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Jürgen Brauer wird am 6. November 1938 in Leipzig als Sohn des Schuhmachers Hermann Brauer und seiner Frau Gertrud geboren. Nach dem Abitur studiert er Physik an der Technischen Hochschule Dresden. 1957/58 praktische Arbeit als Optischer Rechner im Kamerawerk Dresden-Niedersedlitz. 1958 beginnt Brauer ein Studium der Fachrichtung Kamera an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg, das er 1962 mit der theoretischen Diplomarbeit "Die künstlerischen Aufgaben von Schnitt und Montage unter Berücksichtigung der Aufgaben des Kameramannes" und dem Abschlußfilm "Wagenwäsche" beendet. Anschließend geht er zum DEFA-Studio für Spielfilme, Potsdam-Babelsberg. Dort führt er zunächst die Kamera bei Kurzfilmen der satirischen "Stacheltier"-Produktion; mehrfach ist Horst Seemann sein Regisseur, mit dem er später die langen Filme "Schüsse unterm Galgen" (1967/68) und "Suse, liebe Suse" (1974) realisiert.
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1965 ist der Kinderfilm "Die Reise nach Sundevit" seine erste
Kamera-Arbeit bei einem Spielfilm, zugleich der Beginn einer
mehrjährigen engen Zusammenarbeit mit dem Regisseur Heiner Carow.
Ihr 1968 gedrehter Film "Die Russen kommen" erhält keine Freigabe und
kommt erst 1987 mit großem Erfolg heraus. Die mit poetischen Sequenzen
durchsetzte Plenzdorf-Verfilmung "Die Legende von Paul und Paula"
(1972) und der rauhe Alltagsfilm "Bis dass der Tod euch scheidet"
(1977/78) zählen mit mehreren Millionen Zuschauern zu den größten
DEFA-Erfolgen der 70er Jahre. Mit Günter Reisch
entstehen nach "Ein Lord am Alexanderplatz" (1966/67), einer
Gegenwarts-Satire, die historischen Filme "Unterwegs zu Lenin"
(1969/70), "Trotz alledem!" (1971) und "Wolz – Leben und Verklärung
eines deutschen Anarchisten" (1973), die in stilistisch sehr
unterschiedlicher Weise Episoden aus der Geschichte der
Arbeiterbewegung erzählen. Mit demselben Team wie bei "Wolz", Regisseur
Reisch und Autor Günther Rücker
(der nach Reischs Erkrankung auch die Regie übernimmt), dreht Brauer
1979/80 "Die Verlobte", der zu einem internationalen Erfolg wird. Brauer
sieht sich bei seiner Arbeit als kreativer Partner des Regisseurs: "Den
Kameramann nur als Techniker abzustempeln, macht ihn einäugig.
Natürlich hat dieser Beruf seinen Ursprung in der Technik, sie ist das
Handwerkszeug. Was aber hinzukommt, die Subjektivität des Kameramanns,
seine ganz persönliche Haltung und Sicht, das zweite Auge, das muß
schöpferisch sein und darf niemals vordergründig-technisch mit dem
verschmelzen, was der Regisseur will. Das Ziel sollte Gemeinsames
sein." (Brauer zu Linke, 1985).
1980 realisiert Brauer, künstlerisch beraten von Heiner Carow, mit
"Pugowitza", nach dem Roman von Alfred Wellm, seinen ersten Film als
Regisseur. Die Geschichte eines kleinen Jungen in den Wirren gegen Ende
des Zweiten Weltkriegs wirkt stark durch die Bildsprache und kommt mit
relativ wenig Dialog aus. Seine zweite Regie-Leistung ist der
Kinderfilm "Gritta von Rattenzuhausbeiuns", eine gelungene Adaption des
romantischen Märchenromans von Gisela und Bettina von Arnim durch die
Szenaristin Christa Kozik. Der Film "stellt sich als ambitionsreicher
Kunstfilm aus. Wenn Kinder vielleicht noch nicht das erlesen Dekorative
der Räume, die Pastelltöne der Bilder, die Ausgesuchtheit der Möbel und
Requisiten, die exquisite Arbeit mit den Kostümen zu schätzen wissen –
Erwachsene können sich diesem Reiz kaum verschließen. Die Brücke in
jene stilisierte Welt, die geheimnisvoll aus Wald, Feld und Wiesen
ragt, schlägt Gritta, ein prononciert natürliches und in Sprache,
Reaktionen, Gestik, Selbstgefühl absolut modernes Mädchen. Aus dieser
Gegenüberstellung von dekorativer Filmwelt und dem Naturell der Heldin
wächst ein interessanter Konflikt, auch eine eigene Philosophie, die
sich, neben der Märchenfabel her, mitteilt und auch kindliche Zuschauer
bannen kann." (O. Bulgakowa, Sonntag, 8.3.1987). Die
phantasievoll-verspielte Handlung gibt zugleich dem Kameramann Brauer
Gelegenheit, Spezialeffekte wie Modell- und Glas-Aufnahmen zu erproben,
was ihm bei der eher dokumentarischen Linie seiner bisherigen
Kamera-Arbeit verwehrt war. Mit Günther Rücker
dreht er 1985/86 "Hilde, das Dienstmädchen" nach einer
autobiografischen Erzählung Rückers. Beide führen gemeinsam Regie,
Brauer macht außerdem die Kamera. Die Geschichte des politischen und
sexuellen Erwachens eines 14jährigen spielt vor dem Hintergrund des
erstarkenden Faschismus in Böhmen 1938. Der Film erliegt bisweilen der
Gefahr, an kritischen Punkten der Entwicklung in die Ästhetik der
Bilder auszuweichen. "...eine Kamerasicht, die Schönes entdecken und
zugleich verhüllen und schützen will, die in die Natur eindringt mit
einem auf das Reizvolle und Eigenartige geradezu durstigen Blick, die
Liebevoll-Verspieltes nachzeichnet in der Silhouette der kleinen Stadt,
im verschachtelten Wohnbereich des Hauses, auch noch im Dunst der
Kneipe." (C. Funke, Film und Fernsehen, Nr. 12, 1986). Bei seiner
Premiere von der DDR-Kritik eher kühl aufgenommen, erhält der Film beim
IFF Karlovy Vary zwei Auszeichnungen.
1987 adaptiert Brauer das Kinderbuch "Das Herz des Piraten" des
wiederholt verfilmten DDR-Autors Benno Pludra für die Leinwand, in dem
sich die kleine Jessie vermittels eines Steins den fehlenden Vater als
Seeräuber in ihren Alltag phantasiert. "Die Kamera schwelgt in schönen
Bildern, überrascht durch ungewöhnliche Blicke auf Landschaften und in
Gesichter. Der Rhythmus stimmt immer, nichts wirkt forciert und
angestrengt, sondern von großer Leichtigkeit und in einem
Schwebezustand gehalten, der Freude bereitet. (...) Kein Understatement
in der Darstellung, sondern Präzision und Souveränität (hervorragend Johanna Schall als Jessies Mutter). Da entgeht einem nichts, da wird auch nichts abgeschwächt." (P. Herrmann, Filmspiegel, Nr. 12, 1988). Eine
ähnliche Mischung aus realer und phantasierter Welt – diesmal jedoch
unter Erwachsenen – zeigt "Sehnsucht", der nach einer Erzählung des
sorbischen Autors Jurij Koch entsteht. "Tanz auf der Kippe" (1989/90)
zeigt anhand einer Amour fou die Stimmung in der Endzeit der DDR. In
deutsch-schweizer Co-Produktion verfilmt Brauer gemeinsam mit Greti Kläy
1992 mit "Anna-annA" ein Kinderbuch von Lukas Hartmann. In dem
abenteuerlichen Märchenfilm "Lorenz im Land der Lügner" (1996)
kombiniert er eine Realhandlung mit einer Zeichentrick-Katze. Daneben
inszeniert er für das Fernsehen Unterhaltungsserien und Kriminalfilme. Brauer,
der meist zugleich Regie und Kamera macht, unterrichtet seit 1984 an
der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf” in
Potsdam-Babelsberg. 1977-90 ist er Mitglied des Präsidiums des
Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden der DDR. Er lebt mit seiner
Frau, der Regie-Assistentin Hanna Seydel, in Diedersdorf. CineGraph Lexikon zum deutschsprachigen Film © 1984ff edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag, München.
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*06.11.1938
Leipzig
Regie, Drehbuch, Adaption, Kamera, Kameraführung, Licht, Bühne, Sonstiges
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1997/1998 |
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Blick in den Abgrund Regie |
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1997 |
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Mordsgeschäfte Regie |
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1995-1997 |
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Lorenz im Land der Lügner Drehbuch, Regie, Kamera |
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1992 |
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Hier und Jetzt Drehbuch, Kamera, Regie |
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1991-1993 |
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Anna annA Drehbuch, Kamera, Regie |
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1990/1991 |
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Tanz auf der Kippe Adaption, Regie, Kamera |
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1989 |
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Leb wohl, Joseph Kamera |
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1989/1990 |
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Sehnsucht Drehbuch, Regie, Kamera |
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1986/1987 |
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Das Herz des Piraten Kamera, Regie |
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1985/1986 |
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Hilde, das Dienstmädchen Drehbuch, Kamera, Regie |
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