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Kurt Gerron – Schauspieler, Regisseur
Kurt Gerron, geboren am 11. Mai 1897 in Berlin. Er besucht dort das Gymnasium und wird kurz nach dem Abitur 1914 eingezogen. Mehrfach verwundet, studiert er Medizin an der Universität Berlin und kehrt nach den ersten Prüfungen als Arzt an die Front zurück. Nach Kriegsende beendet er sein Studium.
1920 beschließt er, Schauspieler zu werden. 1920-25 an den Reinhardt-Bühnen danach an anderen berliner Bühnen. So spielt er u.a. im Februar 1926 an Moriz Seelers Junger Bühne den Mäch in Brechts "Baal”, den Polizeichef in der erfolgreichen Uraufführung von dessen "Die Dreigroschenoper" (31.8.1928, Theater am Schiffbauerdamm), sowie – ebenfalls unter dem Regisseur Erich Engel – im weniger erfolgreichen Nachfolgeprojekt "Happy End".
Im Mai 1930 steht er neben Curt Bois als Filmregisseur in Reinhardts Inszenierung von Fritz von Unruhs "Phaea" auf der Bühne des Deutschen Theaters.
Daneben tritt er als Sänger und Schauspieler in zahlreichen Kabarett- und Revue-Inszenierungen auf, so im September 1921 im Eröffnungsprogramm von Trude Hesterbergs Kabarett Wilde Bühne, 1925 neben Gründgens in der Nelson-Revue "Der rote Faden", ab Januar 1926 im Kabarett der Komiker.
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Am 28.9.1928 spielt er neben Max Adalbert, Paul Morgan, Curt Bois und Hans Moser in der Revue-Operette "Kitty macht Karriere" zur (verunglückten) Eröffnung des neuen Hauses des Kabaretts der Komiker. Außerdem inszeniert er, so im September 1930 die Nelson-Revue "Quick" von Friedrich Hollaender und Marcellus Schiffer.
Seit Anfang der 20er Jahre spielt Gerron auch im Film, wobei er seiner starken körperlichen Erscheinung wegen vorwiegend in Nebenrollen eingesetzt wird, so als hamburger Hafenarbeiter in "Variete", Ringkämpfer in "Halbseide" oder Boxer in "Ein Tag der Rosen im August". Gerron taucht wiederholt in den Besetzungslisten von Filmen Richard Oswalds und Manfred Noas auf, spielt häufig neben Hans Albers und – im Tonfilm – Heinz Rühmann. Nachdem gegen Ende der 20er Jahre seine Beliebtheit und Prominenz durch Bühne und Film einen Gipfel erreicht haben, läßt er sich auch in kleinen Gastauftritten in den Filmen befreundeter Regisseure sehen, z.B. bei G. W. Pabst als Barbesucher in "Die weiße Hölle von Piz Palü" und "Tagebuch einer Verlorenen".
Zu seiner einprägsamsten und heute noch bekanntesten Rolle wird der Zauberkünstler Kiepert in "Der Blaue Engel", die zu zahlreichen Auftritten im frühen Tonfilm führt, u.a. der Rechtsanwalt in "Die Drei von der Tankstelle" oder der Casino-Direktor in "Bomben auf Monte Carlo".
Seit Mitte der 20er Jahre bildet der massige Gerron mit dem kleinen dürren Komiker Sigi Arno in Kabarett und im Film ("Vorderhaus und Hinterhaus", "Der Soldat der Marie", "Üb' immer Treu und Redlichkeit", "Ein schwerer Fall, "Unmoral", "Tagebuch einer Verlorenen") oft ein Team. Gemeinsam versuchen sie sich 1928/29 unter dem Namen "Beef und Steak" in zwei Filmen leider erfolglos an einer deutschen Film-Groteske; schlechte Kritiken und das Aufkommen des Tonfilms verhindern eine Weiterentwicklung auf diesem Gebiet. Arno taucht als Darsteller auch in den ersten von Gerron inszenierten Kurztonfilmen auf.
Nachdem er 1926 mit dem Kriminalfilm "Der Liebe Lust und Leid" sein Regie-Debüt gedreht hat, wechselt Gerron ab 1931 immer häufiger hinter die Kamera. Er inszeniert einige der ersten Lustspielerfolge Heinz Rühmanns ("Meine Frau, die Hochstaplerin" mit Käthe von Nagy; "Es wird schon wieder besser" mit Dolly Haas) deren zeitbezogene Stoffe – ein Arbeitsloser erreicht mit Glück Ehestand und wohldotierten Posten – er "mit Witz und Geschmack" und erfahrenem Blick für gelungene Besetzungen bis in die Nebenrollen auf die Leinwand bringt.
In "Ein toller Einfall", der zugleich in französischer Fassung hergestellt wird, läßt Gerron Willy Fritsch und ein Team bewährter Komödianten wie Max Adalbert, Jakob Tiedtke, Leo Slezak, Paul Hörbiger, Theo Lingen, Adele Sandrock und Oskar Sima in einem Hotel turbulent durcheinanderwirbeln.
Mit Hans Albers dreht er "Der weiße Dämon", ein Reißer um internationalen Rauschgiftschmuggel, und die Musikkomödie "Heut' kommt's drauf an".
1933, kurz vor der Machtübernahme der Nazis, emigriert der durch sein politisch-künstlerisches Engagement, wie auch als Jude gefährdete Gerron nach Frankreich, wo er zwei Filmkomödien inszeniert, dann nach Österreich. Anschließend geht er nach Holland, wo er u.a. einen Detektivfilm und einen Dokumentarfilm über einen niederländischen Rundfunksender dreht, und die holländische Synchronisation von Disneys "Snow White" herstellt. Nach einer in Rom gedrehten italienisch-holländischen Produktion beschränkt er sich darauf, mit anderen Emigranten Theater und Kabarett zu spielen.
1940 nach dem Überfall durch die Deutsche Wehrmacht bleibt Gerron in Amsterdam, er wird Direktor des jüdischen Theaters Joodsche Schouwberg, an dem auch andere deutsche Emigranten wie Rudolf Nelson und Willi Rosen mitwirken. Mitte 1943 wird Gerron verhaftet und in das KZ Westerbork gebracht.
Am 25.2.1944 wird er in das KZ Theresienstadt deportiert. Dort entsteht als Versuch der Nazis, das Rote Kreuz und die Weltmeinung zu beeinflussen, zwischen dem 16.8. und 11.9.1944 unter Gerrons Leitung der "Dokumentarfilm" "Der Führer schenkt den Juden eine Stadt". Unter Mitwirkung prominenter Häftlinge wird ein angenehmes Gettoleben mit Unterhaltung und kulturellen Veranstaltungen vorgespiegelt.
Nach Abschluß der Filmarbeiten wird Kurt Gerron mit anderen Beteiligten des Films im Oktober 1944 mit der Anweisung "Rückkehr unerwünscht" nach Auschwitz transportiert, wo er in der Gaskammer ermordet wird.
Der Getto-Film gelangt nie in der ursprünglich geplanten Form zur Aufführung, Ausschnitte erscheinen im Herbst 1944 in einer Nazi-Wochenschau; Teile der Arbeitskopie bleiben erhalten und werden 1964/65 in So schön war es in Terezin, einer Dokumentation über den Film, verwendet. Über die gleichen Geschehnisse dreht 1962 der tschechische Regisseur Zbyněk Brynych nach Erzählungen von Arnošt Lustig den Spielfilm "Transport z raje" (Transport aus dem Paradies).
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film © 1984ff edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag, München.
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(
Kurt Gerson )
*11.05.1897
Berlin
; †28.10.1944
KZ Auschwitz
Darsteller, Mitwirkung, Regie, Drehbuch
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