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Quelle und © Schrammfilm, Foto: Hans Fromm
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Devid Striesow, Nina Hoss
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Yella will weg, endlich die ostdeutsche Kleinstadt, ihre gescheiterte Ehe hinter sich lassen, nach Westen, jenseits der Elbe, wo es Arbeit und Zukunft geben muss. In Hannover lernt sie Philipp kennen, der für eine Private- Equity-Firma arbeitet. Als seine Assistentin bewährt sie sich in der Welt des Venture Capitals, der gläsernen Büros, der Leasing-Limousinen, der diskret ausgeleuchteten Hotel-Lobbys. Alles scheint leicht, ein Spiel mit lauter Gewinnern. Philipp wird der Mann an ihrer Seite, aufmerksam, unsentimental, mit einem Ziel vor Augen, das ein gemeinsames werden könnte. Yella scheint angekommen zu sein auf der richtigen Seite der Elbe.
Doch immer wieder bricht etwas auf, schieben sich seltsam gegenwärtige Stimmen und Geräusche aus der Vergangenheit in ihr neues Leben. Sie hat Angst, dass dieses Leben nicht wahr ist, dass sie träumt. Sie will die Augen offen halten. Nur wer schläft, kann aufwachen.
Quelle: 57. Internationale Filmfestspiele Berlin (Katalog)
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Deutschland
2006/2007, Spielfilm
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Wir sind alle Gespenster im Paradies |
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Christian Petzolds gespenstisch schöner Film "Yella" zeigt, dass keiner so genau auf unser Land schaut wie er.
Von Michael Althen, FAZ, 12.09.2007
Die Mondscheinsonate begleitet diesen Film, die Beethoven als "quasi una fantasia" bezeichnet hat - und so etwas wie ein Phantasie ist auch "Yella". Aber das gilt eigentlich für alle Filme Christian Petzolds, dessen letzter Titel "Gespenster" durchaus programmatisch für sein Werk zu verstehen war. Da ging es um eine verschwundene Tochter, um das Phantombild eines Mädchens, so wie "Die innere Sicherheit" von untergetauchten Terroristen erzählte, die wie Untote durch die Welt streifen und nach Heimat oder Erlösung suchen. Und auch Yella ist womöglich nur ein Phantom, das von seiner Vergangenheit loskommen möchte und sich in eine Zukunft träumt, in der sie nie ankommen wird.
Wie sehr Petzolds Film ein Mystery-Thriller ist, versteht man erst beim zweiten Sehen, wenn all die Irritationen plötzlich keine Fragen mehr stellen, sondern Antworten geben, wenn die gespenstische Schönheit des Films ihr wahres Gesicht offenbart. Diese Schönheit liegt auch in dem traumwandlerischen Ausdruck von Nina Hoss, die für ihre dritte Zusammenarbeit mit Petzold auf der Berlinale einen Silbernen Bären gewann. Ihren Namen hat Petzold der Schauspielerin Yella Rottländer entlehnt, die bei Wenders einst die "Alice in den Städten" gespielt hat. Wenn man so will, erzählt "Yella" von Alice im Wunderland des Risikokapitals. Denn die Heldin, deren Ehe genauso Schiffbruch erlitten hat wie die Firma ihres Mannes (Hinnerk Schönemann), kommt nach Hannover, um einen Job in der Buchhaltung anzutreten, begegnet dort aber bereits dem Gerichtsvollzieher und trifft stattdessen einen Manager (Devid Striesow), der mit Private-Equity-Geldern die Not klammer Firmen ausnützt. Er stellt sie kurzerhand als Assistentin an, nimmt sie zu Verhandlungen mit und bringt ihr die Tricks bei, mit denen man die Gegenseite weichkocht.
Wem das zu trocken klingt, der verkennt, dass es Petzold nicht um Kapitalismuskritik geht. Er hat ein echtes Interesse an den Mechanismen des Geschäfts, am Milieu, seinen Gesten und seiner Sprache: die hinterm Kopf verschränkten Arme, das sogenannte Broker-Posing, "das man aus jedem beschissenen Grisham-Film kennt", die vorgetäuschten Einflüsterungen, das demonstrative Duzen, bei dem die Vornamen wie Waffen eingesetzt werden - all das setzt "Yella" so spannend in Szene wie ebenjene Grisham-Filme, bei denen ja auch keiner auf die Idee käme, ihnen ihr Anwaltskauderwelsch vorzuwerfen, weil gerade in der Neugier auf diese fremde Welt der Reiz der Geschichte liegt.
Petzolds Kino hat sich von Anfang an dadurch ausgezeichnet, dass er im Unterschied zu den meisten seiner Kollegen einen Blick auf die Welt wirft, der sich nicht mit der Bebilderung von Vorurteilen begnügt, sondern versucht, das Besondere der Wirklichkeit zu erfassen. Schon in "Pilotinnen" zeigte er den Arbeitsalltag zweier Kosmetikvertreterinnen zwischen billigen Hotels, Provinzdrogerien und Autobahnraststätten auf eine geradezu simenonhafte Weise, die dem unbehausten Leben keine Elendsgrimasse vorschrieb, sondern in der Abbildung eine Wahrheit fand, in der die Schönheit nicht von vornherein ausgeschlossen war. Petzolds Filme gehen mit offenen Augen durch Deutschland, wo andere Regisseure sich mit den bekannten Klischees zufriedengeben.
Was Petzold über "Yella" hinaus mit Wim Wenders verbindet, ist sein Blick für Schauplätze, für Räume und Landschaften, die vielleicht beiläufiger inszeniert sind, in denen man aber das Land auf eine Weise wiedererkennt, dass man sich fragt, wo andere Filme eigentlich hinschauen. Wie er mit wenigen Einstellungen das Nötige über Yellas Heimatstadt Wittenberge an der Elbe sagt, wo der typische ostdeutsche Kontrast zwischen leerstehenden Häusern mit verrammelten Fenstern und übersanierten Gebäuden besteht; wie er den betäubenden Komfort der System-Hotellerie in Szene setzt; wie er die absurde Weltläufigkeit des Expo-Geländes mit einer einzigen Taxibestellung einfängt, "Rue de Paris, Ecke Sydney Garden"; wie er zeigt, wie der Stadterfahrung ihre Mitte entzogen wird und Momente der Geborgenheit nur noch zu finden sind, wenn man sich an den Rändern einnistet - mit all diesen vom vertrauten Kameramann Hans Fromm in glasklaren Farben eingefangenen Bildern wird der Gegenwart so präzise der Spiegel vorgehalten, wie man es sonst nur aus der Fotografie kennt.
Es ist, als würde in "Yella" etwas scharfgestellt, das sonst immer verschwommen bleibt. Das eigenartig Flirrende an Petzolds Filmen rührt aus dem Kontrast zwischen dem konturierten Blick der Kamera und der geisterhaften Blässe seiner Figuren, die in dieser Gegenwart nie so recht Fuß zu fassen scheinen, Traumwesen, für die das Leben eine Art Exil ist. In "Yella" wird man erst am Ende begreifen, woher diese Empfindung rührt, warum die Heldin immer wieder von der Erscheinung ihres Ex-Manns verfolgt wird, warum bestimmte Bilder und Farben aus der Vergangenheit an den seltsamsten Stellen wiederauftauchen und was es eigentlich mit dem Wind in den Bäumen und dem Schreien der Krähen auf sich hat.
Im "Spiegel" wurde Petzold frech gefragt, wann endlich "der große Rums" bei ihm komme. Wer Ohren hat, hat ihn längst gehört.
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77.276 (Stand: Januar 2008) Quelle: FFA |
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