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Quelle: Delphi, DIF, Foto: Boje Buck Produktion
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"Knallhart" (2006)
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Detlev Buck – Regisseur, Schauspieler
Detlev Buck wird am 1. Dezember 1962 in Bad Segeberg (Schleswig-Holstein) geboren. Er wächst auf dem Bauernhof seiner Eltern Herbert und Ingrid Buck, geb. Freiherrin von Steinbeck, in Nienwohld bei Hamburg auf. Nach dem Abitur in Bargteheide und dem Zivildienst in den Alsterdorfer Anstalten in Hamburg absolviert er eine Lehre als Landwirt in Schleswig-Holstein und ein praktisches Jahr auf dem Loock-Hof von Sickertshofen bei Dachau. Zur selben Zeit bewirbt er sich an einer hamburger Schauspielschule, besteht die Aufnahmeprüfung jedoch nicht.
Seine erste Verbindung zur Filmszene kommt durch die Bekanntschaft mit dem Kameramann Wolfgang Fischer zustande, für dessen nie öffentlich gezeigten Spielfilm "Was sein muß, muß sein" er 1982 vor der Kamera steht. In dieser Realsatire auf eine Betriebsprüfung spielt Buck die Rolle des geplagten Unternehmers. 1984, noch während seiner Lehrzeit, dreht er den 5-minütigen Film "Der Fänger im Roggen" (über dessen Verbleib sich ebensowenig Angaben machen lassen wie über weitere Mitwirkende und Inhalt) und "Erst die Arbeit und dann!?", der zum Teil mit Fördergeldern (60.000 Mark vom Hamburger Filmbüro und dem Kuratorium Junger Deutscher Film), zum Teil von der neu gegründeten Produktionsfirma Cult-Film (20.000 Mark) finanziert wird.
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Bucks bäuerliche Herkunft bildet nicht nur den Hintergrund für seine ersten Filme, sondern liefert auch den Stoff für die immer wieder zitierten Anekdoten über den "Weg vom Bauernhof ins Kino" (Stock, 1993). In "Erst die Arbeit und dann!?", bei dem Buck auch die Hauptrolle übernimmt, sind autobiografische Bezüge offensichtlich. Der Film handelt von einem holsteinischen Jungbauern, der feierabends vom elterlichen Hof in die Szene-Kneipen Hamburgs aufbricht. Durch die Konfrontation von Stallgeruch und Schickeria entsteht eine Komik, die nicht auf Kosten des unbedarften Protagonisten geht, der zuguterletzt bei einer coolen Szenefrau reüssiert.
Der von Kritik und Publikum positiv bewertete Film verhilft Buck zur Aufnahme an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, wo er von 1985 bis 1989 studiert. Einige der zahlreichen Kurzfilme, die dort in den Jahren 1986-88 entstehen, schaffen später den Weg ins Kino oder Fernsehen, u.a. "Eine Rolle Duschen", "Normal bitte", "Schwarzbunt Märchen". An der Filmhochschule beginnt auch die in den folgenden Filmen fortgesetzte Zusammenarbeit mit Hans Erich Viet und dem Kameramann Roger Heeremann.
Der aus einem von István Szabó geleiteten Seminar über ‘Grenzen’ hervorgegangene Film "Schwarzbunt Märchen" (1988) beschreibt die frühjährliche Befreiung der Kühe aus dem Stall. Dieses Motiv der Grenzüberschreitung, das bereits für seinen Erstlingsfilm zentral war, greift Buck auch in seiner Abschlußarbeit an der DFFB, "Hopnick" (1989/90), auf. Der Film erzählt vom Auf- und Ausbruch aus dem alltäglichen Arbeitstrott und ist quasi das berliner Gegenstück zu den Geschichten aus der norddeutschen Tiefebene. Ein Zöllner – zu der Zeit "als die Zonis noch eingezäunt waren" (Buck) – fährt nach der abgesessenen Arbeitszeit im Kontrollhäuschen nach Kreuzberg, um sich zu amüsieren.
Gemeinsam mit Claus Boje, Gesellschafter des Delphi-Kinos und Geschäftsführer des Delphi-Filmverleihs, gründet Buck 1991 die Boje-Buck Filmproduktion GbR in Berlin, die im gleichen Jahr seinen ersten langen Spielfilm "Karniggels" produziert und als Boje-Buck Produktion GmbH (ab 1992) seine weiteren Spielfilme herstellt. In "Karniggels" kommt der junge Polizist Köppe (Bernd Michael Lade) nach Abschluß der Polizeischule nicht wie erhofft in die Großstadt, sondern in die Provinz Schleswig-Holsteins, wo er auf einen Kuhmörder angesetzt wird. Die Kritik sieht die Stärke des Regisseurs in der "knochentrockenen Situationskomik" (Körte, 1991) und dem aufmerksamen Blick auf den Alltag seiner holsteinischen Protagonisten.
"Wir können auch anders" (1992), der mit einem Filmband in Silber ausgezeichnet wird, "ist eine deutsch-deutsche Odyssee: drei Männer auf dem Flachland im langsamsten Roadmovie der Filmgeschichte" (Peitz, 1993). Ein Brüderpaar, das keine Straßenschilder lesen kann – ein Kunstgriff, da erst ihr Analphabetismus das deutsche Roadmovie garantiert – und ein desertierter Rotarmist fahren auf der Suche nach einem geerbten Haus durch Ostdeutschland. Die Handlung dient als Vehikel für die liebevolle Charakterzeichnung, die in einer Fülle von teils grotesken, teils realistischen Episoden vorgenommen wird.
Bucks dritter langer Spielfilm, "Männerpension" (1995), avanciert zu einem der erfolgreichsten deutschen Kinofilme der 1990er Jahre. Im Zentrum des Films stehen zwei hartgesottene Gefängnisinsassen (Til Schweiger und Buck), die im Rahmen eines ungewöhnlichen Resozialisierungsprogramms von Frauen aus dem Gefängnis geholt und zur Liebe bekehrt werden. In der Figurenzeichnung weicht Buck von seinen bisherigen Filmhelden nicht ab: sympathische Verlierertypen, die zwischen Schwachsinn und Tiefsinn, Brutalität und Zärtlichkeit changieren. Dagegen arbeitet Buck zum ersten Mal mit einem international renommierten Kameramann (Slawomir Idziak) und mit bereits etablierten deutschen "Stars" (Til Schweiger, Heike Makatsch). Diesem neuen Status trägt er Rechnung, indem er sich in Anlehnung an Griffith fortan D. W. Buck nennen läßt.
In den späten 1990ern versucht Buck vergeblich, dieses Erfolgsrezept mit "Liebe deine Nächste" (1998) und "Liebesluder" (1999) fortzusetzen. Zwei Frauen der Heilsarmee (Lea Mornar und Heike Makatsch) treffen bei ihrem Kampf um ein Obdachlosenasyl in "Liebe deine Nächste" auf einen skrupellosen Unternehmensberater (Moritz Bleibtreu). Dabei kommt es zu einer Gegenüberstellung von Geld und Liebe, bzw. Gut und Böse, die in die simple Erkenntnis mündet, daß Geld alleine nicht glücklich macht.
In "Liebesluder" kommt Ina (Mavie Hörbiger), eine geldgierige Studentin, in eine sauerländische Kleinstadt, verführt die hiesigen Männer und erpresst sie anschließend mit einer angeblichen Schwangerschaft. Die Situation eskaliert in einer Reihe von Morden als sich die eifersüchtigen Ehefrauen (u.a. Anke Engelke) einschalten und die Männer versuchen, Ina aus dem Weg zu räumen.
Mit der mehrfach preisgekrönten Milieustudie "Knallhart" (2005/2006) vollzieht Buck mit Erfolg eine 180-Grad-Wende. In schonungslosen und fast bis zur Farblosigkeit entsättigten Bildern erzählt der Film von dem 15-jährigen Michael (David Kross), der mit seiner Mutter (Jenny Elvers-Elbertzhagen) aus dem schicken Berlin-Zehlendorf nach Neukölln kommt, wo das Gesetz der Straße herrscht. Zwischen Drogen und Gangschikane gerät der Junge immer mehr auf die schiefe Bahn. Und schon sein nächster Film beweist, dass sich Buck als Regisseur fortan nicht mehr auf einen Stil und ein Genre festlegen lassen will: So ist "Hände weg von Mississippi", nach einer Vorlage von Cornelia Funke, ein ebenso leichter wie farbenfroher Kinder- und Sommerfilm um das Mädchen Emma, das in den Ferien zu Oma Dolly fährt, dort das Pferd Mississippi geschenkt bekommt und dieses dann vor seinem unsympathischen Vorbesitzer retten muss, der das Tier unvermittelt wiederhaben will.
Trotz seiner plakativen Abgrenzung von der Selbstbezogenheit der vorhergehenden Generation deutscher Filmmacher (Buck: "Keine Analysen!") übernimmt er ihr Modell der größtmöglichen Kontrolle über seine Stoffe: Er schreibt gemeinsam mit wechselnden Co-Autoren das Drehbuch, produziert mit seiner eigenen Firma und spielt selber Rollen unterschiedlicher Größe. Neben der Arbeit an seinen eigenen Filmen tritt Buck auch in Filmen von Kollegen auf, u.a. bei Wolfgang Becker, Maris Pfeiffer und Reinhard Münster und Max Färberböck. Für Leander Haussmann steht er gleich vier Mal vor der Kamera: In "Sonnenallee" (1998/99) spielt er einen eifrigen aber tollpatschigen Grenzpolizisten, in "Herr Lehmann" (2003) Frank Lehmanns besten Freund Karl, in "NVA" (2004/2005) steht er als humorloser Oberst Kalt vor der Kamera und in der Neuverfilmung des Schiller-Klassikers "Kabale und Liebe" (2005) als intriganter Sekretär Wurm. Buck inszeniert zahlreiche Werbespots (u.a. für Biere, Radiosender, Schnellrestaurants und Fertighäuser), führt 1993 Regie bei zwei Video-Clips für Die Ärzte ("Mach die Augen zu" und "Schrei nach Liebe") und ist Ende 2005 zeitweilig als Moderator des TV-Filmmagazins "Cinematalk" an der Seite von Journalist Knut Elstermann auf N24 zu sehen.
Detlev Buck, Vater der 1986 geborenen Bernadette Sophie, lebt in Berlin–Moabit und auf dem elterlichen Hof in Nienwohld, Schleswig-Holstein.
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film © 1984ff edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag, München.
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(
D. W. Buck )
*01.12.1962
Bad Segeberg
Darsteller, Mitwirkung, Regie, Regie-Assistenz, Drehbuch, Drehbuch-Mitarbeit, Kamera, 2. Kamera, Schnitt, Produzent
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