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Erich Kästner
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Erich Kästner – Autor
Erich Kästner, geboren am 23. Februar 1899 in Dresden, Sohn des Arbeiters und gelernten Sattlers Emil Kästner und seiner Frau Ida Amalia, geb. Augustin. Sein leiblicher Vater ist möglicherweise der dresdner Sanitätsrat Zimmermann, der 1933, als Jude rassisch verfolgt, nach Argentinien emigriert (Schneyder, 1982). Ab 1906 Besuch der 4. Bürgerschule, ab 1913 des Freiherrlich von Fletscherschen Lehrerseminars in Dresden, 1917/18 Artillerist u.a. in Wahn (bei Köln). 1919 Hospitant und Abitur am König-Georg-Gymnasium in Dresden, Veröffentlichung erster Gedichte und Beginn des Studiums in Leipzig (Germanistik, Geschichte, Philosophie, Theatergeschichte), das er 1921 in Rostock und Berlin fortsetzt.
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1922 Rückkehr nach Leipzig, während des Studiums Redakteur beim Leipziger Tageblatt, der Neuen Leipziger Zeitung und diversen Magazinen ("Das Leben", "Der Drache", "Beyers für Alle"); 1925 Promotion mit der Dissertation "Friedrich der Große und die deutsche Literatur. Die Erwiderung auf seine Schrift 'De la littérature allemande'". Kästner schreibt ab 1926 auch für Das Tage-Buch und Die Weltbühne, lebt ab 1927 – nach seiner Entlassung bei der Neuen Leipziger Zeitung wegen eines unziemlichen Gedichts ("Abendlied") – als freier Schriftsteller und engagierter Publizist in Berlin, veröffentlicht u.a. in Leopold Schwarzschilds Wochenzeitung Der Montag Morgen, textet für diverse Kabaretts.
1928 erscheinen seine Gedichtsammlung "Herz auf Taille" und (im Verlag der Weltbühne-Verlegerin Edith Jacobsohn) sein Kinderbuch "Emil und die Detektive" (1930 Bühnenfassung). Es folgen 1931 der zeitkritische Großstadtroman "Fabian" sowie die Kinderbücher "Pünktchen und Anton" (1931 Bühnenfassung) und "Der 35. Mai".
1927 hat Kästner, als er mit Reinhold Schünzel über zwei Stoffe verhandelt (u.a. Alphonse Daudets "Tartarin de Tarascon"), erste Kontakte zum Film. 1931 liefert er mit Emmerich Pressburger einen Drehbuchentwurf zu "Emil und die Detektive"; gemeinsam adaptieren sie das Lustspiel "Der Igel" von Hans Reimann und Toni Impekoven ("Das Ekel") und sie liefern das Buch zu Max Ophüls' erstem, kurzen Film "Dann schon lieber Lebertran", in dem Kinder und Erwachsene probeweise ihre Rollen tauschen. Kästners Songtexte für die Krisen-Groteske "Die Koffer des Herrn O.F." finden im Film nur in z.T. erheblich veränderter Fassung Verwendung.
Sein Kinderbuch "Das fliegende Klassenzimmer" wird 1933 zwar noch in Deutschland gedruckt, aber nicht mehr ausgeliefert. Eine von Robert A. Stemmle geplante Verfilmung kommt nicht mehr zustande. Kästners Bücher werden verbrannt und verboten, sie erscheinen von nun an nur noch im Ausland. Neben humoristischen Romanen verfaßt er ab 1937 unter dem Pseudonym "Eberhard Foerster" (für das offiziell Eberhard Keindorff verantwortlich zeichnet) Boulevardkomödien, die z.T. verfilmt werden ("Verwandte sind auch Menschen"; "Frau nach Maß"; "Der Seniorchef"); seine unter dem Namen "Robert Neuner" verfaßte Dramatisierung des Romans "Drei Männer im Schnee" wird auch an deutschen Bühnen aufgeführt ("Das lebenslängliche Kind", UA: 1940, Münchner Kammerspiele).
1942 verpflichtet ihn die Ufa (auf Vorschlag des befreundeten Produktionsleiters Eberhard Schmidt) als Drehbuchautor für ihren zum 25. Geburtstag geplanten Jubiläumsfilm. Ausgestattet mit einer "Sondergenehmigung", die das Schreibverbot partiell aufhebt, liefert er unter dem Pseudonym "Berthold Bürger" die Idee und das Drehbuch zu "Münchhausen" (R: Josef von Baky). Er bearbeitet das Skript zu dem Rühmann-Film "Ich vertraue Dir meine Frau an" (R: Kurt Hoffmann), adaptiert sein "Salzburger Tagebuch" "Georg und die Zwischenfälle" ("Der kleine Grenzverkehr") und verfaßt das Filmtreatment "Das doppelte Lottchen", nach dem 1949 das gleichnamige Kinderbuch entsteht. Am 14.1.1943, noch vor der "Münchhausen"-Premiere, in dessen Vorspann selbst sein Pseudonym nicht genannt wird, ergeht ein erneutes Schreibverbot gegen Kästner. Kurz vor Kriegsende ist er Teilnehmer einer ,Filmexpedition` ins zillertaler Mayrhofen, wo – ohne Filmmaterial – unter der Leitung von Schmidt und der 'Regie' von Harald Braun vorgeblich ein Film entstehen soll. Der Aufenthalt, von Kästner 1961 in seinem Tagebuch "Notabene 45" dargestellt, ist 1985/86 Gegenstand der TV-Dokumentation "Das verlorene Gesicht (R: Heinrich Breloer). Nach kurzem Aufenthalt in Schliersee zieht Kästner im Herbst 1945 nach München, ist 1945/46 Leiter des Feuilletons der Neuen Zeitung, 1946-48 Herausgeber der Jugendzeitschrift Pinguin, 1946-49 Mitarbeiter des Kabaretts Die Schaubude.
1948 wird sein 1943 entstandenes und unter dem Pseudonym "Melchior Kurtz" veröffentlichtes Stück "Zu treuen Händen" am Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführt (R: Gustaf Gründgens). 1951 ist er Mitbegründer des münchner Kabaretts Die kleine Freiheit, im gleichen Jahr wird er zum Präsidenten des PEN-Zentrums in der Bundesrepublik gewählt. Er veröffentlicht Jugendbücher ("Die Konferenz der Tiere"), Gedichtbände ("Die dreizehn Monate"), die Kindheitserinnerungen "Als ich ein kleiner Junge war". 1957 wird sein Stück "Die Schule der Diktatoren" an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt (R: Hans Schweikart). Im gleichen Jahr wird sein Sohn Thomas geboren. Kästner verfaßt die Dialoge zur deutschen Fassung von Joseph L. Mankiewicz' "All About Eve" ("Alles über Eva", 1950 USA) und ist bis zu Beginn der 60er Jahre mehrmals an Verfilmungen eigener Werke beteiligt: an Josef von Bakys "Das doppelte Lottchen", Carl Heinz Schroths "Die verschwundene Miniatur" und sämtlichen Adaptionen Kurt Hoffmanns ("Das fliegende Klassenzimmer"; "Drei Männer im Schnee"; "Salzburger Geschichten"; "Liebe will gelernt sein"). "Aus Kästners charakteristischer Stilmischung von Ironie und Sarkasmus, Sentimentalität, Understatement und rigorosem Moralismus, wie sie selbst in den humoristischen Romanen noch erkennbar ist, haben die Filmregisseure der 50er Jahre vor allem den unverbindlichen Witz und das Sentiment, das sich oft in mehr oder minder kitschiger Gefühligkeit äußert, herausgefiltert. Und auch Kästner als Drehbuchautor konnte das nicht verhindern." (Tornow, 1989). Er engagiert sich öffentlich gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr, in den 60er Jahren gegen den Vietnam-Krieg. Er nimmt zahlreiche Einladungen zu Vorträgen und Lesungen im In- und Ausland wahr, lebt aus gesundheitlichen Gründen zeitweise im Tessin. Kästner ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Er stirbt am 29. Juli 1974 im Krankenhaus München-Neuperlach. Seit 1979 verleiht die 1975 gegründete Erich-Kästner-Gesellschaft einen nach ihm benannten Literaturpreis.
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film © 1984ff edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag, München.
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*23.02.1899
Dresden
; †29.07.1974
München
Darsteller, Drehbuch, Adaption, Vorlage, Liedtexte
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