Spur der Steine

Spur der Steine

DDR 1965/1966, Spielfilm

Spur der Steine


Ralf Schenk, Filmspiegel, Berlin/DDR, Nr. 26, 1989


Umfangreiche Drehreportagen hatten großes Interesse ge
weckt: Frank Beyers Film "Spur der Steine", nach dem gleichnamigen Roman von Erik Neutsch, sollte die gesellschaftliche Diskussion über den Stand der Dinge in der Mitte der sechziger Jahre, über Werte und Ziele des Sozialismus in der DDR befördern. Noch Anfang Juni ließ der "Filmspiegel" vom Wunsch des künstlerischen Beirats der HV Film wissen, das soeben vollendete Werk, das sich durch eine "lebensnahe, eigenwillige Gestaltung eines bedeutenden Gegenwartsthemas" auszeichne, solle schnellstens in die Kinos. Bereits einen Monat später jedoch waren ganz andere Töne zu vernehmen: "Wert oder Unwert eines Films – darüber hat das Publikum entschieden", stand in der populären Kinoillustrierten zu lesen, und weiter: "Es beurteilt, ob ein Kunstwerk nützliche Erkenntnisse vermittelt, die der Vertiefung der Wahrheit, der Förderung des sozialistischen Bewußtseins dienen – kurz: ob es der gesellschaftlichen Entwicklung nutzt oder schadet." Und "Spur der Steine" stimme mit den Realitäten und historischen Erfahrungen nicht überein. Bis heute sind die Hintergründe der gegen Frank Beyers Film gerichteten Kampagne – jene "Filmspiegel"-Sätze waren nur einer ihrer Bestandteile – nicht genau aufgehellt. Tatsache ist, daß nach enthusiastisch aufgenommenen Voraufrührungen der eigentliche Start im Juli 1966 in eine plötzliche Atmosphäre des Boykotts und der Verteufelung geriet. In einigen Kinos wurden lautstarke Proteste inszeniert; organisierte Randalierer und Zwischenrufer machten sich ans Werk. "Spur der Steine", auf solche Weise diskreditiert, verschwand nach sieben Tagen völlig von den Leinwänden der DDR und lag seitdem unter strengem Verschluß. "Unsere Menschen" – ein in den vergangenen Jahrzehnten viel ge- und mißbrauchter Begriff – hatten gesprochen…

Mit der Wiederaufführung nach 23 Jahren kann sich nun jeder sein eigenes Bild von der politischen und künstlerischen Qualität dieses Films machen.