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Quelle: Constantin, DIF, © 2008 Constantin Film Verleih GmbH
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"Der Baader Meinhof Komplex" (2008)
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Heino Ferch wurde am 18. August 1963 in Bremerhaven
geboren. Im Alter von zehn Jahren begann er mit Kunstturnen, das er bald als
Leistungssport betrieb – und entdeckte auf diesem Umweg seine Liebe zur
Schauspielerei. Sein Bühnendebüt gab er im Alter von 15 Jahren am Bremerhavener
Stadttheater mit einem akrobatischen Auftritt in einer Inszenierung des
Musicals "Can Can". In den folgenden Jahren stand er in kleinen
Rollen regelmäßig auf der Bühne. Nach dem Abitur 1984 studierte er Schauspielerei
an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst "Mozarteum" in
Salzburg. Die Ausbildung umfasste Stepptanz, Ballett und Gesang und wurde von
Ferch 1987 mit einer Magisterarbeit über "Chöre im klassischen Drama der
Antike" erfolgreich abgeschlossen.
Anschließend gehörte Ferch von 1987 bis 1990 dem Ensemble der Freien Volksbühne
Berlin an, wo er sich zu einem vielseitigen Charakterdarsteller entwickelte. Im
Theaterbereich war er bis Mitte der 1990er Jahre am Berliner Schillertheater
tätig und stand als Gast bei den Salzburger Festspielen, an der Mailänder Scala
und dem Wiener Burgtheater auf der Bühne. Da es ihm nach eigenem Bekunden
zunehmend schwerer fiel, immer die selbe Rolle auf der Bühne zu spielen, hatte
er sich schon ab Ende der 1980er Jahre zunehmend auf seine Arbeit bei Film und
Fernsehen konzentriert. Seinen ersten Kinoauftritt hatte Ferch bereits 1987 als Funker in Peter Schamonis "Schloss Königswald". Eine erste größere Rolle spielte er 1988 als stummer Dorfdepp, der Zeuge eines Verbrechens wird, in der TV-Serie "Die Männer vom K3" (Folge: "Schützenfest"). Eine frühe Glanzleistung lieferte er 1990 in Heiko Schiers Milieustudie "Wedding", in der er einen krankhaft eifersüchtigen, gewalttätigen S-Bahnfahrer verkörperte. Ebenfalls unter der Regie von Schier stellte Ferch in der Künstlerfarce "Wer hat Angst vor rotgelbblau?" (1991) einen Künstler aus der Ex-DDR dar, der erfolglos die Freundin seines WG-Genossen (Max Tidof) umwirbt. Im Jahr darauf überzeugte er in einer kleinen Rolle als aalglatter Vertreter für Luxushundefutter in der Didi-Hallervorden-Klamotte "Alles Lüge".
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Vor allem durch eine Reihe ambitionierter Fernsehrollen gewann Ferchs Karriere zunehmend an Fahrt: Er arbeitete wiederholt mit renommierten Regisseuren wie Uwe Janson, Nico Hofmann und Roland Suso Richter, spielte in "Gefährliche Verbindung" (1993) einen couragierten Arbeiter, der Störfälle in seinem Chemiewerk aufdeckt, in "Polizeiruf 110: Samstags, wenn Krieg ist" (1994) einen Skinhead-Anführer, der im Zorn seine Freundin umbringt, in "Nur der Sieg zählt" (1995) den ehrgeizigen Trainer einer Leistungssportlerin (Christiane Paul) und gab im TV-Remake des Kinokrimis "Es geschah am hellichten Tag" (1997) den unschuldigen Hausierer Bock.
Auf der Kinoleinwand sorgte er als ehrgeiziger Obersturmbannführer Raufeisen in Volker Schlöndorffs Tournier-Verfilmung "Der Unhold" (1996) für Aufsehen, gefolgt vom Part des Gestapochefs Klaus Barbie in Claude Berris Résistancedrama "Lucie Aubrac" (1997). Nach einem prägnanten Kurzauftritt als genervter Filialleiter in Wolfgang Beckers Tragikomödie "Das Leben ist eine Baustelle" (1997) gelang Ferch in Tom Tykwers melodramatischem Thriller "Winterschläfer" der ganz große Durchbruch. Seine Verkörperung des eitlen, aber auch sensiblen Machos Marco erreichte nicht zuletzt durch sein körperbetontes Spiel eine präzise physische Präsenz. Auf Grund seiner Ähnlichkeit mit dem Hollywoodstar Bruce Willis gibt man ihm am Set den Spitznamen "Bruce". Unter der Regie von Joseph Vilsmaier spielte er, ebenfalls 1997, im Ensemble des Historienfilms "Comedian Harmonists" zwar nur eine Nebenrolle, wurde für seine eindringliche Verkörperung des Sängers und gläubigen Juden Roman Cykowski aber mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet.
Erneut unter der Regie Tykwers überzeugte er in "Lola rennt" (1998) mit glattrasiertem Schädel und Ohrclip als schweigsamer und brutaler Gangsterboss Ronnie. Im gleichen Jahr sah man Ferch, der inzwischen zu den gefragtesten Darstellern des deutschen Kinos gehörte, in einer Nebenrolle als lässigen Frauenliebling und Rockstar in Sherry Hormans Komödie "Widows – Erst die Ehe, dann das Vergnügen" sowie als verkrampften, von der Ehefrau betrogenen Staranwalt in Vivian Naefes "2 Männer, 2 Frauen – 4 Probleme". Nach einem Ausflug ins Actionfach in "Straight Shooter" (1999) besetzte ihn Joseph Vilsmaier in seiner Dietrich-Filmbiografie "Marlene" (2000) als deren fiktiven Liebhaber, den galanten Offizier Carl. Für seine Darstellung des ehemaligen DDR-Schwimmstars Harry Melchior, der sich im TV-Film "Der Tunnel" einen Weg in den Freiheit gräbt, erhielt Ferch 2001 den Bayerischen Fernsehpreis. Weitere wichtige Rollen dieser Zeit waren der Vater eines leukämiekranken Jungen in Anno Sauls "Die grüne Wüste" (2001) und ein neurotischer Spanner in Uwe Jansons "Nachts im Park" (2002).
Gelegentlich wirkte Ferch auch in internationalen Produktionen mit. So spielte er in dem isländischen 50er-Jahre-Drama "Mávahlátur" einen Bauingenieur und Schwarm einer jungen Witwe, in dem TV-Historienfilm "Julius Cäsar" (2002) den keltischen Häuptling Vercingetorix und den Marquis de Caulaincourt in "Napoleon" (2002).
Im Luf seiner Karriere bewies Ferch immer wieder seine Vielseitigkeit. Er verkörperte dumpfe Kleinbürger ("Wedding"; "Straight Shooter"), Polizisten ("Todfeinde – Die Falsche Entscheidung"), Nazis ("Der Unhold"; "Lucie Aubrac"), Herzensbrecher ("Winterschläfer"; "Widows"; "Küss mich!") und selbstbewusste Yuppies ("Single sucht Nachwuchs"; "Der Anwalt und sein Gast"). Sein Spiel zeichnet sich durch hohe physische Präsenz und eine minimalistische Mimik aus. Er selbst nannte seinen Stil, eine Mischung aus Ruppigkeit und Intelligenz, verbunden mit gutem Aussehen und athletischer Statur, in einem Interview die Verkörperung von "authentischer Männlichkeit".
In Christian Duguays "Extreme Ops" (2002) versuchte er sich als Actiondarsteller, wobei der Film allerdings weder bei der Kritik noch beim Publikum einen nennenswerten Eindruck hinterließ. Überzeugender waren Ferchs Auftritte in dem TV-Drama "Das Wunder von Lengede" (2003) und, als Albert Speer, in "Der Untergang" (2004).
Nach einer Nebenrolle als Götterbote "Hermes" in Helmut Dietls phantastischer Romantikkomödie "Vom Suchen und Finden der Liebe" (2005) spielte Ferch in erster Linie in ambitionierten TV-Produktionen wie Markus Imbodens "Auf ewig und einen Tag" (2006) oder Roland Suso Richters "Das Wunder von Berlin" (2008).
2008 war er auf der Kinoleinwand in einer kleineren Rolle in Uli Edels "Baader Meinhof Komplex" zu sehen. Ein Jahr später spielte er eine Hauptrolle als Mönch Volmar in Margarethe von Trottas hoch gelobter Filmbiografie "Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen" (2009).
2010 konnte man Ferch dann in gleich fünf Kinofilmen sehen: In dem Krimi "Jerry Cotton" spielte er den Ganoven Klaus Schmitt, in "Vincent will Meer" den Vater eines Tourette-Kranken, in Dani Levys Komödie "Das Leben ist zu lang" einen Mediziner, in der Filmbiografie "Max Schmeling" von Uwe Boll gab er den Max Machon, und in der Kinderbuch-Adaption "Hanni & Nanni" verkörperte er den Herrn Sullivan.
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*18.08.1963
Bremerhaven
Darsteller, Mitwirkung, Sprecher
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