Werner Schroeter

Werner Schroeter

Darsteller, Regie, Regie-Assistenz, Drehbuch, Kamera, Bauten, Kostüme, Maske, Schnitt, Ton, Musik, Produzent
*07.04.1945 Georgenthal; †12.04.2010 Kassel

Biografie

Werner Schroeter, geboren am 7. April 1945 in Georgenthal (Thüringen), aufgewachsen in Bielefeld und Heidelberg, studiert ab 1966 zunächst drei Semester Psychologie in Mannheim. Nach bestandener Aufnahmeprüfung wechselt er an die Hochschule für Fernsehen und Film in München, die er jedoch bereits nach wenigen Wochen wieder verlässt.
Im Dezember 1967 reist er zum Experimentalfilm-Festival EXPRMTL 4 im belgischen Knokke, wo er einen seiner 8mm-Filme vorstellt. Hier lernt er Rosa von Praunheim kennen, mit dem er, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt, in den nächsten Jahren zusammenlebt und den Film "Gotesk Burlesk Pittoresk" realisiert. Zwischen seinem Elternhaus in Heidelberg und seinem Berliner Wohnsitz (bei von Praunheim) pendelnd, realisiert Schroeter 1968 eine Reihe von Filmen: zunächst kurze Etüden auf 8mm, schließlich seine auf 16mm gedrehten Langfilme "Neurasia" und "Argila". Beide laufen mit großem Erfolg auf der Hamburger Filmschau 1969. Ein erster Durchbruch gelingt Schroeter noch im gleichen Jahr mit seinem dritten Langfilm "Eika Katappa", für den er im Oktober 1969 bei der Internationalen Filmwoche Mannheim den Josef von Sternberg-Preis erhält.

Schroeters filmischen Stil hat der Kulturjournalist Alfred Nemeczek 1980 in einem Artikel treffend zusammengefasst: Schroeter verzichte "auf eine Handlung und reiht szenische Höhepunkte aus Dichtung, Geschichte und Mythos ohne Übergang aneinander. Stundenlang nichts als Verzückung und Ekstase, nichts als Tod, Abschied, Liebeswahn, Verzweiflung." Schroeter arbeitet zudem mit einem festen Stamm von Darstellern, zu dem unter anderen Carla Aulaulu, Ellen Umlauf und später auch Christine Kaufmann gehören – sowie natürlich Magdalena Montezuma (bürgerlich: Erika Kluge), die er bereits als Jugendlicher kennen gelernt hat und die bis zu ihrem Tod 1984 in all seinen Werken auftritt.


Seit den frühen Siebziger Jahren werden seine Filme, die zum Teil während längerer Auslandsreisen (zumeist Italien) entstehen, in erster Linie vom Fernsehen finanziert, vor allem von der ZDF-Redaktion "Das kleine Fernsehspiel". "Ich habe ein Kassetten-Tonband und ein paar Oberhemden und ein Jackett, vier oder fünf Bücher... Meist lebe ich bei Freunden. Wenn ich arbeite, ziehe ich von Hotel zu Hotel, weil das eine doppelte Belastung für jemanden wäre, der mit mir leben muss", erklärt Schroeter 1980 in einem Interview.

Erst ab "Regno di Napoli / Neapolitanische Geschwister" (1978), als seine Filme klassischeren narrativen Strukturen folgen, kommen sie wieder in die Kinos – zum Teil mit beachtlichem Erfolg: "Regno di Napoli" wird unter anderem mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet und feiert auch international Erfolge. Für sein Gastarbeiterdrama "Palermo oder Wolfsburg" erhält Schroeter zwei Jahre später auf der Berlinale 1980 den Goldenen Bären. Nicht zuletzt in Frankreich feiern Cinephile Schroeter, der seine Drehbücher selbst verfasst und bis Ende der siebziger Jahre bei fast all seinen Filmen auch für die Kamera und den Schnitt verantwortlich zeichnet, als großen "Auteur". Gelegentlich tritt er auch als Darsteller in Filmen anderer Regisseure auf, so etwa bei Fassbinder ("Welt am Draht", "Berlin Alexanderplatz") und Herbert Achternbusch ("Das Gespenst").

Seit 1972 arbeitet Werner Schroeter neben seiner filmischen Tätigkeit auch am Theater, seit 1979 inszeniert er zudem Opern an deutschen und italienischen Opernhäusern. Seine eigenwilligen Klassiker-Inszenierungen, die er zum Teil mit seinen Stammschauspielern realisiert, sind oft umstritten. Zu seinen wichtigen Bühnenarbeiten gehören "Emilia Galotti" (Hamburg, 1972); "Salome" (1973), "Lucrecia Borgia" (1974), "Fräulein Julie" (1977) sowie "Das Käthchen von Heilbronn" (1978) unter der Intendanz Peter Zadeks in Bochum. Im März 1980 arrangiert er in Paris eine Show mit Ingrid Caven. Für Aufsehen sorgt er im Mai 1982 am Schauspielhaus Frankfurt mit Schillers "Don Carlos" – denn nach dem ersten Satz aus Schillers Drama verwandelt sich die Inszenierung in eine Aufführung von Pirandellos "Heute Abend wird aus dem Stehgreif gespielt".


Ab Mitte der achtziger Jahre werden die Abstände zwischen seinen filmischen Arbeiten immer länger. Wenn Schroeter jedoch neue Werke präsentiert, werden diese von Seiten der Kritik und der Cinephilen stets mit großem Interesse aufgenommen. So wird seine Ingeborg Bachmann-Verfilmung "Malina" (1991) mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle in Cannes uraufgeführt und erhält unter anderem Deutsche Filmpreise in den Kategorien "Bester Film" und "Beste Regie". Schroeters nachfolgender Film, die poetische Dokumentation "Poussières d"amour", lässt sechs Jahre auf sich warten – und wird prompt mit dem Preis der deutschen Filmkritik ausgezeichnet.

2008 stellt Schroeter nach einer sechsjährigen Filmpause im Wettbewerb der Filmfestspiele Venedig seine Juan-Carlos-Onetti-Adaption "Une nuit de Chien / Diese Nacht" vor. Schroeter erhält in Venedig den Goldenen Löwen für sein Gesamtwerk.

Auf der Berlinale wird Schroeter im Februar 2010 mit dem schwul-lesbischen Teddy Award für sein Lebenswerk geehrt; im März erhält er den Bielefelder Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreis.

Am 12. April 2010, wenige Tage nach seinem 65. Geburtstag, erliegt Werner Schroeter in Kassel den Folgen einer Krebserkrankung.

Filmografie

2012 Werner Schroeter
Mitwirkung
 
2010/2011 Mondo Lux - Die Bilderwelten des Werner Schroeter
Mitwirkung
 
2008 Diese Nacht
Regie, Drehbuch
 
2003 Begegnung mit Werner Schroeter
Mitwirkung
 
2002 Pfui Rosa!
Mitwirkung
 
2001/2002 Deux
Regie, Drehbuch
 
2001/2002 Die vierte Wand
Darsteller
 
1999/2000 Die Königin. Marianne Hoppe
Regie, Drehbuch, Interviews
 
1995/1996 Poussières d'amour
Mitwirkung, Regie, Drehbuch, Stoff, Interviews
 
1990 So lange ich fliehen noch kann, da schütze ich mich
Darsteller
 
1990 Malina
Regie
 
1986 Auf der Suche nach der Sonne
Sprecher, Regie, Drehbuch, Kommentar, Interviews
 
1984-1986 Der Rosenkönig
Regie, Drehbuch
 
1983 Der lachende Stern
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt
 
1982 Room 666
Mitwirkung
 
1982 Das Gespenst
Darsteller
 
1981/1982 Liebeskonzil
Regie
 
1981 Tag der Idioten
Regie, Drehbuch
 
1980/1981 Zwischen Mond und Sonne
Darsteller
 
1980 Weisse Reise
Darsteller, Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Ton, Musik, Produzent
 
1980 Generalprobe
Darsteller, Regie, Drehbuch
 
1979/1980 Rainer Werner Fassbinder: Mein Traum vom Traum des Franz Biberkopf: Vom Tode eines Kindes und der Geburt eines Brauchbaren
Darsteller
 
1979/1980 Berlin Alexanderplatz (14 Teile)
Darsteller
 
1979/1980 Palermo oder Wolfsburg
Regie, Drehbuch, Dialoge, Maske, Schnitt
 
1978 Neapolitanische Geschwister
Regie, Drehbuch, Schnitt
 
1975/1976 Goldflocken
Regie, Drehbuch, Kamera, Ausstattung, Kostüme, Musik, Produzent
 
1973/1974 Der schwarze Engel
Regie, Drehbuch, Kamera, Produzent
 
1973 Welt am Draht
Darsteller
 
1972/1973 Willow Springs
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Ton, Produzent
 
1972-1979 Army of Lovers or Revolt of the Perverts
Kamera
 
1971/1975 Johannas Traum
Regie, Drehbuch, Kamera, Produzent
 
1971/1972 Der Tod der Maria Malibran
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, , Produzent
 
1971 Macbeth
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1971 Salome
Regie, Drehbuch
 
1970/1971 Warnung vor einer heiligen Nutte
Darsteller
 
1970 Der Bomberpilot
Darsteller, Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Produzent
 
1970 Anglia
Regie, Drehbuch, Schnitt
 
1969 Eika Katappa
Regie, Drehbuch, Kamera, Ausstattung, Kostüme, Schnitt,
 
1969 Schwestern der Revolution
Darsteller, Regie-Assistenz
 
1969 Nicaragua
Regie, Drehbuch, Schnitt
 
1969 Samuel Beckett
Ton
 
1968/1969 Neurasia
Regie, Drehbuch, Kamera, Ausstattung, Schnitt, Musik-Bearbeitung, Produzent
 
1968/1969 Alabama: 2000 Light Years
Darsteller
 
1968 Grotesk - burlesk - pittoresk
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt
 
1968 La morte d'isotta
Darsteller, Regie, Drehbuch, Schnitt
 
1968 Argila
Regie, Drehbuch, Kamera, Ausstattung, Kostüme, Schnitt, , Produzent
 
1968 Übungen mit Darstellern
Darsteller, Regie, Kamera
 
1968 Himmel hoch
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt
 
1968 Aggressionen
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Ton
 
1968 Callas Walking Lucia
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt
 
1968 Mona Lisa
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt
 
1968 Virginia's Death
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt
 
1968 Paula »Je reviens«
Darsteller, Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt
 
1968 Maria Callas Porträt
Regie, Kamera, Schnitt
 
1968 Callas-Text mit Doppelbeleuchtung
Regie, Kamera, Schnitt
 
1968 Faces
Regie, Drehbuch
 
1968 Maria Callas singt. 1957 Rezitativ und Arie der Elvira aus Ernani 1844 von Giuseppe Verdi
Regie, Kamera, Schnitt
 
1967 Verona
Regie, Kamera, Schnitt
 
1966/1967 Schauplätze
Darsteller