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Quelle: DFM/ABA
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Artur Brauner am Set zu "Die Nibelungen" (1966)
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Artur Brauner – Produzent Artur Brauner, geboren am 1. August 1918 in Lodz, Sohn des Holzgroßhändlers Moshe Brauner und seiner Frau Brana. Er erhält den Namen Abraham, den er zu Beginn seiner Schulzeit ablegt. Nach dem Abitur 1936 Expedition mit jungen Zionisten in den Iran und den Nahen Osten, wo die Gruppe zwei Dokumentarfilme dreht. Aufnahme des Studiums am Polytechnikum in Lodz, obwohl er lieber Musik studieren würde. Nach dem deutschen Überfall auf Polen weigert er sich, den gelben Judenstern zu tragen und sich ins Ghetto einschließen zu lassen. Flucht nach Osten, in die Sowjetunion. Über sein Leben und Überleben gibt es (bislang) keine Informationen. Familie Brauner – die Eltern und fünf Kinder – rettet sich über den Krieg. Die Eltern wandern nach Israel aus, Artur Brauner geht mit Bruder Wolf nach Berlin. Auf der Reise dorthin lernt er Therese Albert kennen, die Tochter eines lemberger Theaterdirektors, die als "arische polnische Fremdarbeiterin" namens "Maria" in Hannover dem Holocaust entging. Pläne, in die USA auszuwandern, zerschlagen sich. Am 28.2.1947 heiraten Artur und Maria Brauner. Brauner faßt 1946 in Berlin Fuß, unterstützt von Marias Schwager, Joseph Einstein, einer bekannten Schwarzmarktgröße. Er drängt, obwohl gänzlich unerfahren, in die Filmproduktion, knüpft Kontakte zu ehemaligen Terra-Mitarbeitern. Am 16.9.1946 gründet er gemeinsam mit Einstein die Central Cinema Comp.-Film Gesellschaft mit beschränkter Haftung (CCC-Film GmbH), zwei Monate später steigt Einstein wieder aus dem Unternehmen aus.
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Über seine Terra-Kontakte beteiligt sich Brauner finanziell an der Produktion von "Sag die Wahrheit", den die Studio 45 GmbH zwischen Oktober und November 1946 als den ersten Film im Westsektor dreht, und bereitet seine erste CCC-Produktion vor: "Herzkönig". Für dieses musikalische Lustspiel engagiert er Besetzung und Stab von "Sag die Wahrheit" (Sonja Ziemann, Georg Thomalla, Aribert Wäscher, Wilhelm Bendow, Regisseur Helmut Weiß, Produktionsleiter Erich Holder, Filmarchitekt Ernst H. Albrecht). Da ihm die Produktionslizenz der Alliierten fehlt, stellt er den Film Anfang 1947 über Strohleute mit französischer Lizenz her. Beide Filme werden große Kassenerfolge.
Der gelungene Start in die Filmproduktion bewegt Brauner im Verlauf des Jahres 1947 zur Produktion eines Films mit autobiografischen Zügen, "Morituri", der die Flucht einer Gruppe Häftlinge aus einem Konzentrationslager und ihr Leben im Waldversteck nahe der polnisch-russischen Grenze schildert. Da immer noch unlizenziert, verwirklicht er mit Unterstützung der sowjetischen Militärbehörden den Film in der sowjetischen Zone auf einem Freigelände. Innenaufnahmen finden in Gasthäusern statt. Der Film, der nach Premieren in Venedig und Hamburg im November 1948 in Berlin anläuft, wird ein eklatanter Mißerfolg.
Als Konsequenz aus den ersten beiden CCC-Jahren setzt Brauner fortan auf eine Mischung aus vermeintlich risikolosen Unterhaltungsfilmen und ambitionierteren Werken. Nach Gründung seines eigenen Studios in einer ehemaligen Giftgasfabrik nahe Spandau (Drehbeginn: 18.2.1950) steigert er die Zahl seiner Produktionen kontinuierlich, wobei der Anteil der Konfektionsware zunimmt. 1955 stellt die CCC erstmals mehr als zehn Filme pro Jahr her, ab diesem Zeitpunkt zählt "Atze" Brauner zu den führenden bundesdeutschen Filmproduzenten. Er beteiligt sich im März 1954 an der Allgemeinen Filmunion GmbH (AFU); er wandelt 1956 die Firma – inzwischen in seinem Alleinbesitz – in die Allgemeine Filmunion-Film GmbH (ALFU) um, die vier Filme herstellt und am 27.1.1959 ihren Namen in ALFA-Film GmbH ändert. Die Firma geht 1970 nach 21 Filmen in der CCC-Film Artur Brauner auf, die Brauner – wie zahlreiche andere miteinander verbundene Firmen – im Laufe der Jahrzehnte gründet, umwandelt, verschmilzt und liquidiert.
Ab Mitte der 1950er Jahre scheut er in seinem Herstellungsprogramm immer mehr das künstlerische Risiko, nachdem er zu Beginn des Jahrzehnts durchaus für realistische Stoffe offen war und Nachwuchsdarstellern Chancen gab. Stattdessen baut er auf den sicheren Gewinn durch Anlehnung an den unterstellten Publikumsgeschmack. Für Literaturverfilmungen (Hauptmann, Galsworthy, Vicki Baum) und melodramatische Stoffe verpflichtet er die Stars der 1950er Jahre: Maria Schell, Curd Jürgens, Romy Schneider, Lilli Palmer, Ruth Leuwerik, Heinz Rühmann, Hans Albers, O. W. Fischer. Die – von der CCC, aber auch der ALFA – rasch produzierten Komödien, Musikfilme (mit Caterina Valente), Operetten, Remakes erfolgreicher Filme sowie Verfilmungen erprobter Theaterstücke lasten die Ateliers aus. Diesen Teil der Produktion, der vorhandene Trends ausnutzt, befördert zudem die Zusammenarbeit mit dem Gloria-Filmverleih (Ilse Kubaschewski).
Filme über die NS-Zeit ("Der 20. Juli", R: Falk Harnack; "Der Hauptmann und sein Held") und einzelne Literaturverfilmungen ("Die Ratten", R: Robert Siodmak; "Der achte Wochentag", R: Aleksander Ford) übertreffen jedoch den CCC-Durchschnitt und finden die Anerkennung der Kritik.
Mit dem von ihm bewunderten Regisseur Fritz Lang beginnt Brauner 1958 (CCC-Rekordjahr: 19 Filme) die Reihe seiner Großproduktionen. Lang dreht die Remakes von "Der Tiger von Eschnapur", "Das indische Grabmal". "Die Nibelungen" (R: Harald Reinl) und "Kampf um Rom" (R: Robert Siodmak) folgen in den 1960er Jahren als Reflex des Kinos auf das Fernsehen. Dieses "große" Kino entspricht zudem Brauners Vorlieben.
Der künstlerischen und wirtschaftlichen Krise des bundesdeutschen Films Anfang der 1960er Jahre hat die Produktion der am 6.5.1960 gegründeten CCC Filmkunst GmbH nichts entgegenzusetzen. Brauners Versuch, mit der Gründung einer CCC-Kunstfilm Studio GmbH und der Propagierung einer "Riskanten Welle" dem sich seit Oberhausen formierenden Jungen Deutschen Film entgegenzutreten, scheitert. Mit der Herstellung von Karl May- und Brian Edgar Wallace-Filmen sucht er an den Erfolg seines ehemaligen Produktionsleiters Horst Wendlandt anzuknüpfen. Eine eigene Serie bilden die Mabuse-Verfilmungen, deren erste von Fritz Lang ("Die tausend Augen des Dr. Mabuse") inszeniert wird. Mitte der 1960er Jahre beginnt Brauner zudem mit der Produktion von Sex-Filmen.
Um sich wirtschaftlich abzusichern und die heraufziehende Atelierkrise abzumildern, arbeitet er zudem für das Fernsehen. Mit der TV-Union Fernsehproduktion und Studio GmbH, ab 1962 CCC Television GmbH, produziert er TV-Spiele und Shows für das geplante Freie Fernsehen, die er nach dessen Scheitern zum Teil an das neue Zweite Deutsche Fernsehen und den Sender Freies Berlin verkauft. Als sich der SFB 1965 zum Bau eines eigenen Studios entschließt, entläßt Brauner einen Großteil seiner 230 Arbeiter und Angestellten. Fünf Jahre später vergibt das ZDF keine Aufträge mehr nach Spandau, worauf Brauner das Studio vorübergehend schließt und die Belegschaft entläßt. Als Fernsehproduzent ist Brauner jedoch weiter tätig. Die Herstellung von CCC-Spielfilmen, die er aus Kostengründen in Co-Produktion im Ausland dreht, schränkt er rigoros ein, von 1972 bis 1980 entstehen nur zehn Filme. Das Filmstudio in Spandau verwaist, Fremdfirmen mieten gelegentlich die Aufnahmehallen.
Seit Anfang der 1980er Jahre konzentriert sich Brauner vornehmlich auf die Produktion von Filmen, die sich mit dem NS-Regime auseinandersetzen (u.a. "Charlotte, "Eine Liebe in Deutschland", "Bittere Ernte", "Hanussen", "Der Rosengarten", "Hitlerjunge Salomon", "Babij Jar"). Sein Ziel ist ein Zyklus von "jüdischen" Filmen, die "aus vielen Perspektiven das Schicksal der Verfolgten des Nazi-Regimes" (Brauner) zeigen. Für dieses Alterswerk wird ihm nach mehr als vier Jahrzehnte währender Produzententätigkeit zunehmend Anerkennung zuteil. 1990 wird er mit einer Ausstellung im Deutschen Filmmuseum Frankfurt geehrt, dem er sein Archiv zur wissenschaftlichen Auswertung überläßt. Artur Brauner, Vater von zwei Söhnen und zwei Töchtern, lebt mit seiner Frau Maria in Berlin. CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film © 1984ff edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag, München.
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*01.08.1918
Łódz, Polen
Darsteller, Mitwirkung, Sprecher, Drehbuch, Drehbuch-Mitarbeit, Adaption, Vorlage, Idee, Stoff, Schnitt, Produzent, Co-Produzent, Producer, Herstellungsleitung, Associate Producer
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