Paul Leni
Biografie
Paul Leni
Der Bankiers-Sohn macht nach dem Gymnasium eine Ausbildung als Zeichner in einer Kunstschlosserei, geht um die Jahrhundertwende nach Berlin an die Akademie der Bildenden Künste. Er wird bekannt als Kunstmaler, Bühnenbildner, Karikaturist und Grafiker, entwirft u.a. 1910 den Titelkopf der Fachzeitschrift Lichtbild-Bühne, dekoriert eines der ersten Luxus-Kinos Berlins, das Lichtspielhaus Wittelsbach, gestaltet Plakate und Anzeigen für Filmfirmen.
1913 beginnt er bei der Continental-Kunstfilm mit den Detektiv-Filmen "Ein Ausgestoßener" und "Das Panzergewölbe" eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Regisseur und Produzenten Joe May. 1916 inszeniert er – zum Militär eingezogen – für das Bild- und Film-Amt (Bufa) den Dokumentar-Spielfilm "Der Feldarzt". Neben Entwürfen u.a. für Ernst Lubitsch und Joe May ("Veritas vincit", 1918/19) macht er vor allem als Regisseur und Ausstatter eigene Filme: das Melodram "Prima vera" (1917), den Abenteuerfilm "Das Rätsel von Bangalor" (1917), den Märchenfilm "Dornröschen" (1917), "die Lebensgeschichte eines Wollüstlings" "Prinz Kuckuck" (1919), das Drama "Patience" (1920).
1919–21 baut er bei der Gloria-Film neben stimmungsvollen Bauernstuben für E. A. Duponts "Die Geier-Wally" die aufwendigen Dekorationen zu seinem eigenen Historienfilm "Die Verschwörung zu Genua" sowie zu Richard Oswalds "Lady Hamilton".
Das Kammerspiel "Hintertreppe" wirkt eher durch Lenis Bildgestaltung als durch Leopold Jessners bedeutungsschwere Inszenierung. Bei den Dreharbeiten zu Duponts "Der weiße Pfau" (1920) lernt er die Tänzerin und Schauspielerin Lore Sello kennen, die er 1921 heiratet. Organisatorisch angelehnt an die May-Film 1922 Gründung der Paul Leni-Film GmbH.
Im folgenden Jahr eröffnet er mit dem Komponisten Hans May das Künstlerkabarett "Die Gondel", finanziert durch russische Emigranten, die auch hinter der Neptun-Film stehen, für die Leni 1923 seinen "Stilfilm" "Das Wachsfigurenkabinett" realisieren kann: Drei stilistisch höchst unterschiedliche Episoden mit Emil Jannings (Harun al Raschid), Conrad Veidt (Iwan der Schreckliche) und Werner Krauß (Jack the Ripper), eine weitere Episode kann wegen der Inflation nicht realisiert werden.
Neben Szenenbild-Entwürfen für verschiedene Gesellschaftsfilme engagiert sich Leni auf den verschiedensten Gebieten: 1925 entwickelt er mit dem Filmtechniker Guido Seeber "Rebus-Filme", Rätsel-Kurzfilme für das Kino-Publikum, inszeniert kurze Prologe für Kino-Premieren, entwirft Szenenbilder für die Herman Haller-Revue und gestaltet für das einflussreiche Buch "Expressionismus und Film" von Rudolf Kurtz den Umschlag.
Von Carl Laemmle unter Vertrag genommen, fährt Leni 1926 mit seiner Frau nach Amerika. In Hollywood adaptiert er den erfolgreichen Broadway-Krimi "The Cat and the Canary", dessen außergewöhnliche Licht- und Bild-Effekte Aufsehen erregen und Leni auf die Umsetzung geheimnisvoll-düsterer Sujets festlegen ("The Chinese Parrot", 1927). Die aufwendige Victor Hugo-Verfilmung "The Man Who Laughs" (1927/28) mit Conrad Veidt hat in Europa mehr Erfolg als in den USA, obschon er dort als einer der ersten Universal-Filme auch mit Musik und Geräusch-Effekten herauskommt. "The Last Warning" (1928/29) ist eine weitere Adaption eines erfolgreichen Bühnen-Thrillers.
Im Juni 1929 erkrankt Leni schwer, zeitweise gelähmt und sprachunfähig arbeitet er weiter an Filmplänen, stirbt jedoch kurz vor Antritt eines Erholungsurlaubs.
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