Hans Moser

Hans Moser

Weitere Namen: Johann Julier (Geburtsname)
Darsteller, Drehbuch, Musik
*06.08.1880 Wien, Österreich; †19.06.1964 Wien, Österreich

Biografie

Hans Moser, geboren als Johann Julier am 6. August 1880 in Wien, begann nach dem Besuch einer Handelsschule zunächst eine Lehre als Buchhalter bei einem Wiener Lederwarenhändler. Obwohl seine Eltern gegen eine Laufbahn als Schauspieler waren, besuchte er daneben kurzzeitig die Theaterschule Otto. Zudem nahm er Sprechunterricht bei dem Hofschauspieler Josef Moser – eine offenbar prägende Zeit, denn Josef Mosers Nachname diente Johann Julier fortan auch als Künstlername.

Sein erstes Engagement erhielt Hans Moser mit 17 Jahren an einer Schmierenbühne in Friedek-Mistek an der Ostrawitza, gefolgt von Auftritten als Statist und Chorsänger in Czernowitz und Cilli; seine ersten Sprechrollen hatte er 1897 am böhmischen Stadttheater Reichenberg. Anfang 1903 wurde er von Intendant Josef Jarno ins Ensemble des Wiener Theaters in der Josefstadt berufen. Da er auf Grund seiner geringen Körpergröße (1,57 Meter) oft in Kinderrollen besetzt wurde, verließ Moser 1907 das Ensemble und schloss sich Wanderbühnen an, mit denen er durch böhmische Dörfer, die Steiermark, Mähren und Ungarn zog.

Im Jahr 1910 kehrte Moser nach Wien zurück, wo er in Revue- und Kabarettaufführungen kleinere Rollen bekam. Am 5. August 1911 heiratete er Blanca Hirschler (1890-1974); zwei Jahre später wurde seine Tochter Margarete geboren. Im gleichen Jahr konnte er erste Erfolge als Solo-Komiker an der Possen-Bühne "Max und Moritz" verbuchen. 1914 wurde Moser zum Kriegsdienst eingezogen und war bis 1918 als Soldat in der k.u.k. Bau-Compagnie 1 des 4. Regiments an der Ostfront und am Isonzo in Norditalien.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wendete Moser sich erneut dem Kabarett zu. Als Ensemblemitglied der Wiener Rolandbühne trat er ab 1920 in Schwänken und Einaktern an Varietés und Musikbühnen auf. Dabei etablierte er sich zusehends als unverwechselbarer Charakterkomiker, nicht zuletzt dank Sketchen wie "Ich bin der Hausmeister vom Siebenerhaus" (1922), "Der Patient" (1922; 1932 als Kurzfilm verfilmt) und dem von ihm selbst verfassten "Der Dienstmann" (1923; 1928 und 1932 als Kurzfilme verfilmt). In Revuen des Varieté Ronacher und in Operetten des Theaters an der Wien spielte er Figurentypen, die auch sein späteres Filmimage prägen sollten: Kammerdiener, Billeteure, Hausknechte und andere dienstbare, aber kauzige Geister.

1925 wurde Hans Moser von Max Reinhardt erneut ans Theater in der Josefstadt engagiert; diesmal waren die Rollen hochkarätiger: Er spielte in Stücken unter anderem von Schnitzler und Nestroy. Außerdem stand er bei den Salzburger Festspielen und 1926 am Deutschen Theater Berlin auf der Bühne, 1927/28 gab er bei einem New Yorker Reinhardt-Gastspiel am Broadway den Zettel in Shakespeares "Ein Sommernachtstraum". In Berlin und Wien arbeitete er mit renommierten Regisseuren wie Heinz Hilpert sowie Otto Preminger und avancierte vor allem beim Wiener Publikum zu einem Star; seinem Rollentyp des nuschelnd-nörgelnden Kleinbürgers blieb er dabei meist treu. Trotz der Bühnenerfolge übernahm er zwischen 1934 und 1939 nur noch gelegentlich Theaterengagements. Um sich auf seine Filmkarriere zu konzentrieren, verzichtete er schließlich fast komplett auf Bühnenauftritte.

Seine ersten Nebenrollen in Filmen hatte Moser in den 1920er Jahren in Stummfilmen gespielt, so etwa als Notar in "Kleider machen Leute" (1922), als Abgeordneter in "Die Stadt ohne Juden" (1924), nach dem Roman von Hugo Bettauer, und als Dienstmann in "Die Familie ohne Moral" (1927). Aber erst mit dem Tonfilm, der ihm Gelegenheit gab, seinen ganz eigenen Sprachduktus zum Einsatz zu bringen, gelang Moser schließlich der Durchbruch als Filmschauspieler, wenn auch zunächst in Nebenrollen. Sein Tonfilm-Debüt gab er 1930 mit einem kleineren Part in der Komödie "Geld auf der Straße". In Willi Forsts Schubert-Film "Leise flehen meine Lieder" (1933) verkörperte er einen Pfandleiher, in dem Melodram "Maskerade" (1934) einen Gärtner. In Komödien, häufig inszeniert von E. W. Emo, Geza von Bolvary oder Carl Lamac, kultivierte er seine typische Rolle als fortwährend moserndes Faktotum, meist mit den Namen Anton, Ferdinand, Franz oder Alois.

Uniformen und Dienstmützen aller Art waren zwar die Insignien seiner Figuren, aber Moser spielte seine Aufseher, Diener und Beamten nicht ohne Hintersinn. So schrieb der Kritiker Karsten Witte 1981: "Mißmutige und Dienende waren Mosers Rollen, der Kleinbürger als Misanthrop sein Fach. Doch war er kein Menschenfeind, nicht von den Finten seiner Klasse geknickt, sondern von den Allüren der Herrschenden. Seine Grantigkeit drückt auch den Mißmut am Dienen aus." Damit stellte Moser einen Kontrast zu braven Kleinbürger-Darstellern wie Heinz Rühmann dar. Zugleich porträtierte er immer wieder Charaktere, die einen Wandel durchleben: In "Anton, der Letzte" (1939) gab er einen Bewunderer des Adelsstands, der schließlich zum Kämpfer für die Anliegen des kleinen Mannes wird; in "Das Ferienkind" (1943) war er ein verbitterter Mann, der vor Jahren seine eigene Tochter verstoßen hatte, aber durch sein Enkelkind zum liebevollen Großvater wird; in "Der Herr Kanzleirat" (1948) brillierte er als biestiger Frauenfeind, der sich unverhofft in eine junge Frau verliebt.

Nach 1933 war Moser für seine Filmarbeiten in Berlin auf eine "Sonderbewilligung" angewiesen. Er weigerte sich, sich von seiner jüdischen Frau Blanca scheiden zu lassen, die Deutschland im Jahr 1939 alleine verließ. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende der Nazi-Herrschaft lebte das Paar zeitweilig in Baden bei Wien; Moser gab im Landestheater Salzburg (auf englisch!) seinen "Dienstmann" für die Besatzungstruppen; 1947 trat er erneut an Wiener Theatern auf. 1948 gab Moser Gastspiele an Paul Walter Jacobs Freier Deutscher Bühne im argentinischen Buenos Aires, wo auch seine Tochter lebte, und in der New Yorker Carnegie Hall.

Seine Kinofilme der Nachkriegszeit waren ganz auf ihn zugeschnittenen. In Komödien wie "Hallo, Dienstmann" (1951) und "Der Onkel aus Amerika" (1953) gab Moser mit großem Erfolg seine cholerischen Nörgler; sanftere Varianten dieses Typus spielte er in Historienfilmen wie "Kaisermanöver" (1954) und "Kaiserball" (1956). Er wirkte in Remakes alter Filmerfolge wie "Der Kongreß tanzt" (1955) und "Die drei von der Tankstelle" (1955) mit, sowie in Neuauflagen eigener Kassenerfolge wie "Die Deutschmeister" (1955), "Opernball" (1956) und "Unentschuldigte Stunde" (1957). Seine amüsante, ironische Galligkeit wich dabei mit den Jahren einer altersmilden Sentimentalität.

Mosers Theaterarbeit beschränkte sich in den 1950er Jahren auf gelegentliche Gastspiele an Wiener und Münchner Bühnen. Am Wiener Burgtheater stellte er 1954 in einer Inszenierung von Schnitzlers "Liebelei" noch einmal sein Können als ernster Charakterdarsteller unter Beweis; 1957 wirkte er auch im gleichnamigen Fernsehspiel mit. 1961 verkörperte er den Zauberkönig in der TV-Adaption "Geschichten aus dem Wienerwald". Im gleichen Jahr wurde er zum Kammerschauspieler ernannt; 1962 erhielt er das Filmband in Gold für sein "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film".

Als himmlischer Polizeikonzipient in Kurt Meisels Burgtheater-Inszenierung von Molnárs "Liliom" stand Moser im November 1963 zum letzten Mal auf der Bühne. Seine letzte Rolle vor der Kamera spielte er in "Das Leben ist die größte Schau" (1964). Am 19. Juni 1964 erlag Hans Moser in Wien einem Lungenkrebs-Leiden. Er wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.

Filmografie

1963 Leutnant Gustl
Darsteller
 
1963 So schön wie heut'
Darsteller
 
1962 Mariandls Heimkehr
Darsteller
 
1962 Drei Liebesbriefe aus Tirol
Darsteller
 
1961/1962 Der verkaufte Großvater
Darsteller
 
1961/1962 Kaiser Joseph und die Bahnwärterstochter
Darsteller
 
1961/1962 Die Fledermaus
Darsteller
 
1961 Der Bauer als Millionär
Darsteller
 
1961 Mariandl
Darsteller
 
1961 ...und du, mein Schatz, bleibst hier. Die große heitere Musikparade
Darsteller
 
1961 Geschichten aus dem Wiener Wald
Darsteller
 
1959 Die schöne Lügnerin
Darsteller
 
1958/1959 Herrn Josefs letzte Liebe
Darsteller, Drehbuch
 
1958 Gräfin Mariza
Darsteller
 
1958 Ooh ... diese Ferien
Darsteller
 
1958 Zirkuskinder
Darsteller
 
1958 Hallo, Taxi
Darsteller
 
1958 Der Sündenbock von Spatzenhausen
Darsteller
 
1957/1958 Liebelei
Darsteller
 
1957 Heute blau und morgen blau
Darsteller
 
1957 Die Lindenwirtin vom Donaustrand
Darsteller
 
1957 Die Zwillinge vom Zillertal
Darsteller
 
1957 Die unentschuldigte Stunde
Darsteller
 
1957 Vier Mädels aus der Wachau
Darsteller
 
1957 Ober, zahlen!
Darsteller
 
1956 Solange noch die Rosen blüh'n
Darsteller
 
1956 Roter Mohn
Darsteller
 
1956 Kaiserball
Darsteller
 
1956 Opernball
Darsteller
 
1956 Lumpazivagabundus
Darsteller
 
1956 Meine Tante - Deine Tante
Darsteller
 
1955/1956 Ein Herz und eine Seele
Darsteller
 
1955/1956 Symphonie in Gold
Darsteller
 
1955 Le chemin du paradis
Darsteller
 
1955 Ja, ja, die Liebe in Tirol
Darsteller
 
1955 Der Kongreß tanzt
Darsteller
 
1955 Die Deutschmeister
Darsteller
 
1955 Die Drei von der Tankstelle
Darsteller
 
1954/1955 Ehesanatorium
Darsteller
 
1954 Verliebter Sommer
Darsteller
 
1954 Kaisermanöver
Darsteller
 
1953 Hollandmädel
Darsteller
 
1953 Einmal keine Sorgen haben
Darsteller
 
1952/1953 Der Onkel aus Amerika
Darsteller
 
1952 Du bist die Rose vom Wörthersee
Darsteller
 
1952 Schäm Dich, Brigitte!
Darsteller
 
1952 1. April 2000
Darsteller
 
1951/1952 Hallo, Dienstmann
Darsteller
 
1951 Zwei in einem Auto
Darsteller
 
1950 Es liegt was in der Luft
Darsteller
 
1950 Der Theodor im Fußballtor
Darsteller
 
1950 Es schlägt 13
Darsteller
 
1950 Küssen ist keine Sünd'
Darsteller
 
1949 1-2-3 Aus!
Darsteller
 
1949 Um eine Nasenlänge
Darsteller
 
1948 Der Herr Kanzleirat
Darsteller
 
1947/1948 Das singende Haus
Darsteller
 
1947 Der Hofrat Geiger
Darsteller
 
1946/1947 Die Welt dreht sich verkehrt
Darsteller
 
1946 Renee XIV.
Darsteller
 
1944-1946 Geld ins Haus
Darsteller
 
1944-1945/1949 Wiener Mädeln
Darsteller
 
1943/1944 Schrammeln
Darsteller
 
1943 Schwarz auf Weiß
Darsteller
 
1943 Reisebekanntschaft
Darsteller
 
1942/1943 Abenteuer im Grand-Hotel
Darsteller
 
1942/1943 Karneval der Liebe
Darsteller
 
1942/1943 Das Ferienkind
Darsteller
 
1942 Einmal der liebe Herrgott sein
Darsteller
 
1941/1942 Sette anni di felicità
Darsteller
 
1941/1942 Maske in Blau
Darsteller
 
1941/1942 Wiener Blut
Darsteller
 
1941 Wir bitten zum Tanz
Darsteller
 
1940/1941 Liebe ist zollfrei
Darsteller
 
1940 Rosen in Tirol
Darsteller
 
1940 Meine Tochter lebt in Wien
Darsteller
 
1940 Der Herr im Haus
Darsteller
 
1940 Sieben Jahre Pech
Darsteller
 
1939/1940 Wiener G'schichten
Darsteller
 
1939 Das Ekel
Darsteller
 
1939 Opernball
Darsteller
 
1939 Anton der Letzte
Darsteller
 
1939 Der ungetreue Eckehart
Darsteller
 
1938/1939 Menschen vom Varieté
Darsteller
 
1938/1939 Liebe streng verboten
Darsteller
 
1938 Kleines Bezirksgericht
Darsteller
 
1938 13 Stühle
Darsteller
 
1937/1938 Es leuchten die Sterne
Darsteller
 
1937/1938 Finale
Darsteller
 
1937/1938 Immer, wenn ich glücklich bin
Darsteller
 
1937 Die Fledermaus
Darsteller
 
1937 Die verschwundene Frau
Darsteller
 
1937 Unentschuldigte Stunde
Darsteller
 
1937 Mein Sohn, der Herr Minister
Darsteller
 
1937 Die glücklichste Ehe der Welt
Darsteller
 
1937 Mutterlied
Darsteller
 
1936/1937 Der Mann, von dem man spricht
Darsteller
 
1936 Burgtheater
Darsteller
 
1936 Hannerl und ihre Liebhaber
Darsteller
 
1936 Das Gäßchen zum Paradies
Darsteller
 
1936 Fräulein Veronika
Darsteller
 
1936 Schabernack. Wer ist wer
Darsteller
 
1935/1936 Confetti
Darsteller
 
1935/1936 Wer zuletzt küßt...
Darsteller
 
1935 Familie Schimek
Darsteller
 
1935 Zirkus Saran
Darsteller
 
1935 Ein junger Herr aus Oxford
Darsteller
 
1935 Die ganze Welt dreht sich um Liebe
Darsteller
 
1935 ...nur ein Komödiant
Darsteller
 
1935 Eva
Darsteller
 
1935 Endstation
Darsteller
 
1934/1935 Der Himmel auf Erden
Darsteller
 
1934/1935 Frühjahrsparade. Ein Film aus Österreich-Ungarns Vergangenheit
Darsteller
 
1934/1935 Vorstadtvarieté. Die Amsel von Lichtental
Darsteller
 
1934/1935 Die Fahrt in die Jugend
Darsteller
 
1934/1935 Winternachtstraum
Darsteller
 
1934 Polenblut
Darsteller
 
1934 Der junge Baron Neuhaus
Darsteller
 
1934 Maskerade
Darsteller
 
1934 Karneval und Liebe
Darsteller
 
1934 Die Töchter Ihrer Exzellenz
Darsteller
 
1934 Mayer beim Zahnarzt
Darsteller
 
1934 Das hohe C
Darsteller
 
1934 Hohe Schule
Darsteller, Gesang
 
1934 Frasquita
Darsteller
 
1933 Fuchs auf der Hetzjagd
Darsteller
 
1933 Kurzschluß
Darsteller
 
1933 Leise flehen meine Lieder
Darsteller
 
1932/1933 Madame wünscht keine Kinder
Darsteller
 
1932 Der große Trick
Darsteller
 
1932 Der Dienstmann
Darsteller, Drehbuch
 
1932 Der angenehme Patient
Drehbuch
 
1931/1932 Man braucht kein Geld
Darsteller
 
1931/1932 Ehe mit beschränkter Haftung
Darsteller
 
1931 Der verjüngte Adolar
Darsteller
 
1930 Liebling der Götter
Darsteller
 
1930 Geld auf der Straße
Darsteller
 
1928 Der Dienstmann
Darsteller
 
1928 Spitzenhöschen und Schusterpech
Darsteller
 
1927 Madame wagt einen Seitensprung
Darsteller
 
1926/1927 Die Familie ohne Moral
Darsteller
 
1926 Schützenliesl
Darsteller
 
1926 Der Feldherrnhügel
Darsteller
 
1925 Das Spielzeug von Paris
Darsteller
 
1924 Ssanin
Darsteller
 
1924 Die Stadt ohne Juden
Darsteller
 
1922/1923 Hoffmanns Erzählungen
Darsteller
 
1921 Kleider machen Leute
Darsteller
 

Übersicht

Fotogalerie

Alle Fotos (16)

Literatur

KOBV-Suche