Nachts, wenn der Teufel kam

Nachts, wenn der Teufel kam

BR Deutschland 1957, Spielfilm

Inhalt

Deutschland zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Bereits seit elf Jahren treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Kurz vor Kriegsende gelingt es dem ermittelnden Kommissar den Täter, einen geistig zurückgeblieben Mann, zu überführen. Zunächst soll der Prozess den Nazis dazu dienen, ein neues "Schandgesetz" zu begründen. Dann aber kommen Zweifel auf, ob es angesichts der prekären Lage im Land wirklich schlau wäre, den Bürgern in einem Aufsehen erregenden Gerichtsverfahren das Gefühl zu geben, die deutsche Polizei sei elf Jahre lang bei der Aufgabe gescheitert, einen debilen Mörder zu fassen. Also wird der Täter ohne Verfahren hingerichtet. Nun muss jedoch ein anderer "Täter" her, der an Stelle des wahren Mörders der Öffentlichkeit präsentiert werden kann. Als der zuständige Kommissar Skrupel bekommt und die Wahrheit ans Licht bringen will, wird er degradiert und als Soldat an die Front geschickt.

Kommentare

Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!

Ein Massenmörder wird aufgespürt

Keun (Werner Peters) und Kellnerin Lucy (Monika John) streiten. Da sagt sie: „Ich hole mal eben noch eingelegte Schattenmorellen, die ich im Kinderwagen unter der Treppe versteckt habe“. Die Treppe ist schwach erleuchtet, dahinter ist es finster. Bruno Lüdke (Mario Adorf) hat sich dort versteckt. Sie kommt herunter, orientiert sich kurz, die Kamera folgt ihr und in dem Moment (den wir nicht sehen), wo sie unter der Treppe verschwindet und Bruno zupackt und sie erwürgt, ertönt Fliegeralaram - wir schreiben Sommer 1944 - alle stürzen aufgeregt die Treppen herunter. Ein Leichnam wird über den Boden geschleift, der Luftschutzwart kommt vorbei, leuchtet mit der Taschenlampe, sieht die Leiche und dahinter steht Keun, der ihr gefolgt ist, mit atemlosem Schrecken im Gesicht. Die Kamera fährt von ganz unten mit sehr wenig Licht auf sein Gesicht zu. - Eine klassische Film-noir-Szene, die Regisseur Robert Siodmak mit seinem Kameramann Georg Krause beklemmend dicht umgesetzt hat. Siodmak, der in vielen Ländern gefilmt hatte, kannte sich in dem Genre aus - mit „The Killers“ hatte er einen der wichtigsten Film-noirs in den USA geschaffen. Dieser deutsche Film wird zu einer bezwingenden Studie des Alltagslebens im Dritten Reich. Aber die Dichte des Anfangs verliert sich. Eine zähe Liebesgeschichte um den Kommissar Kersten (Claus Holm) verwässert die Spannung, der etwas effeminiert wirkende Holm muss jeden Vergleich mit den harten Typen amerikanischer Film-noirs scheuen. Eindrucksvoll Hannes Messemer als SS-Gruppenführer, der diesen Mordfall unter Verschluss halten will, weil sie dem Reich schadet. Seine wild-aufflammende Art trifft den deutschen autoritären Charakter. Mario Adorf liefert mit dem tumben Gewaltverbrecher Bruno eine mutige Charakterstudie. Seinen Stil der harten Lichtsetzung, der unbarmherzig-realistischen Szenen, der dunklen Atmosphäre konnte Siodmak nicht in deutsche Ateliers importieren. Im Unterhaltungseinerlei der fünfziger Jahre war dieser Film ein Solitär - und blieb es.

Credits

Regie:Robert Siodmak
Drehbuch:Werner Jörg Lüddecke
Kamera:Georg Krause
Schnitt:Walter Boos
Musik:Siegfried Franz
  
Darsteller: 
Claus HolmKriminalkommissar Axel Kersten
Mario AdorfBruno Lüdke
Hannes MessemerSS-Gruppenführer Rossdorf
Peter CarstenMollwitz
Karl LangeMajor Wollenberg
Werner PetersWilli Keun
Annemarie DüringerHelga Hornung
Monika JohnKellnerin Lucy Hansen
Rosel SchäferAnna Hohmann
Ernst Fritz FürbringerLandgerischtsdirektor Dr. Schleffien
Walter JanssenKriminalrat Dr. Böhm
Wilmut BorellSS-Sturmführer Heinrich
Helmut BraschSS-Truppführer Scharf
Georg LehnKriminalassistent Brühl
Lukas AmmannWilli Keuns Pflichtverteidiger
Margaret JahnenFrau Weinberger
Käthe ItterPortiersfrau
Else QueckeFrau Lehmann
Christiane NielsenBlondine
Dietrich ThomsSoldat
Karl-Heinz PetersLuftschutzwart
Trude BreitschopfTurnlehrerin
Heinz BeckWachtmeister auf dem Revier
Toni TreutlerKantinenwirtin
Alois Maria Giani
  
Produktionsfirma:KG Divina-Film GmbH (München)
Produzent:Walter Traut (Gesamtleitung), Robert Siodmak, Ilse Kubaschewski

Alle Credits

Regie:Robert Siodmak
Regie-Assistenz:Walter Boos, Oskar Wintergerst, Fred Kohn (2. Regie-Assistenz), Heinz Golleng (2. Regie-Assistenz)
Script:Lena Guttenberger
Drehbuch:Werner Jörg Lüddecke
hat Vorlage:Will Berthold (Tatsachenbericht in der "Münchner Illustrierten")
Kamera:Georg Krause
Kameraführung:André von Piotrowski
Kamera-Assistenz:Klaus Werner, Horst Philipp
Standfotos:Peter Bock-Schroeder
Bauten:Rolf Zehetbauer, Gottfried Will
Kunstmaler:Herbert Strabel, Friedhelm Boehm (Technischer Zeichner)
Außenrequisite:Waldermar Hinrichs
Innenrequisite:Rudolf Dahlke
Maske:Franz Göbel, Sophie Obermaier
Kostüme:Claudia Herberg
Garderobe:Martin Dasch, Anni Loretto
Schnitt:Walter Boos
Schnitt-Assistenz:Werner Preuss, Eva Maria Tittes
Schnitt-Volontär:Helga Nordbeck
Ton:Erwin Jennewein
Ton-Assistenz:Karl Mösbauer
Musik:Siegfried Franz
  
Darsteller: 
Claus HolmKriminalkommissar Axel Kersten
Mario AdorfBruno Lüdke
Hannes MessemerSS-Gruppenführer Rossdorf
Peter CarstenMollwitz
Karl LangeMajor Wollenberg
Werner PetersWilli Keun
Annemarie DüringerHelga Hornung
Monika JohnKellnerin Lucy Hansen
Rosel SchäferAnna Hohmann
Ernst Fritz FürbringerLandgerischtsdirektor Dr. Schleffien
Walter JanssenKriminalrat Dr. Böhm
Wilmut BorellSS-Sturmführer Heinrich
Helmut BraschSS-Truppführer Scharf
Georg LehnKriminalassistent Brühl
Lukas AmmannWilli Keuns Pflichtverteidiger
Margaret JahnenFrau Weinberger
Käthe ItterPortiersfrau
Else QueckeFrau Lehmann
Christiane NielsenBlondine
Dietrich ThomsSoldat
Karl-Heinz PetersLuftschutzwart
Trude BreitschopfTurnlehrerin
Heinz BeckWachtmeister auf dem Revier
Toni TreutlerKantinenwirtin
Alois Maria Giani
  
Produktionsfirma:KG Divina-Film GmbH (München)
Produzent:Walter Traut (Gesamtleitung), Robert Siodmak, Ilse Kubaschewski
Herstellungsleitung:Claus Hardt
Produktionsleitung:Werner Fischer
Aufnahmeleitung:Gustav Lautenbacher, Dieter Weber
Geschäftsführung:Dorrit Birk
Buchhaltung:Anni Fries
Produktions-Sekretariat:Vera Kayser
Dreharbeiten:06.1957-07.1957: München, Berlin/West
Erstverleih:Gloria-Filmverleih GmbH (München)
Länge:6 Akte, 2854 m, 104 min
Format:35mm, 1:1,37
Bild/Ton:s/w, Ton
Prüfung/Zensur:FSK-Prüfung (DE): 11.09.1957, 15261, Jugendfrei ab 16 Jahre / feiertagsfrei
Aufführung:Uraufführung (DE): 19.09.1957, Düsseldorf, Alhambra, Capitol

Titel

Originaltitel (DE) Nachts, wenn der Teufel kam

Fassungen

Original

Länge:6 Akte, 2854 m, 104 min
Format:35mm, 1:1,37
Bild/Ton:s/w, Ton
Prüfung/Zensur:FSK-Prüfung (DE): 11.09.1957, 15261, Jugendfrei ab 16 Jahre / feiertagsfrei
Aufführung:Uraufführung (DE): 19.09.1957, Düsseldorf, Alhambra, Capitol
 

Prüffassung

Länge:99 min
Format:35mm, 1:1,37
Bild/Ton:s/w, Ton
Prüfung/Zensur:FSK-Prüfung (DE): 08.10.1996, 15261-V, ab 12 Jahre [2. FSK-Prüfung]
 

Auszeichnungen

Deutscher Filmpreis 1958
Filmband in Gold, Beste Regie
Filmband in Gold, Bester Nachwuchsschauspieler
Filmband in Gold, Beste Architektur
Filmband in Gold, Bestes Drehbuch
Filmband in Gold, Bester Hauptdarsteller
Filmband in Silber, Bester Spielfilm mit besonderem staatspolitischem Gehalt
Filmband in Gold, Beste Kamera
Wanderpreis Goldene Schale, Bester abendfüllender Spielfilm
Filmband in Gold, Beste männliche Nebenrolle
Filmband in Gold, Beste weibliche Nebenrolle
 
Bambi 1958
künstlerisch wertvollster deutscher Film 1957 (ex aequo >Jonas<)