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Georg Jacoby – Regisseur, Autor
Georg Jacoby, geboren am 21. Juli 1882 in Mainz, Sohn des Theaterdirektors und Lustspielautors Wilhelm Jacoby (1855-1925) und seiner Frau Elisabeth. Er beginnt seine Laufbahn als Schauspieler an den Stadttheatern in Bremen und Königsberg, geht dann nach Berlin, um Bühnenregisseur zu werden. Von Rosa Porten ermuntert, versucht er sich als Drehbuchautor, erhält 1913 beim Literarischen Lichtspielverlag (später: Literaria-Film) Gelegenheit zur ersten Regieführung.
Nach einem kurzen Zwischenspiel bei der National-Film 1914 ("Das Rennen um Leben"; Der letzte Flug") nimmt ihn 1915 die Projektions-AG "Union" (PAGU) unter Vertrag. Für sie inszeniert er zunächst heitere Sketche ("Ein toller Einfall"; "Ein tolles Mädel"), dann nationalpatriotische Stoffe ("Bogdan Stimoff"; "Der feldgraue Groschen"). Er ist für das Bild- und Filmamt (BUFA) aktiv ("Jan Vermeulen, der Müller aus Flandern") und die propagandistisch ausgerichtete Mars-Film ("Die Entdeckung Deutschlands").
Nach Kriegsende profiliert er sich – nunmehr im Rahmen der Ufa – mit Sitten- und Sexual-Aufklärungsfilmen wie "Keimendes Leben" und "Moral und Sinnlichkeit", in dem Erika Gläßner neben Paul Otto und Harry Liedtke "eine Siebzehnjährige mit Sinnlichkeit u. ohne Moral" zu verkörpern hat: "Sieht entzückend aus. Oder wie's im Zwischentext heißt: 'begehrenswert'." (Der Kinematograph, 28.5.1919).
Jacoby – in erster Ehe verheiratet mit der Schauspielerin Elga Brink – arbeitet als Autor nebenher für die Vera-Film in Hamburg ("Der Tod und die Liebe"; "Erdgift", basierend auf Wedekinds "Erdgeist"). Mit dem weltumspannenden Mehrteiler "Der Mann ohne Namen" – der ersten Adaption des Ullstein-Romans "Peter Voß, der Millionendieb" von Ewald Gerhard Seeliger und zugleich einer späten Ufa-Antwort auf Abenteuer-Serials in der Nachfolge von Joe Mays "Die Herrin der Welt" (1919) – empfiehlt er sich für weitere Monumentalitäten.
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In den folgenden Jahren dreht Jacoby für die Domo-Filmgesellschaft publikumsträchtige Schünzel-Komödien ("Der Hahn im Korb"; Der Stolz der Kompagnie"; "Der dumme August des Zirkus Romanelli"), produziert und inszeniert auf eigene Rechnung exotisch-abenteuerliche Gesellschaftsstoffe ("Die Insel der verbotenen Küsse"; "Die Frau ohne Namen"; "Das Frauenhaus von Rio"), dreht Justizdramen ("Indizienbeweis"; "Meineid") und Komödien ("Die Wochenendbraut").
Nach mehreren Komödien u.a. mit Ossi Oswalda ("Das Mädel mit der Maske") und einer ersten eigenen Produktion ("Das Paradies im Schnee") entsteht 1923/24 für die UCI in Rom der international besetzte Kolossalfilm "Quo vadis?" (Co-Regie: Gabriellino d'Annunzio).
Die deutsche Kritik reagiert vernichtend: Er sei "konfuser selbst als unsere frühen Massenfilme geworden. (…) Er vergißt sogar, für Jannings als Kaiser Nero abwechselnde und zusammenhängende Situationen zu schaffen. Da Jannings nur willkürlich beginnende und willkürlich abschließende Situationsfetzen zu spielen bekommt, bleibt ihm nichts übrig, als verschiedene Ausdrucksstadien zu wiederholen: lüstern blinzelnden Blick durchs Glas, eitel-geschmeicheltes Grinsen und Wut." (H. Ihering, Berliner Börsen-Courier, 24.12.1924).
Im frühen Tonfilm spezialisiert er sich auf musikalisch-ländliche Schmonzetten ("Die Lindenwirtin"; Der eusche Joseph") und Lustspieladaptionen ("Der verjüngte Adolar" nach Richard Kessler; "Hurrah – ein Junge!" und "Die spanische Fliege" nach Arnold & Bach), zu denen 1930 auch "Pension Schöller" gehört, ein Bühnenstück seines Vaters, das er 1952 und 1960 abermals verfilmt.
Eine Ausnahme inmitten eher unverbindlicher Arbeiten bildet sein gedämpfter Sittenfilm "Moral und Liebe", in dem sich Verlockung und Verbot auf volkspädagogisch nunmehr sinnvolle Weise die Waage halten: "Der heikle Stoff, der ein sehr treffsicher gezeichnetes Halbwelt-Milieu durch die Krisensituation unserer Tage mit den besten und saubersten Elementen des Menschen- und Familienlebens zur kontrastreichen Überschneidung bringt, ist mit vorbildlicher Fingerspitze gestaltet. Momente von sicherster, unfehlbarer Publikums-Wirksamkeit sind so dosiert, daß sie niemals Selbstzweck einer erotischen Spekulation werden, sondern zwangsläufig und in geschmackvoller Formung aus einem tief ethischen, menschlich echten Untergrund herauswachsen." (H. Wollenberg, Lichtbild-Bühne, 4.2.1933). Noch vor Machtantritt der Nazis zensiert, wird der Film im Oktober gleichen Jahres verboten.
In dieser Zeit ist Jacoby für wechselnde Produktionsfirmen tätig. 1933 verflichtet ihn die Ufa für eine Serie von Kurzspielfilmen, ehe sie ihm mit der Operette "Die Csardasfürstin" (mit Marta Eggerth) erneut eine Spielfilm-Regie anvertraut. Ein langfristiges Engagement erhält er erst nach der Inszenierung des Puszta-Singspiels "Heißes Blut" (1935/36), dem zweiten Film der aus Ungarn stammenden Tanz-Darstellerin Marika Rökk. Sie ist der Star auch der folgenden Produktionen, der Operetten "Der Bettelstudent" und "Gasparone" (beide nach Carl Millöcker), in denen Johannes Heesters als ihr Widerpart dient. "Eine Nacht im Mai" ist 1938 ein erster Versuch Jacobys, durch integrierte Ausstattungsrevuen amerikanische Vorbilder zu imitieren.
Zum Team dieser typischen "Jacoby-Rökk-Filme" gehören fortan der Produktionsleiter Max Pfeiffer, der Architekt Erich Kettelhut, der Kameramann Konstantin (Irmen-)Tschet, die Choreografin Sabine Ress sowie die Komponisten Franz Grothe und Peter Kreuder. 1940 heiratet Jacoby seine leading lady, 1944 wird die gemeinsame Tochter Gabriele geboren.
Bis 1947 mit Betätigungsverbot in Deutschland und Österreich belegt, setzt das Ehepaar die gemeinsame Arbeit erst 1950 in wiener Ateliers fort. "Kind der Donau", von Jacoby für den Sovexport-Verleih inszeniert und produziert, präsentiert das überkommene Muster in "gewendeter" Form: Marika Rökk verkörpert nun eine Werktätige, die zu Zwecken produktiver Freizeitgestaltung ein künstlerisches Kollektiv auf die Beine stellt. In der Bundesrepublik kombinieren sie ihre Nummernrevuen mit altbewährten Melodien (abermals "Die Csardasfürstin", erneut mit Heesters) und Motiven des neureichen Reisefilms ("Sensation in San Remo").
Während Jacoby mit selbständigen Arbeiten zu den Anfang der 30er Jahre erprobten Genres zurückkehrt – mit "Gestatten, mein Name ist Cox" (wiederum mit Heesters) zur Kriminalkomödie, mit "Drei Tage Mittelarrest" und "Zu Befehl, Frau Feldwebel" zum Militärlustspiel – setzt er bei den in ehelicher Gemeinschaft fabrizierten Filmen weiterhin auf Kontinuität nach Noten, so auch in der Raymond-Operette "Maske in Blau", einer Eigenproduktion seiner Röja-Film, Berlin. 1956 verpflichtet die hamburger Real-Film, für die Jacoby zuvor das Grethe Weiser-Special "Ich und meine Schwiegersöhne" realisiert hat, das unverwüstliche Gespann.
Auf "Nachts im grünen Kakadu" (nach Wilhelm Jacobys "Der doppelte Mensch") folgen Filme mit der gleichen Rezeptur: "Bühne frei für Marika". "Wir ritten die Erfolgsmasche zu Tode" (Rökk). "Die Nacht vor der Premiere" ist 1959 Jacobys letzte gemeinsame Arbeit mit seiner Frau. Zudem realisiert er in diesen Jahren Remakes ehemals erfolgreicher Komödienstoffe ("Familie Schimek", mit Theo Lingen; "Bomben auf Monte Carlo, mit Eddie Constantine).
Georg Jacoby, dessen Oeuvre in der Literatur kontrovers quantifiziert wird ("210 Spielfilme", "über 225", "rund 230"), stirbt am 21. Februar 1964 in München. Er wird im Familiengrab auf dem wiesbadener Nordfriedhof beigesetzt.
CineGraph Lexikon zum deutschsprachigen Film © 1984ff edition text+kritik im RICHARD BOORBERG VERLAG, München.
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(
Georg Gustav Franz Jacoby )
*21.07.1882
Mainz
; †21.02.1964
München
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