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Quelle: Pandora, DIF, © corazon international / Achim Kröpsch
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Fatih Akin
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Fatih Akin – Regisseur, Schauspieler Fatih Akin, geboren am 25. August 1973 als Sohn türkischer Einwanderer in Hamburg-Altona. Sein Vater, Mustafa-Enver Akin, seit 1965 in Deutschland, ist Fabrikarbeiter, seine Mutter Hadiye, 1968 eingewandert, Grundschullehrerin. Der ältere Bruder Cem, der häufig Gastrollen in Akins Filmen übernimmt, arbeitet im türkischen Konsulat. Im Alter von 16 Jahren steht für Akin fest, dass er ins Filmgeschäft will. Es entstehen erste Videoproduktionen mit Freunden. Sein Engagement am Schultheater führt zu Auftritten in Inszenierungen am Thalia Theater Hamburg. Es folgen Rollen in TV-Serien wie "Doppelter Einsatz" und "Stadtklinik". Noch in der Schulzeit schreibt er das Drehbuch zu seinem ersten Spielfilm, "Kurz und schmerzlos", das der 19-jährige dem Produzenten Ralph Schwingel von der Wüste Filmproduktion vorlegt, der das Talent erkennt und mit ihm eine langjährige Zusammenarbeit beginnt. Mit 21 Jahren macht Akin sein Abitur und nimmt ein Studium für visuelle Kommunikation an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg auf, dass er 2000 abschließt. Zunächst dreht Akin zwei Kurzspielfilme: "Sensin - Du bist es!" (1995) ist die Geschichte des jungen Türken Kubilei (Akin), der sich in einer Kellerbar in St. Pauli auf die turbulente Suche nach seiner Traumfrau macht. In "Getürkt" (1996) verreist Musa (Akin) mit seiner Mutter ans Schwarze Meer. Was als Urlaub geplant war, entpuppt sich als Aneinanderreihung von Widrigkeiten. "In fast allen Belangen wird "Getürkt" zu einem auf 11 Minuten komprimierten, ironischen Gangster-Buddy-Film, der seine Vorbilder von Coppola bis Tarantino sehr deutlich ausstellt, ohne sich an sie zu verlieren." (Jan Distelmeyer, Tageszeitung, Hamburg, 6.8.1997).
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Sein Spielfilmdebüt gibt Fatih Akin 1997 mit "Kurz und schmerzlos": Drei Freunde aus Hamburg-Altona, Gabriel (Mehmet Kurtulus), Bobby (Aleksandar Jovanovic) und Costa (Adam Bousdoukos), verstricken sich im Milieu von St. Pauli. Nach Bobbys erfolglosem Versuch, Mitglied der albanischen Mafia zu werden, kommt es zum Konflikt, der sich in einem Gewaltexzess entlädt und die Gefährten für immer auseinanderreißt. Akin arbeitet mit Laiendarstellern, deren Charakterisierung durch die Kameraarbeit betont wird: eine nervöse Kameraführung kennzeichnet den aus Unsicherheit aufbrausenden Bobby, ruhige Einstellungen den stabilen, um Normalität bemühten Gabriel und schnelle Schnitte den haltlosen, emotional reagierenden Costa. Dieses Konzept wird jedoch nicht rigide durchgeführt. Je mehr sich der Konflikt zuspitzt, desto düsterer werden die Bilder, Seitengassen wirken eng und bedrohlich, menschenleere Straßen verbreiten eine Atmosphäre des Ausgeliefertseins. Als Inspirationsquellen dienen Akin seine Erlebnisse im Milieu und nicht zuletzt die Mafiafilme seines Vorbilds Martin Scorsese. Die Presse feiert das Debüt, und der Erfolg des Films festigt Akins Ruf als vielversprechendes Nachwuchstalent. Positiv wird aufgenommen, dass Akin als Regisseur ausländischer Herkunft kein moralisierendes Migrantendrama präsentiert und sich jeder politischen Instrumentalisierung seiner Filme verweigert. "Das stilsicher inszenierte, stimmungsvoll fotografierte Porträt einer auf Gedeih und Verderben aneinandergeschweißten Freundesclique, das geschickt die multikulturellen Atmosphären des Hamburger Stadtteils Altona mit in die Handlung einbezieht und von 'echt' aufspielenden Darstellern getragen wird." (Rolf-Ruediger Hamacher, film-dienst, Nr. 21, 1998).
Im Vergleich zu "Kurz und schmerzlos" beschreibt Akin "Im Juli" (2000), eine Liebesgeschichte mit Moritz Bleibtreu und Christiane Paul, als die helle Seite ein und der selben Medaille. Daniel, ein schüchterner, unbeholfener Referendar einer Hamburger Schule, verliebt sich in die Türkin Melek (Idil Üner), der er nach Istanbul nachreist. Im Laufe der Reise trifft Daniel immer wieder auf Juli, eine Schmuckverkäuferin aus Hamburg, die, unglücklich in ihn verliebt, die Stadt verlassen hat, um Abstand zu gewinnen. Ihre Odyssee durch Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und die Türkei inszeniert Akin als märchenhaftes Roadmovie, in dem sich romantische Annäherungen, furiose Verfolgungsjagden, erste Drogenerfahrungen und skurrile Begegnungen abwechseln. Akins Filme sind Schauspieler-Filme. Die Entwicklung der Charaktere steht im Mittelpunkt. "Ein Drehbuch ist nur ein Skelett, die Schauspieler sind Fleisch, Herz, Seele." (Akin, Blickpunkt Film, 9.8.1999). Er versteht sich als traditioneller Geschichtenerzähler, der sich vor allem auf seine Erfahrung und Intuition verlässt. Dabei sind Begriffe wie Heimat und Fremde, Integration und kulturelle Vielfalt zentral für sein filmisches Schaffen. In seinem dritten Kinofilm "Solino" (2002) zeichnet Akin das Porträt einer italienischen Gastarbeiterfamilie, das den Zeitraum von 1964-84 umfasst. Der Vater sucht den Erfolg im Wirtschaftswunderland, wo die Mutter nie heimisch wird und schwerkrank nach Italien zurückkehrt. Die beiden Söhne lehnen das Lebensmodell des Vaters ab, doch nur der sentimentale, verantwortungsvolle Gigi (Barnaby Metschurat) findet sein Glück als Betreiber eines Freilichtkinos im italienischen Heimatort Solino. Der kleinkriminelle Draufgänger Giancarlo (Moritz Bleibtreu) hingegen bleibt sein Leben lang heimatlos. "Solino" wird, trotz kritischer Rezensentenstimmen, in Deutschland zum Kinoerfolg. Akin erklärt die besondere Perspektive von Regisseuren türkischer Herkunft in einem Interview: "Unser Blick auf die deutsche Gesellschaft ist ein anderer. Und dadurch auch der auf das Kino. Wir haben noch einen zweiten Blick, den unserer Herkunftsländer. Darum sehen wir das Land durch ganz andere Augen. Wir sehen Sachen, die andere Leute nicht mehr wahrnehmen. Das macht unsere Filme anders." (epd Film, Nr. 11, 2002).
2004 erlebt Akin mit "Gegen die Wand" einen Sensationserfolg. Er erzählt die Geschichte zweier Außenseiter, die durch die Gesänge einer Roma-Band zusammengehalten wird. Cahit (Birol Ünel), 40, und Sibel (Sibel Kekilli), 22, gehen, um Sibels Zwangsheirat zu vermeiden, eine Scheinehe ein. Sibel genießt ihre neue sexuelle Freiheit, doch aus der anfänglichen Zweckgemeinschaft entwickelt sich eine Liebesgeschichte, die jäh unterbrochen wird, als Cahit einen verflossenen Liebhaber Sibels im Affekt ermordet. Er geht ins Gefängnis, sie nach Istanbul. Nach seiner Entlassung versucht er, die alte Liebe wieder aufzunehmen, doch Sibel hat ein neues Leben begonnen und Cahit begibt sich auf die Suche nach seiner persönlichen Geschichte in der Türkei. "Gegen die Wand", den Akin mit seiner 2003 gegründeten Firma Corazón International coproduziert, erhält eine Reihe nationaler und internationaler Auszeichnungen. Nach 18 Jahren ist Akin der erste deutsche Regisseur, der mit dem Goldenen Bären in Berlin ausgezeichnet wird, er erhält u.a. den Deutschen Filmpreis in Gold für die beste Regie und den europäischen Filmpreis "Felix". Gewissermaßen als Gegenpol zum überaus dramatischen "Gegen die Wand" inszeniert Akin als nächstes den Dokumentarfilm "Crossing the Bridge: The Sound of Istanbul". Der Film, ein atmosphärisches, liebevolles Porträt der vielfältigen Musikszene der türkischen Metropole, wird beim Flanders Film Festival im belgischen Ghent und beim Mexiko City Film Festival mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Mit dem Drama "Auf der anderen Seite" wendet Akin sich einmal mehr einer Geschichte "zwischen Orient und Okzident" zu, erzählt von Migration und Menschen "im Transit des Lebens". Der Film feiert im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes seine Weltpremiere, Fatih Akin wird von der Jury mit dem Preis für das "Beste Drehbuch" ausgezeichnet. Bei den "Oscars 2008" geht "Auf der anderen Seite" ins Rennen um den Preis für den "Besten nicht englischsprachigen Film". Im April 2008 wird Akin für seine Leistung mit zwei Deutschen Filmpreisen geehrt: für die "Beste Regie" und das "Beste Drehbuch". "Auf der anderen Seite " wird zudem für den "Besten Schnitt" (Andrew Bird) sowie als "Bester Film des Jahres" ausgezeichnet.
Auf nicht minder positive Resonanz stößt auch sein nachfolgender Film
als Regisseur, wenngleich es sich inhaltlich um deutlich "leichteren"
Stoff handelt: Die liebevolle Kiez-Komödie "Soul Kitchen" (ein
"schmutziger Heimatfilm", so Akin) mit Adam Bousdoukos in der
Hauptrolle wird beim Filmfestival Venedig vom Publikum gefeiert, von
der Kritik hoch gelobt und von der Jury mit einem Spezialpreis
ausgezeichnet. Fatih Akin, der auch als Drehbuchautor und Darsteller an Produktionen von Regiekollegen mitwirkt, lebt in Hamburg. CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film © 1984ff edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag, München
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Quelle: Pandora, DIF, © corazon international / Achim Kröpsch
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