Herbert Bötticher
Quelle: DIF
"Lina Braake - Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat" (1974/75)
Biografie
Herbert Bötticher, geboren am 19. Dezember 1928 in Hannover, sammelt bereits als Teenager erste Bühnenerfahrungen als Statist an den Städtischen Bühnen Hannover. Von 1948 bis 1950 absolviert er eine Schauspielausbildung an der Schauspielschule Hannover und erhält direkt im Anschluss sein erstes Bühnenengagement am Staatstheater Karlsruhe, wo er vier Jahre lang zum Ensemble gehört.
Nach Stationen in Frankfurt am Main, Bielefeld und Stuttgart wird er 1958 an die Münchner Kammerspiele engagiert. Hier ist Bötticher in den kommenden zehn Jahren auf der Bühne zu sehen. Ende der sechziger Jahre verlässt Bötticher das Ensemble und ist als freier Schauspieler und Regisseur tätig, unter anderem in Frankfurt am Main, München und Hamburg.
Einem großen Publikum wird Bötticher freilich vor allem durch seine zahlreichen Fernseharbeiten bekannt. Ab Anfang der sechziger Jahre ist er vorwiegend in Nebenrollen zunächst in TV-Adaptionen populärer Bühnenklassiker wie etwa Franz Peter Wirths "Hamlet" (1960, als Güldenstern) und Hans Schweikarts George-Bernard-Shaw-Verfilmung "Candida" (1963) zu sehen. In den kommenden Jahrzehnten erweitert er seine Bandbreite um Serien-Krimis wie "Derrick", "Tatort" oder "Der Kommissar" bis hin zu Historienfilmen wie "Jacques Offenbach – Ein Lebensbild" (1969), geistreichen Komödien wie "Mein Freund Harvey" (1970) oder boulevardesken Lustspielen wie "...von Herzen mit Schmerzen" (1978).
Seine wohl bekannteste Rolle spielt Bötticher in der Erfolgsserie "Ich heirate eine Familie" (1983-1986), in der er als nonchalanter, ebenso linkischer wie gewitzter Lebemann Alfons zu sehen ist – eine Rolle, die Bötticher förmlich auf den Leib geschrieben ist und die sein Rollen-Image nachhaltig prägt.
Auf der Kinoleinwand ist Herbert Bötticher im Verlauf seiner fast 60 Jahre währenden Karriere nur sehr selten zu sehen – trotz prägnanter Rollen in so erfolgreichen Filmen wie "Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung" (1968) oder der preisgekrönten Sozialkomödie "Lina Braake" (1975) bleibt er dem Fernsehen und dem Theater treu.
Seit Beginn der neunziger Jahre ist Bötticher, der auch als Hörspielsprecher und Rezitator Erfolge feiern kann, bis auf ein paar vereinzelte Fernsehauftritte fast nur noch am Theater tätig, sowohl als Schauspieler, als auch als Regisseur (in dieser Funktion zuletzt 2005/2006 in Köln).
Ab Ende Oktober 2008 sollte er an der Seite seiner Frau Doris Gallart am Düseldorfer Theater an der Kö in dem Musical "Gigi" auf der Bühne stehen. Dazu kommt es nicht mehr: Am 08. Oktober 2008 erliegt Herbert Bötticher in seinem Düsseldorfer Hotelzimmer den Folgen eines Herzleidens.


