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Quelle: DIF
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Klaus Hoser, Tilo Prückner, Kornelia Boje (v.l.n.r.)
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In den 1960er Jahren haben Adelheid und Wilhelm Busch eine kleine Zeitung von ihrem Vater geerbt, die "Werra-Post". Früher versorgte das Blatt die gesamte Werratal-Region mit regionalen Neuigkeiten. Aber seit in der Gegend die deutsch-deutsche Grenze verläuft, ist das einst blühende Städtchen Friedheim zu einem wahren Provinznest abgestiegen. Die Folge: Die Auflage der "Werra-Post" sinkt seit Jahren ins Bodenlose. Um die Misere zu beenden, sorgt Willi in Eigenregie für eine Reihe zugkräftiger Nachrichten, indem er banale Alltags-Geschehnisse zu dramatischen Ereignissen stilisiert. Er ahnt natürlich nicht, welche Kreise seine "Reportagen" ziehen ...
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BR Deutschland
1979, Spielfilm
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Einzelkämpfer an der Grenze |
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Niklaus Schillings vierter Film "Der Willi-Busch-Report"
Peter Buchka, Süddeutsche Zeitung, München, 08.08.1980
"Fährst du auch 'nen Messerschmitt / die Zeit eilt doch im Sauseschritt." Der das selbstironisch vor sich hinbrummelt, während er wieder einmal aus seinem zerbeulten Kabinenroller krabbelt, mit dem er die stille Provinzialität an der deutsch-deutschen Grenze unsicher macht, heißt nicht ohne Grund Wilhelm Busch. Mit seinem berühmten Namensvetter hat der Mitherausgeber und "Chefreporter" der dahinsiechenden Werra-Post nicht nur die Fähigkeit gemein, epigrammatische Zweizeiler zu dichten, sondern vor allem das fast schon idiosynkratische Unbehagen über die selbstzufriedene Spießbürgerlichkeit in der deutschen Provinz. Rastlos und verbissen kämpft er gegen den verschlafenen Dämmerzustand, der sich ja auch existenzgefährdend auf sein Heimatblättchen auswirkt, weil man nicht drucken kann, was nicht passiert. In Friedheim eilt die Zeit eben doch nicht im Sauseschritt; sie steht eher still, seit dieses einstmals blühende Städtchen im Herzen Deutschlands durch die willkürlich gezogene Grenze schlagartig an den äußersten Rand des einen Teils gedrängt wurde.
"Wie wohl ist's dem, der dann und wann / sich etwas Schönes dichten kann." Obwohl Willi dichtet, wo er auch geht und steht, ist's ihm gar nicht wohl. So schreitet er, zögernd zunächst, aber dann immer ungehemmter, zur Tat. Willi greift an mit seinem "Sturzkampfbomber", wie die Nachbarn spotten. Er läßt sich sogar ein Ofenrohr, auf seine Rennsemmel montieren, daß sie wie die Karikatur eines Rennwagens aussieht. So kurvt er durch die Provinz und schafft sich selber die Ereignisse, über die er dann reißerisch berichtet. Er schneidet die Hörer in den Fernsprechzellen ab und wettert dann über den Telephonvandalen. Er entdeckt ein fünfjähriges Wunderkind, das einer Schafherde die Wiedervereinigung prophezeit, und schließlich prescht er mitten hinein in einen Spionagering, der mit Mord und Totschlag endgültig die "Großstadt" ins nun gar nicht mehr friedliche Friedheim bringt.
Dem gebürtigen Schweizer Niklaus Schilling ist mit dem "Willi-Busch-Report" eine sehr deutsche Komödie über die deutsche Tragödie gelungen – also etwas schillernd Ambivalentes.
Hinreißende Einzelheiten verbinden sich zu einer manchmal allzu ausgeklügelten, verwirrenden Geschichte. Eine treffende, aus der genauen Beschreibung resultierende Komik versickert stellenweise in der dramaturgischen Notwendigkeit, Willis Erlebnisse zur Kinogeschichte zu runden. Und der große Kinoatem, der aus den ersten Bildern weht, legt sich im Fortgang der Handlung zur Fernsehflaute, wenn Schilling die souverän ausgelegten Erzählstrange zum funktionierenden Knoten einer kompakten Story zusammenschnürt.
So richtige, also so schöne Bilder von dieser mitten durch Deutschland geschlagenen Grenznarbe hat es bisher noch nicht gegeben, auch nicht in Wenders' "Im Lauf der Zeit"; so genau und lustig ist die Friedhofsstille der deutschen Provinz noch nie gezeigt worden. In diesen Momenten, wenn Willi, die Ledermütze verwegen über den Kopf gestülpt, über die Landstraßen knattert oder wenn die stets keifende Schwester Adelheid (Dorothea Moritz) den Träumer Willi zur langweiligen Routinearbeit antreibt, gelingen Schilling und seinem Kameramann Wolfgang Dickmann, der das mobile Steadicam-System virtuos handhabt, überzeugende und einsichtige Bilder von evidenter Kinoqualität. Hier dringen Schillings Interesse und Liebe am Kino ohne Reibungsverluste durch er belegt und belegen erneut, daß er zweifellos einer der kreativsten Regisseure hierzulande ist. Im Motiv der Grenze – und zwar nicht nur der real sichtbaren – präsentiert sich Schillings Autorenschaft mühelos und gewinnend.
Aber sobald der Hintergrund nicht mehr ruhige Natur, sondern hektisches Menschengewirr ist, kommt Schillings sonst so flüssige Kinosprache ins Stocken. Mit Menschen kann dieser stiller Regisseur nur als Einzelwesen umgehen. Wenn sie in Massen auftreten, verliert er den Überblick, seine sonstige Sicherheit der genauen Perspektive. Auf einmal stimmt nichts mehr: kein Kamerawinkel, kein Anschluß und schon gar kein Gag. Als ob er die Unsicherheit selber gemerkt hätte, rettet sich Schilling im Schlußteil in die Überheblichkeit: Er mokiert sich über die Schalheit der Provinz, über die grauenhafte Gemütlichkeit ihrer biederen Vergnügungen.
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So etwas rächt sich natürlich. Schillings Film wird auf einmal selber bieder und verlogen. Der elegante Kinorhetoriker kommt plötzlich ins Stottern; er preßt seine Bilder nur noch mit Anstrengung heraus und verhaspelt sich dabei zusehends. Nur mit Mühe rettet er, der so mühelos begann, sich ans Ende seiner Geschichte, sichtlich froh, mit nur leichten Blessuren am Schluß noch einmal richtig auftrumpfen zu können mit einem Kabinettstückchen von Tilo Prückner, der den wackeren Willi offenbar mit großem Vergnügen gespielt hat. Aber diese Blessuren bleiben dennoch im Gedächtnis. Und so ist aus diesem Film, der eine wunderbare Komödie über Deutschland hätte werden können, eben doch am Ende eine etwas deutsche Komödie geworden, bei der das unwägbare, aber entscheidende Quentchen Leichtigkeit beim angestrengten Konstruieren verlorenging. Sehenswert ist er freilich noch immer, denn auch Macken charakterisieren.
Lizenziert durch DIZ München GmbH
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