Premiere der restaurierten Fassung von Stummfilm-Epos "Die Nibelungen" am 27. April in Berlin

26.03.2010 | 16:43 Uhr

Premiere der restaurierten Fassung von Stummfilm-Epos "Die Nibelungen" am 27. April in Berlin



Am 27. April 2010 feiert Fritz Langs Stummfilm-Epos "Die Nibelungen" (DE 1924/2010) in der restaurierten Fassung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung seine festliche Welturaufführung in der Deutschen Oper Berlin.


Die zweiteilige Verfilmung des mittelhochdeutschen Nibelungenliedes – "Siegfried" und "Kriemhilds Rache" - gehört zu den monumentalen Produktionen des Weimarer Kinos. Es spielt das hr-Sinfonieorchester unter der musikalischen Leitung von Frank Strobel.

Derzeit wird an der Restaurierung noch gearbeitet. Die neue, von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung aufwändig restaurierte Filmfassung des Nibelungen-Epos wird eine bisher nicht gekannte Annäherung an die historischen Versionen darstellen.

Erstmals war es möglich, die ungewöhnlich reichhaltige Überlieferung von achtzehn zeitgenössischen Filmmaterialien, die weltweit in Filmarchiven zwischen Rom und Montevideo erhalten sind – darunter auch die Kameranegative – für die Restaurierungsarbeiten zu berücksichtigen.

Ausgehend von den Kameranegativen des Bundesarchiv- Filmarchiv Berlin und des Deutschen Filminstituts-DIF, Frankfurt am Main kann eine deutsche Version in hervorragender Bildqualität sowie, entsprechend der erhaltenen Verleihkopien, in orangefarbener Virage präsentiert werden. Darüber hinaus konnte die Schlussszene vervollständigt werden: In einer Rolle Outtakes aus der Deutschen Kinemathek, Berlin, fand sich eine Einstellung, in der zu sehen ist, wie Kriemhild erstochen wird und nicht, wie in der bisher bekannten Fassung, lediglich nach vollendeter Rache sterbend zusammenbricht.

Der Film folgt im Wesentlichen der Nibelungen-Sage: Im ersten Teil ("Siegfried") geht es um den strahlenden Helden Siegfried, der Brunhild für Gunther besiegt, Kriemhild freit und schließlich das Opfer von Hagens Intrige wird. Im zweiten Teil ("Kriemhilds Rache") erlebt das Publikum die dunkle Seite der Tragödie, die im Inferno des brennenden Hofes von Etzel endet.

Beide Teile sind in jeweils sieben "Gesänge" unterteilt. Die sinfonische Originalmusik von Gottfried Huppertz (* 1887 Köln, † 1937 Berlin) entstand im Auftrag der Ufa und gehört zu den Schlüsselwerken der deutschen Filmmusikgeschichte. Sie wurde anlässlich der aktuellen Filmrestaurierung neu editiert auf der Grundlage der in der Deutschen Kinemathek erhaltenen Original-Manuskripte und Skizzen von Gottfried Huppertz.

Seine "Nibelungen"-Musik ist in ihrer Klangsprache stark an die Musik der Spätromantik angelehnt und arbeitet mit Leitmotiven zur Charakterisierung der Figuren und Handlungsmotive. Unverkennbar ist aber auch Huppertz Bestreben, in diesem Werk eine eigenständige Filmmusik vorzustellen, die in ihrem Zusammenspiel mit dem Bild viele Techniken der modernen Filmmusik vorwegnimmt.


Restaurierung und Partner

Der Film "Die Nibelungen", der gegenwärtig von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung restauriert wird, feiert als Koproduktion mit dem Hessischen Rundfunk sowie ZDF in Zusammenarbeit mit ARTE am 27. April in der Deutschen Oper Berlin seine Uraufführung. Die Rekonstruktion und Neueinspielung der originalen Filmmusik von Gottfried Huppertz wird von ZDF/ARTE und dem hr- Sinfonieorchester verantwortet.

Die Filmredaktion beauftragte Frank Strobel und Marco Jovic mit der Rekonstruktion und Synchroneinrichtung der Musik auf Grundlage der überlieferten Manuskript- Materialien des Komponisten. Ediert wird das neue Notenmaterial von der der Europäischen Filmphilharmonie. Den Weltvertrieb übernimmt die Transit Film GmbH.

An der Restaurierung sind insgesamt 17 Einrichtungen aus neun Ländern beteiligt. Filmmaterialien werden verwendet von: British Film Institute (London), Bundesarchiv-Filmarchiv (Berlin), Cineteca Nazionale (Rom), Deutsches Filminstitut – DIF (Frankfurt am Main), Filmarchiv Austria (Wien), Filmmuseum im Stadtmuseum München, Filmoteca Catalunya (Barcelona), Fondazione Cineteca Italiana (Mailand), Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung (Wiesbaden), Gosfilmofond (Moskau) und Stiftung Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen (Berlin).

Zur Restaurierung tragen außerdem bei: Archivo Nacional de la Imagen – Sodre (Montevideo), Cinémathèque de Toulouse, Filmmuseum Potsdam, Filmoteca Espanola (Madrid), Museum of Modern Art (New York) und UCLA Film & Television Archive (Los Angeles). PresTech Ltd. (London) ist das für die Filmrestaurierung verantwortliche Kopierwerk.

Zur Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
Seit ihrer Gründung im Jahr 1966 setzt sich die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung für den Erhalt, die Pflege und die Zugänglichmachung eines Großteils des deutschen Filmerbes von herausragender kultur- und filmhistorischer Bedeutung ein. Ihre Bestände reichen vom Beginn der Laufbilder bis zum Anfang der 1960er Jahre und umfassen 2000 Stummfilme, 1000 Tonfilme und rund 3000 Kurzfilme (Werbe-, Kultur-, Dokumentarfilme).

Darunter befinden sich neben "Die Nibelungen" die großen Klassiker des deutschen Kinos wie "Metropolis", "Das Cabinet des Dr. Caligari", "Der blaue Engel", "Die drei von der Tankstelle", "Münchhausen", "Große Freiheit Nr. 7" und "Helden", ebenso eine Vielzahl von Filmen bedeutender Regisseure wie Friedrich Wilhelm Murnau, Fritz Lang, Ernst Lubitsch, Detlef Sierck, Helmut Käutner und Wolfgang Staudte.


Seit April 2009 betreibt die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in zentraler Lage der Landeshauptstadt Wiesbaden das Deutsche Filmhaus, welches filmkulturellen Einrichtungen, Interessenvertretungen aus der Filmwirtschaft sowie Film- und Medienunternehmen ein gemeinsames Domizil bietet. In dem modernen Büro- und Veranstaltungskomplex bietet das Murnau-Filmtheater einen öffentlichen Kinospielbetrieb, der Multi-Funktionsbereich dient für Veranstaltungen und Ausstellungen.

Weitere Informationen unter:
www.dienibelungen2410.de