Die Einsendungen

Titel

Die Einsendungen

C. Lumpp, 20, aus Neckarsulm:
Ich gehe sehr gerne ins Kino, weil es so viele interessante Möglichkeiten gibt, ein- und dieselbe Geschichte völlig anders zu erleben. Eines der eindrucksvollsten Kinoerlebnisse war für mich der Film "Kurz", der Abschlussarbeiten der Filmakademie Ludwigsburg gezeigt hat. Die Vielfalt der cineastischen Möglichkeiten, sei es Trickfilm, Animation oder Kurzfilm waren einfach beeindruckend. Deutsche, europäische Filme überzeugen durch ihre Zurückhaltung, durch ihre Geschichten; sie trauen dem Zuschauer auch zu, kein Ende oder Happyend zu erleben.Es ist einfach viel schöner, nach einem Film noch die Möglichkeit zu haben, selber zu interpretieren und sich mit Freunden im Gespräch in geselliger Runde zu verlieren.

Udo Legner, 51, aus Brüssel:
KINO, das ist Verführung pur, Entführung aus dem oft drögen Alltag. Gutes Kino macht Lust auf Wirklichkeit. Nach einem Kinofilm fühlt man sich oft viel mutiger und meint, mit dieser gewissen Leichtigkeit, die man von der großen Leinwand mitgenommen hat, alles Kleinmütige und Schwere abschütteln zu können - zumindest für kurze Zeit. Besonders schön: die Open Air Filme bei unserem Dorffilmfest (www.filmfestkuh.de). "Cinema Paradiso" war so ein Film, oder "Lagaan" oder "Local Hero" - meist Filme, die zu unserem kleinen Dorf passen. Dann kommt so eine Atmosphäre zustande, wie sie nur das Kino oder Filmfeste herbeizaubern können - ein Stück Himmel auf Erden: Cinema Paradiso.

Jan P. Sefrin, 24, aus Frankfurt:
Ich bin früher eigentlich gar nicht ins Kino gegangen, höchstens ein- oder zweimal im Jahr vielleicht ins Multiplex. Mit dem Studium der Filmwissenschaft in Frankfurt hat sich das von Grund auf geändert. Wie es genau kam, kann ich gar nicht sagen. Am Institut von Heide Schlüpmann wird aber noch mit Film gearbeitet, nicht mit DVD, und ins Kino zu gehen ist fester Bestandteil des Studiums. Filmwissenschaft als Kinowissenschaft, praktiziert im Filmseminarraum der Universität, im "Mal seh"n" Kino und dem Kino des Deutschen Filmmuseums in Frankfurt. Überall dort wurde mir von Menschen, die Kino leben und über ein großartiges technisches und historisches Wissen verfügen, vermittelt, was den Erlebnisort Kino ausmacht. Die Faszination und Begeisterung ist auf mich übergesprungen. Heute gehe ich jede Woche ins Kino, oft mehrmals. Meine Magisterarbeit, an der ich gerade schreibe, behandelt das Thema "Programmkinos in Deutschland", die meiner Freundin das Kinderkino. Zusammen sind wir seit Ende Februar durch Deutschland gereist, haben 35 Kinos besucht, fotografiert und lange Gespräche mit den Kinomachern geführt. Und natürlich überall Filme gesehen. Jedes Kino war anders, so verschieden wie die Charaktere derer, die es betreiben. Jedes hatte seinen eigenen Charme und konnte auf eine andere Weise begeistern. Wir wurden überall toll aufgenommen und sind traurig, dass wir nicht noch länger herumreisen und noch mehr Kinos kennen lernen konnten. Es gäbe noch so viele Geschichten zu hören. Trotz der schwierigen Zeiten für das Kino sind die Energie und das Engagement der Kinobetreiber ungebrochen. Bei soviel Enthusiasmus wird der Funke auch irgendwann wieder aufs Publikum überspringen, da bin ich sicher. Die Vereinzelung vor dem Heim"kino" ist bestimmt nicht die Zukunft des Films.

Gliederung