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Quelle: DIF
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Szene aus "Rotwang muß weg!"
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Der Wirtschaftsboss Rotwang ist ermordet worden. In verschachtelten, lose verknüpften Rückblenden erzählt der Film die aberwitzige Vorgeschichte der Bluttat, wobei er durchaus auch skurrile Seitenpfade der Handlung verfolgt. Als Täter kommen viele in Frage, denn über eines waren sich alle einig: Rotwang muss weg! Sei es seine Frau Clarissa, der ehemalige RAF-Terrorist und jetzige Mode-Papst Arthur Eigenrauch oder der rustikale Imbissbuden-Besitzer Udo Ringeltaub – alle hatten sie einen privaten oder beruflichen Grund, Rotwang auszuschalten.
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Deutschland
1994, Spielfilm
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Was trägt man zum Attentat? |
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Im Kino: "Rotwang muß weg!" von Hans-Christoph Blumenberg
Hans-Dieter Seidel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 283, 06.12.1994
Einen Jux wollte er sich machen. Hans-Christoph Blumenberg hat in den gut zehn Jahren, seit er das Kritikerpodest gegen den Regiestuhl tauschte, mehr die Tiefen als die Höhen des Film- und Fernsehgeschäfts in Deutschland durchmessen. Jetzt, Armut macht dreist, wehrt er sich: "Wir nehmen die Krise des deutschen Kinos ernst, indem wir uns über sie lustig machen. Wir nehmen uns die Freiheit, unverschämt zu sein . . . Je vertrauter man wird mit den konventionellen Formen des Erzählens, desto frecher kann man sich über sie hinwegsetzen."
Seinen Minimal-Budget-Film "Rotwang muß weg!", der mit 390000 Mark laut Blumenberg so viel gekostet habe wie bei "Jurassic Park" die Frühstücksbrötchen, nennt der Regisseur und Autor "die etwas andere deutsche Komödie über Terrorismus, Mode, Dinosaurier und Imbißbuden". Der titelgebende Wirtschaftsführer und Politiker bleibt, nur als Stimme von Armin Mueller-Stahl präsent, unsichtbar und wird nach zwanzig Sekunden erschossen. Ein ganzer Reigen von Figuren trachtete ihm nach dem Leben: die seiner überdrüssige Gattin, die einen Privatdetektiv zum Mord zu dingen sucht; ein Modepapst, einst in Diensten des Terroristen Carlos, der sich aber nicht schlüssig werden kann, was der feine Herr zum Attentat trägt; ein Imbißbudenmann, ehemals Spitzenkraft beim Bundeskriminalamt; eine Ex-R.A.F.-Aktivistin; ein arbeitslos gewordener Stasimajor und Zelluloid-Spitzel, der seine ausgreifenden Aktivitäten nun auf Schmalfilm verlegen muß. Und was der Verwicklungen mehr sind.
Wer Rotwang getötet hat, ist diesem zwischen albern und geistreich wild schlingernden Spiel mit Klischees und Versatzstücken des Kinos und der bundesrepublikanischen Wirklichkeit aber überhaupt nicht wichtig. Entscheidend sind die ironischen Brechungen, wenn die Schauspieler aus ihren Rollen fallen und der Regisseur – "eine Kunstfigur zwischen Größenwahn und Verzweiflung", sagt Blumenberg – sich aus dem Off ins Geschehen einmischt. Der Aberwitz, wenn Blumenberg den Kameramann Klaus Peter Weber mehrfach rund um ein stehendes Auto hetzt und den Disput um die bei so einer atemraubenden Szene sich besser empfehlende Steadycam despotisch zu seinen Gunsten beendet oder wenn er mitten im Film eine Darstellerin austauscht, weil die andere sich weigerte, ihr T-Shirt zu lupfen – solcher Unfug hat eine Methode, die erstaunlich lange trägt.
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Wer sich auf Blumenbergs Blödelei willig einläßt, wird eine Zeitlang amüsant unterhalten, nicht zuletzt durch befreit aufspielende Akteure wie Udo Kier und Ulrich Tukur, Klaus Bueb und Horst Tomayer, Beate Finckh und Sybill Norvak, die nach den Dreharbeiten tödlich verunglückte und der Blumenberg seinen Film nun gewidmet hat. Anspielungen des Regisseurs auf die Geschichte des Kinos und die eigene Filmographie finden sich zuhauf, versetzt mit Cameo-Auftritten eines allwissenden Saarbrücker Tatort-Kommissars ("Ich kann Drehbücher lesen"), des amerikanischen Regisseurs Brian De Palma, des avantgardistischen japanischen Modedesigners Issey Miyake. Doch spätestens beim längsten Nachspann der deutschen Filmgeschichte wird auch der bestwillige Zuschauer sich eingestehen müssen, daß solcher Spott, der einer verfilmten Bierzeitung nicht unähnlich ist, keinesfalls ewig trägt, auch wenn die Ewigkeit bei "Rotwang muß weg!" nur zweiundachtzig Minuten währt. Am Ende haben allein noch die Beteiligten ihren Spaß, grenzenlos.
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