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Quelle: DIF
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Giuseppe Becce
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Giuseppe Becce – Komponist
Giuseppe Becce wird am 3. Februar 1877 in Lonigo (Vicenza, Oberitalien) geboren. Er ist eines von sieben Kindern des "Wasserwächters" der Gemeinde Lonigo, Pietro Becce, und seiner Frau Santa Castagnaro. Schon während der Schulzeit besucht Becce das Konservatorium in Padua, studiert dort Flöte und Cello, nebenher Philologie und Geografie, ist bereits um 1895 Dirigent des Universitäts-Liebhaber-Orchesters.
Im Oktober 1900 geht er nach Berlin, um bei Ferdinand von Richthofen seine Geografie-Studien fortzusetzen. Nach einigen Monaten kehrt er nach Padua zurück, um eine Professur anzustreben. Er geht jedoch bald wieder nach Berlin und studiert Musik bei Professor Leopold Schmidt und als Privatschüler bei Arthur Nikisch. 1910 hat seine Operette "Das Bett der Pompadour" unter eigenem Dirigat in Bremen ihre Uraufführung, 1912 seine Oper "Tullia" in Breslau.
1913 kommt Becce durch Kurt Matull, den Librettisten seiner Operette, der als Assistent beim Film arbeitet, in Kontakt mit dem Produzenten Oskar Messter, für dessen Filme er die Bearbeitung der musikalischen Begleitung (Kompilation) übernimmt. Gelegentlich liefert Becce auch Eigenkompositionen, vor allem für Filme mit Henny Porten. In Messters "Richard Wagner" spielt er 1913 die Titelrolle und arrangiert und komponiert, da die Wagner-Erben zu hohe Lizenzgebühren fordern, auch die Musik.
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Ab Mai 1915 leitet Becce für Messter im Mozartsaal ein Orchester von ca. 15 Musikern, dem als Pianist Mischa Spoliansky angehört. (In Lamprechts "Deutsche Stummfilme" – und dadurch bei Birett, 1970 – sind zahlreiche Film-Premieren fälschlich dem Mozartsaal und damit Becce zugeordnet). Er arrangiert Illustrationsmusiken, komponiert Lieder und Motive, auch Musik unter dem Pseudonym "Peter Bechstein". 1916 veröffentlicht Becce, teilweise unter dem Pseudonym "Peter Becker", einige Kriegs- und Trivial-Romane im Mignon-Verlag Dresden.
In den 1910er Jahren heiratet Becce die Schriftstellerin Emma Woop, die zahlreiche Texte für Becces Lieder sowie unter dem Namen "Maria von Sawersky" Trivialromane ("Das Mädchen im Silberkleide", "Braut aus Übersee") verfaßt. 1919 beginnt in der Schlesinger'schen Buch- und Musikhandlung Robert Lienau Becces "Kinothek" (Kino-Bibliothek) zu erscheinen, eine Sammlung von Musikstücken zur Filmillustration für Klavier und Orchester, die schließlich bis 1929 sechs Doppel-Folgen umfaßt. Ab 1921 gibt Becce das "Kinomusikblatt" heraus, ab 1926 unter dem Titel "Film-Ton-Kunst. Eine Zeitschrift für die künstlerische Musikillustration des Lichtbildes"; 1927 wird sie offizielles Mitteilungsorgan der "Gesellschaft der Filmmusik-Autoren Deutschlands e.V.".
Bis 1923 ist Becce Dirigent im Mozartsaal, 1922 übernimmt er das Orchester des Ufa-Pavillons am Nollendorfplatz, ab 1923 dirigiert er auch im Tauentzien-Palast, ab 1926 zusätzlich im Gloria-Palast, 1928/29 wieder im Mozartsaal. In den 1920er Jahren Chef der Ufa-Musikabteilung, schreibt er Original-Kompositionen für Stummfilme, so für Fritz Wendhausens "Der steinerne Reiter" (1922/23) und für F. W. Murnaus "Der letzte Mann" (1924) und "Tartüff" (1925).
Er arrangiert und dirigiert die Premieren-Musiken u.a. für Gerhard Lamprechts "Die Buddenbrooks" (1923) und "Der Katzensteg" (1927), Joe Mays "Der Farmer aus Texas" (1925), G. W. Pabsts "Geheimnisse einer Seele" (1925/26), Berthold Viertels "Die Abenteuer eines Zehnmarkscheines" (1926).
1927 veröffentlicht er gemeinsam mit dem Komponisten Hans Erdmann in zwei Bänden das "Allgemeine Handbuch der Film-Musik", eine Zusammenfassung der Theorie und Praxis von Musik und Stummfilm. Der 1. Band "Musik und Film" enthält detaillierte Ausführungen zu den Themen-Komplexen: Verhältnis Film – Musik, "Illustration, Autorenillustration, Komposition", Überlegungen zur Praxis der Musik "Vom Atelier zum Theater", "Zur Musikdramaturgie des Films" und "Zur Methodik der kompilatorischen Illustration". Der 2. Band, das "Thematische Skalenregister", ermöglicht durch Symbole und Abkürzungen ein leichtes Auffinden der – verschiedenen Filmsituationen zugeordneten – Musik-Motive. Der Band enthält über 3000 Ausschnitte aus Werken von mehr als 200 Komponisten des klassischen und modernen Repertoires. Stark vertreten sind u.a. d'Albert, Auber, Bizet, Delibes, Messenet, Sibelius, Smetana, Tschaikowski und Verdi, aber auch Film-Illustratoren wie Morris Aborn, Gaston Borch, Carl May und I. S. Zamecnik sowie Becce selbst.
Mit dem Beginn der Tonfilmzeit schreibt Becce für Filme aller Genres. Er betreut die Verfilmung von Opern und Operetten – "Fra diavolo" (1930/31) nach Auber, "Das Lied der Sonne" (1933) nach Mascagni – und Musikfilme mit dem beliebten Tenor Benjamino Gigli ("Du bist mein Glück", 1936; "Die Stimme des Herzens", 1936/37).
Zu seinen Arbeiten zählen Abenteuerfilme wie Johannes Meyers "Unter falscher Flagge" (1931/32) ebenso wie Lamprechts Dostoevskij-Verfilmung "Der Spieler" (1938), Machatys umstrittenen Naturfilm "Ekstase" (1932) und Komödien wie "Viel Lärm um Nixi" (1941) von Erich Engel. Bei den politischen Filmen Franz Wenzlers, der Horst-Wessel-Verklärung "Hans Westmar" (1933) und der Mussolini-Adaption "Hundert Tage" (1934/35) steht er dem Komponisten Dr. Ernst Hanfstaengl zur Seite. Besonders erfolgreich sind seine Kompositionen für Bergfilme: Luis Trenkers "Berge in Flammen" (1931) und "Der Feuerteufel" (1939/40), Leni Riefenstahls "Das blaue Licht" (1931/32), die Tonfassung von Arnold Fancks "Die weiße Hölle vom Piz Palü" (1935), oder die Dokumentarfilme "Gipfelstürmer" (1933) und "Nanga Parbat" (1934/35).
In den 30er und 40er Jahren untermalt er zahlreiche Kulturfilme (z.Z. nicht alle nachweisbar), u.a. "Sieger des Friedens", einen Werbefilm für den Luftpostbund. In den 40er Jahren arbeitet er vorwiegend in Italien.
In Berlin ausgebombt, lebt Becce nach Kriegsende zeitweise in München und Meran (Südtirol), schreibt u.a. 1949 die Bühnenmusik für eine "Faust"-Inszenierung in Bozen-Meran. Ab 1948 knüpft er – in seiner fortgesetzten Zusammenarbeit mit Trenker – an die Reihe der Bergfilme an, komponiert für Kulturfilme sowie für Heimatfilme, darunter Harald Reinls "Bergkristall" (1948/49), Helmut Weiß' Ganghofer-Adaption "Das Schweigen im Walde" (1955) und Eduard von Borsodys "Der Schäfer vom Trutzberg" (1958).
Giuseppe Becce stirbt am 5. Oktober 1973 in Berlin/West.
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film © 1984ff edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag, München.
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*03.02.1877
Lonigo, Italien
; †05.10.1973
Berlin
Darsteller, Mitwirkung, Musik, Musik-Bearbeitung, Musikalische Leitung, Arrangement
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