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Die einst gefeierte Popsängerin Mother Mary erscheint drei Tage vor ihrem geplanten Comeback-Auftritt unangekündigt auf dem abgelegenen Anwesen der Modedesignerin Sam Anselm im ländlichen England. Nach einem nicht näher benannten Vorfall hatte sie sich lange aus der Öffentlichkeit zurückgezogen; auch die frühere Zusammenarbeit der beiden endete vor Jahren im Streit. Nun bittet Mary Sam, ein neues Bühnenkostüm für ihre Rückkehr zu entwerfen, da sie nichts mehr besitzt, das zu ihrem Comeback passt. Im windumtosten Atelier entwickelt sich eine angespannte Begegnung, in der die frühere Vertrautheit Bitterkeit und Ablehnung gewichen ist. Während Sam mit Stoffen und Schnitten arbeitet, nehmen beide Frauen unabhängig voneinander eine unheimliche Erscheinung wahr: ein schwebendes rotes Stoffgebilde. Rückblenden zeigen Fragmente aus Marys Leben, von Bühnenmomenten bis zu einer Séance. Die Handlung verdichtet sich auf die Tage bis zum Comeback, in denen Gespräche, Erinnerungen und visionäre Bilder im abgeschlossenen Raum des Ateliers ineinanderfließen.
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Die gefragte Modedesignerin lebt und arbeitet im loftartigen Obergeschoss einer für den Zweck eines Modeateliers eigentlich viel zu düsteren Scheune eines alten Landhauses vor den Toren Londons (gedreht wurde in Nordrhein-Westfalen mit Schwerpunkt Burg Adendorf südlich von Bonn). An ihrer Seite mit Hilde (Model und LGBTQ-Aktivistin Hunter Schafer) offenbar mehr als nur eine berufliche Assistentin, der gegenüber Sam ihre frühere Lebensgefährtin einen „Tumor“ nennt.
Hilde bemüht sich vergeblich, Mary abzuwimmeln: Diese will für ihr von der Öffentlichkeit mit Spannung erwartetes Bühnen-Comeback im Londoner West End erneut mit Sam zusammenarbeiten, hat die einstige Kostümbildnerin doch vom Beginn bis zum plötzlichen Ende ihrer Karriere den ikonisch-glamourösen Stil ihrer Auftritte geprägt. Woran die Sängerin, deren Künstlername „Mother“ nicht im herkömmlichen Sinn „Mutter“ bedeutet, sondern als Begriff der queeren Subkultur „Ikone“ meint, nun wieder anknüpfen möchte.
Und das auch noch binnen nur dreier Tage (und Nächte) bis zum Auftritt im Palladium. Sam ist nach einer eingeforderten ausdrücklichen Entschuldigung Marys bereit, „die heilige Wandlung von Gefühlen“ in Stoffe und Farben zu verwandeln. Die Sängerin will sich in ihrem neuen Programm einerseits neu erfinden und andererseits zu ihren Wurzeln zurückkehren. Ihre gegenwärtige Verzweiflung drückt Mary in einem an Selbstgeißelung grenzenden ekstatischen Tanz aus.
In intensiven Gesprächen, zwischen denen Sam immer wieder zum Skizzenblock greift, kommt heraus, dass Mary meint, von einem Geist in Gestalt eines feuerroten Tuchs heimgesucht zu werden. Mit ihrem Londoner Konzert will sie den roten Dämon bezwingen – und Sams Kostüm soll ihr dabei helfen…
Wenn die Küchenpsychologie im Gespräch der beiden allmählich wieder miteinander vertrauten Frauen, denen Kameramann Andrew Droz Palermo hauteng auf die Pelle rückt, ausufert, sorgen phantastische, nach David Lowerys Angaben im Leonine-Presseheft von Taylor Swifts „Reputation“-Tour und dem 2018 entstandenen Film inspirierte Konzertaufnahmen Mother Marys für willkommene Abwechslung.
Diese machen das epische Melodram, das sich als Psychothriller geriert und doch nur ein auf der großen Kinoleinwand allerdings beeindruckender Musikfilm ist, sehenswert. Dessen Titelsong von Charli xcx, der britischen Singer-Songwriterin Charlotte Emma Aitchison, stammt. Die zusammen mit FKA twigs, der britischen Musikerin, Sängerin, Schauspielerin und Tänzerin Tahliah Debrett Barnett, die einen bisher unveröffentlichten Song beigesteuert hat, den sie selbst singt, und dem Produzenten Jack Antonoff die Original-Songs zum Soundtrack geliefert hat.
Zudem hatte David Lowery für die Besetzung der beiden Protagonistinnen ein glückliches Händchen mit der Oscar-Preisträgerin Anne Hathaway (2013 für den Musicalfilm „Les Misérables“), gerade in „Der Teufel trägt Prada 2“ in unseren Kinos und im Sommer in Christoph Nolans „Die Odyssee“ erneut auf der Leinwand zu erleben, und der zweifachen Emmy-Gewinnerin Michaela Coel, die als Guildhall-Absolventin auch eine erfolgreiche Dramatikerin ist. „Mother Mary“ ist am 10. April 2026 beim Int. Golden Horse Filmfestival in Taipei auf Taiwan uraufgeführt worden.
Pitt Herrmann