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Friedrich Christian Anton Lang, geboren am 5. Dezember 1890 in Wien, Sohn des Architekten und Stadtbaumeisters (Bauunternehmers) Anton Lang und seiner Frau Paula, geb. Schlesinger. Lang, der sich schon als Kind mit Zeichnen und Malen beschäftigt, besucht die Volks- und Realschule, beginnt 1907 ein Architektur-Studium an der Technischen Hochschule Wien, 1908 ein Kunststudium, zunächst an der Akademie der Graphischen Künste in Wien, ab 1911 in München an der Staatlichen Kunstgewerbeschule Julius Diez. Er unternimmt ausgedehnte Reisen – "Deutschland, Belgien, Holland, Mittelmeerländer und die afrikanischen Küstengebiete waren meine Stationen" (Lang, 1928) – angeblich sogar bis China und Bali. 1913/14 lebt er als Maler in Paris. Bei Kriegsausbruch gelingt es ihm, nach Wien heimzukehren, wo er am 12.1.1915 als Freiwilliger in die k.k. Landwehr-Feldkanonen-Division No. 13 eintritt. Er besucht die Einjährig-Freiwilligen-Schule und dient als Artillerie-Offizier (ab 16.8.1916 als Leutnant der Reserve) an der Front in Rußland, Rumänien und Italien, wird mehrfach verwundet und ausgezeichnet (u.a. mit dem Karl-Truppenkreuz und zweimal der Silbernen Tapferkeitsmedaille II. Klasse).
Während seiner Lazarett-Aufenthalte malt Lang und beginnt – schon früher für den Film begeistert – Drehbücher zu schreiben. Vermutlich ist sein erstes realisiertes Drehbuch "Die Peitsche", das Adolf Gärtner für die Smart Webbs-Detektivserie verfilmt. 1917 kauft der in Wien geborene Produzent und Regisseur Joe May einige von Langs Drehbüchern und inszeniert sie im Rahmen seiner erfolgreichen Filmserie mit dem Detektiv Joe Deebs ("Die Hochzeit in Exzentricclub") bzw. als Melodram mit seiner Schauspieler-Gattin Mia May ("Hilde Warren und der Tod"). 30.6.-30.9.1918 Militärdienstenthebung für die Leitung des 'feldgrauen Spiels' "Der Hias" von I. Ronach, das Lang für die Truppenbetreuung inszeniert und spielt. Im August lernt Lang den berliner Filmproduzenten Erich Pommer kennen, der ihn zur Decla nach Berlin engagiert, nachdem er am 1.11.1918 als Oberleutnant der Reserve entlassen wird.
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Lang arbeitet als Dramaturg, schreibt Drehbücher und spielt kleine Rollen. Beeinflußt von den französischen ("Fantomas") und dänischen Filmen der Zeit, sind es triviale Unterhaltungsfilme: Grotesken, Krimis, Kostüm- und Sensationsfilme, die meist von den populären Regisseuren Alwin Neuss (auch sein eigener Hauptdarsteller) und Otto Rippert inszeniert werden. Anfang 1919 führt Lang zum erstenmal Regie ("Halbblut"). Mit großem Erfolg beginnt er die Abenteuerserie "Die Spinnen", von der er zwei Teile fertigstellt. Langs Vorlage wird auch als Roman in Buchform und in Fortsetzungen in der neu erscheinenden Film-Tageszeitung Film-Kurier veröffentlicht.
Während eines einjährigen Engagements bei der May-Film GmbH lernt er 1920 die Autorin Thea von Harbou kennen, mit der er bis 1933 zusammenarbeitet und die er am 26.8.1922 heiratet. Das Melodram "Das Wandernde Bild" ist ihre erste gemeinsame Arbeit. Der zweiteilige Abenteuerfilm "Das indische Grabmal" (nach einem Roman von Harbou) wird von Lang als Regisseur vorbereitet, dann jedoch von Joe May inszeniert (Remakes: 1937, R: Richard Eichberg; 1958, R: Lang). Zu Pommers Decla-Bioscop zurückgekehrt, beginnt 1921 mit "Der müde Tod" Lang/Harbous Reihe gemeinsamer Filme, die zu den Klassikern des deutschen Stummfilms gezählt werden. Im Rahmen einer romantisch-altdeutschen Legende variiert Lang das Thema Liebe und Tod in drei Episoden, die im märchenhaften Bagdad, im Venedig der Renaissance und im exotischen China spielen.
Nach einem Roman des erfolgreichen Kolportage-Autors Norbert Jacques entsteht für die Ufa, von der die Decla-Bioscop inzwischen übernommen worden ist, der Zweiteiler "Dr. Mabuse, der Spieler" mit Harbous Ex-Gatten Rudolf Klein-Rogge in der Titelrolle. Thematisch orientiert sich der Film am "Caligarismus": Ein skrupelloser Übermensch mit Hypnosefähigkeiten verführt seine Opfer zu Mordtaten, bis er selbst dem Wahnsinn verfällt. Der Kritiker Kurt Pinthus konstatiert eine "dreifache Sensation": "Erstens sieht (der Zuschauer) eine aufregende Angelegenheit. (...) Zweitens wird das Auge gereizt und entzückt durch die außerordentlich geschickte, durchgebildete, (...) kunstvolle Photographie Karl Hoffmanns. (...) Und drittens hat der Regisseur Fritz Lang mit Inbrunst sich bemüht, den Wahnwitz unserer Epoche in charakteristischen Typen und Milieus zu konzentrieren." (Das Tagebuch, 6.5.1922).
Mit den beiden Teilen von "Die Nibelungen – Siegfried" und "Kriemhilds Rache" – versucht Lang nach eigener Aussage "die Welt des Mythos für das 20. Jahrhundert wieder lebendig werden zu lassen, – lebendig und glaubhaft zugleich." Mit strenger Stilisierung und ornamentalem Kompositionsprinzip – in Architektur, Kostüm, Massenregie, Bildaufbau und -rhythmus – knüpft er dabei an die Inszenierungsprinzipien von "Der müde Tod" an, die zwanghafte thematische Konsequenzen der Sage verbildlichend. Die Widmung des Films "Dem deutschen Volke zu eigen" (Sergei Eisenstein: "Die 'Nibelungen' liebte ich seit meiner Kindheit, später wurden sie mir durch die Filme von Fritz Lang verleidet.") führt zu nationalistischen Mißverständnissen und Spekulationen.
Von Oktober bis Dezember 1924 unternimmt Lang gemeinsam mit Erich Pommer eine Reise nach Hollywood. Am 22.5.1925 beginnt er mit den Dreharbeiten zu "Metropolis", die sich bis zum 30.10.1926 hinziehen. Wegen des immensen Aufwands an Menschen, Material und Mark ("Einer muß der Teuerste sein") kommt es zum Streit mit der Direktion der Ufa, die sich in finanziellen Schwierigkeiten befindet und Anfang 1927 von Hugenbergs Scherl-Konzern übernommen wird. Pommer verläßt die Firma, Lang gründet die Fritz Lang-Film GmbH, deren Filme von der Ufa verliehen werden.
"Metropolis" ist ein utopisches Märchen: Kolportage in exotischem Milieu, eine Stil-Mixtur, die Filmgeschichte macht, nicht zuletzt wegen der technischen und inszenatorischen Innovationslust Langs, deren ideologische Fragwürdigkeit jedoch schon bei den Zeitgenossen auf Kritik stößt: "Eine technische Zukunftsstadt und Gartenlaubenromantik; eine Maschinenwelt und lächerliche Einzelschicksale; soziale Weltgegensätze, und als Mittler zwischen ,Hirn und Hand das Herz'. (...) Thea von Harbou erfindet eine unmögliche Personenhandlung, die in den Motiven überstopft wird, Fritz Lang stilisiert diese Unterlage und läßt die Bildmotive sich schlagen. Bald mittelalterlicher Totentanz, bald moderner Totentanz. Bald eine Zeitanstrengung, bald eine Bildungsanregung; aber niemals die Orientierung vom Stoffe her." (H. Ihering, Berliner Börsen Courier, 11.1.1927).
"Spione" (1927) knüpft mit Hauptdarsteller (Rudolf Klein-Rogge) und Motiven (ein Geheimnisvoller beherrscht ein Netz von Spionen) an die "Mabuse"-Filme an; "Frau im Mond" (1928/29) verknüpft die Utopie der Mondfahrt mit irdischen Krimi-Elementen. "Langs Filme sind nicht realistisch. Nie reflektieren sie unmittelbare Umwelt. Sie gehen aus von einer mit den spezifischen Mitteln des Kinos erarbeiteten und erkennbaren abstrakten Form von Realität, eine Methode, deren Wahrheitsanspruch sich darin gründet, daß sie dem artifiziellen, gemachten, historischen Charakter gesellschaftlicher Realität gerechter wird als alle Vorstellung planer Abbildung von Realität." (F.Grafe, 1976).
Für Seymour Nebenzahls Nero-Film entsteht Längs erster Tonfilm "M", der die Möglichkeiten der neuen Technik durch den Einsatz von Geräuschen und vor allem eines vom Regisseur selbst gepfiffenen Musik-Motivs geschickt einsetzt. Peter Lorre spielt einen psychopathischen Kindermörder, der eine Stadt beunruhigt, von der Polizei gejagt und schließlich von der aufgeschreckten Unterwelt gestellt wird; in letzter Minute kann die Polizei ein Lynchurteil verhindern. Der Film, der kurz nach Abschluß des Prozesses gegen den Massenmörder Kürten startet, trifft auf eine sensibilisierte Öffentlichkeit. Die linksliberale Presse kritisiert, Lang halte ein Plädoyer für die Todesstrafe. Ein Mißverständnis, denn Lang denunziert den Mörder nicht, sondern versucht Verständnis für das scheinbare 'Monster' zu wecken. "Anders als die früheren langschen Hauptfiguren ist der Kindermörder, Peter Lorre, nicht das beherrschende Zentrum eines Systems. Er ist destruktive Lust, wie Mabuse, aber er kontrolliert sie nicht, setzt sie nicht um in Macht, deshalb hat er das Gesetz gegen sich." (E. Patalas, 1976).
"Das Testament des Dr. Mabuse" "ist ein mit Raffinement inszenierter Kriminalfilm, in dem unschwer Motive, die Lang zeitlebens fasziniert haben, wiederzuerkennen sind: klaustrophobische Ängste in geschlossenen Räumen, magische Kommunikation mittels Hypnose und ihre Dechiffrierung." (M. Töteberg, 1984). In Interviews hat Lang immer wieder darauf hingewiesen, er habe mit diesem Film die spätere Gewaltherrschaft der Nazis vorausschauend thematisiert; diese Darstellung, der Film begründe sozusagen sein späteres tatsächliches antifaschistisches Engagement, muß angezweifelt werden. Unabhängig von den ideologischen Tendenzen in den Drehbüchern seiner Frau, einem Mitglied der NSDAP, in denen Lang wohl eher Spielmaterial sah, ist seine Einstellung zur nazistischen Ideologie zumindest zeitweise indifferent.
Nach der Machtergreifung der Nazis gründet der deutsch-nationale Fritz Lang am 27.3.1933 mit Carl Boese, Victor Janson und Luis Trenker die Regie-Gruppe der Nationalsozialistischen Betriebsorganisation (NSBO). "Das Testament des Dr. Mabuse" wird am 29.3.1933 von der Filmprüfstelle verboten. (Die Uraufführung findet im Dezember 1933 in Wien statt; das Material der französischen Fassung wird vom Cutter Lothar Wolff nach Paris gebracht und dort montiert.) Anfang April führt Lang ein Gespräch mit Propaganda-Minister Goebbels, der ihm – laut Längs späteren Berichten – dabei "die Führung des deutschen Films" anbietet; er antwortet hinhaltend und fährt "am selben Abend" nach Paris, wo er im Juli 1933 eintrifft. (Sein Reisepaß verzeichnet mehrere österreichische und belgische Visa für die dazwischen liegenden Monate.) Am 20.4.1933 wird seine Ehe mit Thea von Harbou, von der er seit Oktober 1931 getrennt lebt, geschieden. Für Pommer, der sich in Frankreich als Produzent zu etablieren versucht, dreht Lang ab Dezember 1933 "Liliom" nach dem Bühnenstück von Ferenc Molnar. Am 1.6.1934 unterschreiben David O. Selznik und Lang in London einen Vertrag über einen Film für M-G-M, Lang reist nach Kalifornien. Lang, der im Februar 1935 seine ersten Papiere als amerikanischer Staatsbürger erhält, gründet 1936 mit anderen die Anti-Nazi-League.
Nach mehreren abgelehnten Projekten entsteht Anfang 1936 mit "Fury" sein erster Hollywood-Film. In dieser Paraphrase auf "M" entkommt ein unschuldig Angeklagter (Spencer Tracy) knapp dem Tod durch Lynchen. Ebenfalls um das tragische Schicksal eines zu Unrecht Verurteilten geht es in "You Only Live Once", den Lang 1936 für den unabhängigen Produzenten Walter Wanger dreht. In "You and Me" (1938) – Lang zeichnet für Regie und Produktion – beweist Sylvia Sidney (die weibliche Hauptdarstellerin seiner ersten drei amerikanischen Filme), daß sich Verbrechen nicht auszahlt. Bei diesem Film, zu dem Kurt Weill einige Songs schreibt, läßt sich Lang von Brechts Theorie des Lehrstücks beeinflußen.
Von Darryl F. Zanuck für Twentieth Century-Fox engagiert, dreht er 1940 in Farbe die Western "The Return of Frank James" mit Henry Fonda (eine Fortsetzung von Henry Kings "Jesse James") und "Western Union" mit Robert Young und Randolph Scott über den Bau der Telegrafen-Linie nach San Francisco 1861. "Man Hunt", der Anfang 1941 entsteht, verknüpft plakativ eine Agenten-Story mit der aktuellen Situation in Nazi-Deutschland. 1942 erarbeitet er mit Bertolt Brecht und dem amerikanischen Drehbuch-Autor John Wexley "Hangmen Also Die" über das Attentat auf Heydrich und den Widerstand in der Tschechoslowakei, den er mit zahlreichen deutschen Emigranten für Arnold Pressburgers Firma Arnold Productions realisiert. Bei der Zusammenarbeit zwischen Lang und Brecht kommt es zu Differenzen. "Lang dachte in den Strukturen Hollywoods, deren eingewöhnte Muster der Brechtschen Bemühungen nicht bedurften. (... Brecht ging es) um die realistische, also nachprüfbare, die Wirklichkeit abbildende Entfaltung der Geschichte und um die soziale Profilierung der in ihr wirkenden Figuren. Lang suchte außergewöhnliche optische Aktionen, deren Aufeinandertreffen den Effekt gibt." (W. Gersch in: Exil in den USA, Leipzig: Reclam 1980).
"The Ministry of Fear" (1944), nach einem Roman von Graham Greene, der von der 'fünften Kolonne' in England handelt, zählt (wie mit Einschränkungen auch "Cloak and Dagger", 1946) zu Langs Anti-Nazi-Filmen, deretwillen er – nicht zuletzt wegen seiner Bekanntschaft mit Brecht und Hanns Eisler – in die Umtriebe des Komittees gegen unamerikanische Aktivitäten gerät.
Für die Diana Productions, die er im April 1945 gemeinsam mit dem Produzenten Walter Wanger, dessen Frau, der Schauspielerin Joan Bennett und dem Autor Dudley Nichols gegründet hat, dreht Lang "Scarlet Street" und 1947 "Secret Beyond the Door", beides düstere Thriller um die Verstrickung von Liebe und Mord, ebenso zuvor "The Woman in the Window" (1944). In den folgenden Jahren dreht Lang Genre-Filme wie den Kriegsfilm "American Guerilla in the Philippines" und den Western "Rancho Notorious" mit Marlene Dietrich und einige der besten Beispiele des film noir: "Clash by Night", "The Blue Gardenia", "The Big Heat", "Human Desire", "Moonfleet", "While the City Sleeps", "Beyond a Reasonable Doubt".
1956 besucht Lang zum erstenmal nach dem Krieg Deutschland, 1957 Berlin. Nach verschiedenen nicht realisierten Projekten, z.B. über den 20. Juli oder Störtebeker, akzeptiert er Artur Brauners Angebot, ein Remake von "Das indische Grabmal" zu drehen. Der "deutsche Millionen-Film" ist ebenso ein künstlerisches Desaster wie "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse", mit dem er – ebenfalls für Brauners CCC-Filmkunst – versucht, an einen anderen alten Erfolg anzuknüpfen. 1963 spielt er in Jean-Luc Godards "Le Mepris" einen alten Filmregisseur, der im Konflikt mit seinem Produzenten einen Odysseus-Film zu drehen versucht; die – in der ersten deutschen Verleihfassung geschnittenen – Odysseus-Sequenzen inszeniert Lang weitgehend selbst.
Eigene Projekte, die Lang trotz seines schlechten Gesundheitszustandes – er erblindet fast völlig – auch weiterhin betreibt, werden nicht realisiert. Er reist, besucht Filmfestivals, gibt Interviews. Die Filmhistorikerin Lotte H. Eisner, eine alte Freundin, schreibt ein Buch über Lang, das er selbst kapitelweise redigiert und umschreibt.
"Der Stil Fritz Langs? Ein Wort genügt, um ihn zu beschreiben: unerbittlich. Jede Einstellung, jede Kamerabewegung, jeder Ausschnitt, jede Bewegung eines Schauspielers, jede Geste ist entschieden und unnachahmlich." (Truffaut). Fritz Lang, der in Amerika seine langjährige Gefährtin Lilly Latte heiratet, stirbt am 2. August 1976 nach langer Krankheit in seinem Haus in Beverly Hills.
CineGraph Lexikon zum deutschsprachigen Film © 1984ff edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag München
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(
Friedrich Christian Anton Lang )
*05.12.1890
Wien, Österreich
; †02.08.1976
Beverly Hills, Kalifornien, USA
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