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Hans Moser – Schauspieler Johann Julier, geboren am 6. August 1880 in Wien, drittes Kind des Akademischen Bildhauers Franz Julier und seiner Frau Serafina, geb Pöschl. Er wächst auf im Bezirk Margarethen, besucht die Bürger- und die Handelsschule, arbeitet in der Buchhaltung einer wien-leopoldstädter Lederwarenhandlung, ist kurzzeitig zahlender Schüler der Theaterschule Otto. Bei Josef Moser, Hofschauspieler, nach dem er sich fortan nennt, nimmt er Sprechunterricht.
Mit 17 Jahren erhält er sein erstes Engagement an einer Schmieren-Bühne in Friedek-Mistek an der Ostrawitza, dann in Laibach. Als Statist und Chorsänger spielt er in Czernowitz und Cilli. Deutsche Theater in Böhmen, in Josefsstadt und Reichenberg, bieten erste Sprechrollen. Oktober-Dezember 1902 leistet er Dienst in der III. Ersatz-Compagnie des Infanterie-Regiments Nr. 4 (Hoch- und Deutschmeister).
Ab Januar 1903 ist er Ensemblemitglied des Theaters in der Josefstadt (Intendanz Josef Jarno). 1907 kündigt Moser, seiner Körperkürze wegen allzuoft in Kinderrollen eingesetzt, und tingelt erneut mit Wanderbühnen über böhmische Dörfer, durch die Steiermark, Mähren und Ungarn.
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Am 5.8.1911 heiratet Moser, 1910 nach Wien zurückgekehrt, Blanca Hirschler (1890-1974). Er spielt 1910/11 am Intimen Theater, 1911/12 an der Possen-Bühne Max und Moritz, den Kabaretts Colosseum und Die Budapester. 1913 wird seine Tochter Margarethe geboren. 1914-18 ist er als Soldat in der k.u.k. Bau-Compagnie 1 des 4. Regiments an der Ostfront und am Isonzo (Norditalien) eingesetzt.
Nach Kriegsende absolviert er abermals Kabarett-Auftritte, 1920 als Ensemblemitglied der Rolandbühne, in Schwänken und Einaktern an Varietés und Musikbühnen Wiens. In Sketchen, darunter Fritz Löhner-Bedas "Der Patient" (Varieté Reklame, 1922; 1932 verfilmt) und der selbstverfaßte "Der Dienstmann" (Die Budapester, 1923; 1928 und 1932 mit Mosers Tochter verfilmt), präsentiert sich Moser erfolgreich als Charakterkomiker.
Es folgen Auftritte in Revuen des Varieté Ronacher (Pompfunèbrer in "Wien, gib acht!", UA: 4.11.1923) und in Operetten des Theaters an der Wien (Kammerdiener in "Gräfin Mariza", UA: 28.2.1924; Billeteur in "Der Orlow", UA: 3.4.1925). 1925 engagiert ihn Max Reinhardt ans Theater in der Josefstadt, er spielt 1925-27 bei den Salzburger Festspielen, als Tartaglia in der Festspielübernahme "Turandot" 1926 erstmals am Deutschen Theater Berlin, 1927/28 anläßlich eines Reinhardt-Gastspiels im Century Theatre, New York (Zettel in "Der Sommernachtstraum").
In Zukunft verfolgt er seine Theaterarbeit in Berlin und Wien, spielt u.a. bei den Regisseuren Heinz Hilpert (Zauberkönig in Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald, Deutsches Theater, UA: 2.11.1931) und Otto Preminger (Melchior in Nestroys "Einen Jux will er sich machen", Theater in der Josefstadt, UA: 16.10.1934). 1934-1939 übernimmt er nur gelegentlich Engagements am wiener Deutschen Volkstheater und Theater in der Josefstadt, dann verzichtet er, zugunsten des Films, gänzlich auf sie.
Seine ersten Nebenrollen im Stummfilm – als Abgeordneter in "Die Stadt ohne Juden" (1924) nach dem Roman von Hugo Bettauer, als Dienstmann und Gerichtsdiener in "Die Familie ohne Moral" (1926/27) und "Spitzenhöschen und Schusterpech" (1928) – bringen Moser keinen Erfolg.
In seinen frühen Tonfilm-Komödien dominieren die arrivierten berliner Komiker. Erst mit den Wien-Filmen von Willi Forst – mit seiner Pfandleiher-Rolle in dem Schubert-Film "Leise flehen meine Lieder" (1933), seinem Gärtner-Auftritt in dem Melodram "Maskerade" (1934) – werden Mosers Nuscheln, seine rudernde Gestik akzeptiert. In Lustspielen, häufig inszeniert von E. W. Emo, Geza von Bolvary oder Carl Lamac, führt er biestige Faktoti vor.
Uniform, Dienstmütze, Kellnerfrack sind die Insignien seiner Figuren. "Mißmutige und Dienende waren Mosers Rollen, der Kleinbürger als Misanthrop sein Fach. Doch war er kein Menschenfeind, nicht von den Finten seiner Klasse geknickt, sondern von den Allüren der Herrschenden. Seine Grantigkeit drückt auch den Mißmut am Dienen aus." (Witte, 1981). Er gibt das Kontrastmittel ab zu den aufgeräumten Nordwestdeutschen Theo Lingen und Heinz Rühmann, liefert sich Gefechte mit Adele Sandrock und mit Ida Wüst.
Mit Paul Hörbiger präsidiert er dem wiener Filmkomiker-Klan aus Oskar Sima, Annie Rosar, Rudolf Carl, Leo Slezak, Lucie Englisch. Seine Darstellungen des alten Kernthaler in "Vorstadtvarieté" (Werner Hochbaum, 1934), des Komikers Melchior in "…nur ein Komödiant" (Erich Engel, 1935), des Hundefängers Haslinger in "Das Gäßchen zum Paradies (Mac Fric, 1936) sind die deutlichsten Emanationen seiner Charakterisierungskunst. "Das Gelächter, das er hervorrief, war Ausdruck ungeweinter Tränen über die Demütigungen seiner Dienstmänner und kleinen Leute; seine Raunzerei der taugliche Versuch, Menschenwürde in einer dazu untauglichen Zeit festzuhalten." (Karasek, 1980).
Nach 1933 ist Moser in seiner Filmarbeit in Berlin auf eine "Sonderbewilligung" angewiesen, wegen ihrer jüdischen Abstammung verläßt Blanca Moser 1939 Deutschland. Nach Kriegsende leben beide zeitweilig in Baden bei Wien; Moser spielt im Landestheater Salzburg – auf englisch – seinen "Dienstmann" vor Besatzungstruppen und agiert 1947 erneut auf wiener Bühnen.
1948 gibt er Gastspiele an Paul Walter Jacobs Freier Deutscher Bühne in Buenos Aires (wo Mosers Tochter lebt) und vor deutschen Emigranten in der Carnegie Hall, New York. In auf ihn zugeschnittenen Nachkriegsfilmen ("Der Herr Kanzleirat", 1948; "Hallo, Dienstmann", 1951; "Der Onkel aus Amerika", 1952/53) variiert Moser seine cholerischen Nörgler, bis ihn die restaurierte Wiener Seligkeit ins Seichte trägt ("Kaisermanöver", 1954; "Kaiserball", 1956). Auf harmonisierte Nestroy-Adaptionen ("Einen Jux will er sich machen", 1953; "Lumpazivagabundus", 1956) folgen Remakes verblaßter Filmerfolge ("Der Kongreß tanzt", 1955; "Die drei von der Tankstelle", 1955) und alter Moser-Filme ("Die Deutschmeister", 1955; "Opernball", 1956; "Unentschuldigte Stunde", 1957). Seine Galligkeit, vom Alter gemildert, weicht der sentimentalen Resignation. Seine Regisseure sind nun, neben Emo und den Brüdern Marischka, vor allem Franz Antel, schließlich Werner Jacobs.
Umgeben von den alten Kämpen, treibt Moser, stets bedenkenlos in seiner Rollenwahl, auch Heiterkeit mit der jüngeren Komikergeneration, mit Georg Thomalla, Gunther Philipp, Trude Herr.
In den 50er Jahren beschränkt Moser seine Theaterarbeit auf seltene Auftritte an wiener und münchner Bühnen. Gelegenheit zur Demonstration seiner unvermindert seriösen Fähigkeiten erhält er als Vater Weiring in Schnitzlers "Liebelei" – seiner ersten Rolle in einer Inszenierung des Wiener Burgtheaters (UA: 12.6.1954, R: Ernst Lothar) –, 1957 im gleichnamigen Fernsehspiel, 1961 als Zauberkönig in der TV-Adaption "Geschichten aus dem Wienerwald" und als das Hohe Alter in der Salzburger Festspiel-Inszenierung "Der Bauer als Millionär". Als himmlischer Polizeikonzipient in Molnárs "Liliom" (R: Kurt Meisel) steht er am 12.11.1963 im Burgtheater zum letztenmal auf der Bühne.
Hans Moser stirbt am 19. Juni 1964 im Hanuschkrankenhaus in Wien, er wird am 24.6.1964 auf dem Zentralfriedhof beigesetzt.
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film© 1984ff edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag, München.
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(
Johann Julier )
*06.08.1880
Wien, Österreich
; †19.06.1964
Wien, Österreich
Darsteller, Drehbuch, Gesang
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