"Kafka geht ins Kino" vom 20. bis 23. April im Filmmuseum München

12.04.2017 | 11:36 Uhr

"Kafka geht ins Kino" vom 20. bis 23. April im Filmmuseum München

Zur Neuauflage des Buchs von Hanns Zischler "Kafka geht ins Kino" hat das Filmmuseum München die im Buch erwähnten Filme zusammengetragen und in Zusammenarbeit mit internationalen Filmarchiven aufwändig restauriert.

Vom 20. bis 23. April 2017 sind ausgewählte frühe Melodramen, Komödien und Dokumente im Filmmuseum zu sehen, musikalisch begleitet werden die Stummfilme von Richard Siedhoff und Günter A. Buchwald. Zur Eröffnung am Donnerstag, 20. April 2017 um 19.00 Uhr liest Hanns Zischler aus seinem Buch, ergänzt durch Filmausschnitte und Erläuterungen zur Restaurierung von Stefan Drößler.

Viele kennen Franz Kafkas Tagebuchnotiz: "Im Kino gewesen. Geweint", aber nur wenige wissen von den Film-Obsessionen des Autors. Eine wichtige Empfängerin seiner Briefe ist seine Verlobte Felice, der er in wechselnden Stimmungen während seiner Reisen Erlebnisse und Impressionen vermittelt, wozu auch Kinobesuche gehören. Hanns Zischler hat sich für sein Buch auf Spurensuche begeben, um speziell die Kinobesuche von Franz Kafka in Prag, Paris, München, Verona und bei anderen Reisen aus Briefen und Tagebüchern zu rekonstruieren. Oft war Kafka damals in Begleitung seines Freundes, des Autors Max Brod. Eine große Rolle spielt in diesem Zusammenhang der dänische Film "Die weiße Sklavin" (1910) von August Blom. So notierte Kafka am 26. August 1911 in sein Tagebuch: "Ich erinnere mich noch genau an das Kinematographenstück 'Die Weiße Sklavin', in dem die unschuldige Heldin gleich am Bahnhofsausgang im Dunkel von fremden Männern in ein Automobil gedrängt und weggeführt wird." Die Vorführung des Films am 21. April 2017 wird allerdings zeigen, dass die Filmsequenz in dieser Form nicht existiert und die erwähnten Männer lediglich von rechts nach links das Bild passieren.

Im Programm sind außerdem "Theodor Körner" (1912), ein "vaterländischer Großfilm" zum 100. Geburtstag des Freiheitsdichters, "Die Herzensbrecherin" (1913), ein "herrlich koloriertes" Melodram, das Kafkas Schwester empfahl, "Daddy-Long-Legs" (1919), eine typische Komödie mit Mary Pickford, die Kafka außerordentlich begeisterte, der erste deutsche Künstlerfilm "Der Andere" (1913) mit Albert Bassermann sowie "Rückkehr nach Zion" (1921) aus Palästina, ein zionistischer Dokumentarfilm über den Aufbau eines "jüdischen Palästina", den Stewart Tryster, der ehemalige Leiter des Steven Spielberg Jewish Film Archives in Jerusalem, vorstellt (23.4. um 18.30 Uhr).

Umrahmt wird die Reihe mit Steven Soderberghs collagehaftem Spielfilm "Kafka" (1991), einer Mischung aus Historie, Realfiktion und Kafkas Personal. (18.+21.4.)

Die restaurieren Filme der Kafka-Reihe werden Ende April als 3er-DVD Nr. 95 in der Edition Filmmuseum erscheinen. www.edition-filmmuseum.com

Hanns Zischler: "Kafka geht ins Kino" (mit DVD), Galiani Verlag, Berlin. www.galiani.de

Quelle und weitere Informationen: www.muenchner-stadtmuseum.de/film

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