellschaft näher zusammenzuführen."
Nach der Verleihung, die erstmals von Schauspieler Max von Pufendorf moderiert wurde, und dem Screening trafen sich die Preisträgerinnen und Preisträger mit weiteren namhaften Gästen der deutschen Film- und Fernsehbranche beim Get together im Herzog Restaurant & Bar.
Quelle: www.filmfest-muenchen.de