Die Bergkatze

Die Bergkatze

Deutschland 1921, Spielfilm

Die Bergkatze



Lichtbild-Bühne, Nr. 16, 16.4.1921
(...) Um den ersten Eindruck festzuhalten: ein echter Lubitsch-Film, der seine eigenen Wege geht, keine Konzessionen macht und mit neuen Mitteln die zugrunde liegende Idee auszudrücken sucht. (...)

Lubitschs Regie hat die Vorgänge in eine außerweltliche Sphäre versetzt. Er hat den Stoff in einem großen Regiestil gemeistert, hat ihm ein Gepräge aufgedrückt, das mit seltener Einheitlichkeit durchgehalten ist. Diese Einheitlichkeit wird allerdings mitunter zum Zwang: so, wenn Lubitsch die stilisierende Wirkung durch zahllose phantastisch geschnittene Vignetten unterstützt, wenn die Natur nur Inhalt, nur Füllung eines grotesken Bildausschnittes wird. Aber der Wurf ist bezaubernd, das Experiment kühn und die Art, wie der Regisseur die Dinge sieht, immer überraschend und witzig. Es wäre sinnlos, die tausend Regieeinfälle aufzuzählen, die das Publikum zum Beifall hinrissen, es steckt so viel wirkliche Komik, so viel grotesker Humor in neuartiger Form in diesem Film, wie in keinem andern deutschen Produkt. Aber gerade diese Neuartigkeit wird vieleicht auf ein unvorgebildetes Publikum etwas erkältend wirken, obschon der Erfolg im Ufa-Palast dem zu widersprechen scheint.

Pola Negri als Räuberstochter, als "Tolle Rischka" ist von einer temperamentvollen Komik, von einer verblüffenden Hingabe an alle Abenteuer der Rolle. Sie gehört wirklich zu jener seltenen Klasse von Schauspielerinnen, die im Tragischen wie im Komischen gleich begabt sind. Ihre Komik ist wirklich gekonnt, sie spielt wirklich, und um so überraschender ist die Wirkung. Und wenn sich einmal eine ernste Situation einschleicht, ist sie die überlegene Künstlerin, die alle Schwierigkeiten durch ihr souveränes Filmspiel überwindet; und man erlebt in diesem grotesken Lustspiel ernste Momente, die durch das große Spiel der Negri geradezu tragisch packen. Entzückend ist Paul Heidemann als fescher Leutnant, von einer natürlichen, unposierten Sieghaftigkeit, die alle Herzen mit einer instinktiven Geste erobert. Und von den Räubern sind Diegelmann und Thimig kleine Kabinettleistungen, denen sich der dicke Kommandant Jansons würdig anreiht. Janson ist eine starke Begabung, vielleicht einer der besten Episodendarsteller im deutschen Film: sein Kommandant war von einer unerhört grotesken Komik, die immer wieder zum Lachen hinriß. Und unvergessen sei Edith Meilers Offizierstöchterchen, mit einem entzückenden parodistischen Talent hingelegt, alle Klippen der Rolle mit Temperament und Munterkeit überwindend.

Stern hat diesem Werke den Stempel seiner Persönlichkeit aufgedrückt. Ihm ist die kühne Innenarchtitektur zu danken, er hat die Ritterburg erbaut, die wie aus einer grotesken Spielzeugschachtel herausgenommen wirkte. Tausend geistreiche dekorative Einfälle flirren überall in dem Film herum, die ihren Ursprung in Sterns Kopfe haben. Nicht zu vergessen ist die Photographie Sparkuhls, der wunderbare Schneelandschaften mit nach Haus brachte, ebenso die technische Leistung der Meßter-Gesellschaft, deren Gipfelpunkt ein koloriertes Feuerwerk bildete, wie es die deutsche Filmkunst noch nicht gesehen hat.