Der müde Tod

Der müde Tod

Deutschland 1921, Spielfilm

Der müde Tod

L. Hj., Deutsche Allgemeine Zeitung, 9.10.1921, zit. nach Film und Presse, Nr. 37/38, 1921

Ein Volkslied in 6 Versen nennt Fritz Lang, der Verfasser und Regisseur, seinen neuen Film, den die Decla-Bioskop unter großer Prachtentfaltung im U. T. Kurfürstendamm uraufführen ließ. (...) In den Film ist ungeheuer viel Stoff hineingepackt, so daß man die erwünschte Steigerung etwas vermißt; aber die Regie ist ausgezeichnet. Fritz Lang hat zusammen mit seinen Architekten den poetisch-romantischen Charakter der Handlung voll herausgearbeitet, gleich, ob es galt, die Szenen einer verträumten deutschen Kleinstadt, eingesponnen in Mondschein- und Postkutschenromantik, oder das überschäumende Leben eines römischen Karnevals in wirbelnden Renaissancebildern oder die schwere orientalische Pracht eines Kalifenpalastes oder die barocken Drolerien im Reiche der Mitte auf die Leinwand zu zaubern. Es ist alles wunderbar stilecht, und holzschnittartig scharf wachsen seine Menschen aus der Umgebung heraus. Zauberhaft wirken die Bilder, und vor allem feiert der Kinotrick wahre Triumphe, wenn z. B. der große Zauberer A-Hi einen ellenlangen Brief in eine Luftschlange verwandelt, die lustig fortfliegt, oder wenn der Zauberer mit seinen Gehilfen auf seinem Zauberteppich durch die Lüfte ins Reich des Kaisers fährt oder wenn aus einem kleinen Kasten eine ganze wohlausgerüstete Armee hervormarschiert, wenn Menschen plötzlich in wilde Tiere verwandelt werden oder in einer hohen Mauer unvermittelt ein gotisch spitzbogiges Tor sich öffnet. Die gutgelungenen Photographien tragen nicht unwesentlich dazu bei, den Genuß an all den schönen Bildern aus tausend und einer Nacht zu erhöhen. – Von den Darstellern interessiert eigentlich nur das Liebespaar: Lil Dagover, die in ihrer ruhigen Schönheit eine ideale Märchenfigur ist, und ihr gleichwertiger Partner Walter Jansen. Ferner B. Goetzke, der den Tod darstellte: nicht hart und gewalttätig, sondern milde lächelnd – müde.