Hannelore Hoger
Source: DIF, Photo: Michael Löwa
At the reopening of the Deutsches Filmmuseum in Frankfurt, August 12, 2011
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Hannelore Hoger, am 20. August 1942 in Hamburg geboren, gehört zu den profiliertesten deutschen Charakterdarstellerinnen. Ihre Spezialität sind geradlinige und starke, oft resolute Frauen, die jedoch meist auch sensibel und humorvoll sind.
Hogers Vater war Schauspieler und Hauptkoordinator am Ohnsorg-Theater in Hamburg, so hatte sie bereits mit sechs Jahren ihren ersten Bühnenauftritt und mit 14 ihre erste größere Rolle. Ihre Ausbildung begann sie 1958 an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater. Danach stand sie in Ulm, Bremen, Stuttgart, Köln, Berlin und Hamburg auf der Bühne. Um ihr Spiel weiter zu verfeinern, nahm sie mehrere Male Unterricht bei Lee Strasberg. 1975 wurde Hoger von der Zeitschrift "Theater heute" zur Schauspielerin des Jahres gewählt. Seit den Achtzigern auch als Theaterregisseurin tätig, inszenierte sie unter anderem Friedrich Hebbels "Maria Magdalena" am Staatstheater Darmstadt und Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen" (1989 auch TV-Version) am "Theater in der Josefstadt" in Wien. Seit 1986 ist Hoger freischaffende Schauspielerin und Regisseurin.Den Kinogängern bekannt wurde Hannelore Hoger durch ihre Zusammenarbeit mit Alexander Kluge. In "Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos" spielte sie 1968 mit der reformorientierten aber scheiternden Zirkusartistin Leni ihre erste Hauptrolle für Kluge. Kurz darauf entstand "Die unbezähmbare Leni Peickert" (1969), ein Film aus Szenen, die eigentlich für "Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos" gedacht waren, aber nicht untergebracht wurden. Danach war sie für Kluge im Science - Fiction - Film "Der große Verhau" (1970) als Weltrauminspektorin unterwegs und spielte die an Geschichtsbüchern zweifelnde Geschichtslehrerin Gabi Teichert in "Die Patriotin" (1979), eine Rolle, die sie bereits in dem Omnibus-Film "Deutschland im Herbst" (1978) verkörpert hatte. Hogers Zusammenarbeit mit Kluge reichte bis "Die Macht der Gefühle" (1983).
Auch mit Peter Zadek verband Hoger eine intensive Zusammenarbeit. Gemeinsam drehten sie unter anderem die TV-Filme "Kleiner Mann - Was nun?" (1973), "Die Geisel" (1977) und "Piggies" (1971), in dem sie Carla spielte, die einer Gruppe zynischer und lebensüberdrüssiger Karrieremenschen angehört.
In der TV- Filmreihe "Die Bertinis" (1988), die auf einer literarischen Vorlage Ralph Giordanos beruht, brillierte sie in der Rolle der Lea Bertini, die als jüdische Klavierlehrerin in das Visier der Nationalsozialisten gerät und mit ihrer Familie im Hamburg des Zweiten Weltkrieges ums Überleben kämpfen muss.
Auch in prägnanten Nebenrollen ist die ungeheuer produktive Hoger immer wieder zu sehen, beispielsweise als Arztgattin Trude Bloma in Schlöndorffs "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (1975) oder als Klatschreporterin Charlotte Sanders in Helmut Dietls "Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief" (1996), in dem sie abermals ihr komödiantisches Talent bewies. In Edgar Reitz' "Die zweite Heimat – Chronik einer Jugend" (1993) spielt sie die Verlagserbin Elisabeth Cerphal, Besitzerin des "Fuchsbaus", der zum Treffpunkt der jungen Künstler und damit zu einem zentralen Ort des über 25-stündigen Films wird.
Seit 1993 ist Hannelore Hoger in ihrer populärsten Rolle zu sehen, als engagierte und erfahrene Kommissarin Bella Block in der gleichnamigen Krimiserie, die in unregelmäßigen Abständen im ZDF läuft und aktuelle und heikle Themen wie Rassismus und Kindesmissbrauch aufgreift. 1994 bekam sie für diese Rolle den Adolf - Grimme - Preis in Gold, 1998 die Goldene Kamera als "Beliebteste deutsche Kommissarin". Bevor sie Bella Block spielte, hatte sie auch Auftritte in anderen Krimiserien, darunter unter anderem in "Tatort", "Derrick" und "Der Alte". Im Historienfilm "Henri 4" (2010) von Jo Baier ist Hoger in der Rolle der machtbesessenen Katherina de Medici zu sehen.
Auch als Sprecherin ist Hannelore Hoger immer wieder tätig, so für den Dokumentarfilm "Lieber Fidel. Maritas Geschichte" oder Alexander Kluges Hörbuch "Die Chronik der Gefühle". Hannelore Hogers Tochter Nina Hoger ist ebenfalls Schauspielerin.


