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Ernst Hugo Correll – Produzent
Ernst Hugo Correll wird am 9. Juni 1882 in Neubreisach im Elsaß geboren. Nach
dem Besuch des humanistischen Gymnasiums in Schlettstadt und Mannheim sowie der
Militärzeit, die er als Offizier mit Leutnantspatent abschließt, ist er
Hilfsarbeiter im Ministerium für Justiz und Kultus in Elsaß-Lothringen, wird
dann Amtsanwalt. 1907 heiratet er Lena Bürkmann. Während des Ersten Weltkriegs kämpft er an der Westfront,
zuletzt als Oberleutnant der Landwehr. Ausgezeichnet mit dem E.K. I und II,
wird er als Rittmeister entlassen.
Nach dem Krieg wendet er sich der Filmbanche zu. Er gründet 1919 mit dem
italienischen Sensationsdarsteller Luciano Albertini die Albertini-Film GmbH, die sich
vollständig in seinem Besitz befindet, und beteiligt sich an der Capitol-Film
GmbH. Hauptgesellschafter der Capitol ist Adam Bürkmann, der die Firma in die
Phoebus-Film AG einbringt. Correll ist zunächst in Gemeinschaft mit dem
Kaufmann Sally Isenberg Direktor der Phoebus und wird nach dessen Ausscheiden
im Juli 1926 alleiniger Vorstand. Unter seiner Leitung expandiert die – aus
einem Verleih hervorgegangene – Produktionsfirma und entwickelt sich zu einem
der führenden Unternehmen der Branche. Sie verfügt über eine eigene Kino-Kette,
zu der zahlreiche renommierte Großkinos in Berlin (u.a. Marmorhaus,
Europahaus), München (Phoebus-Palast), Dresden (Capitol), Dortmund (Alhambra)
und Köln (Schauburg, Modernes Theater) gehören. Die Firma ist außerdem an der
Film- und Bühnenschau GmbH beteiligt.
In öffentlichen Stellungnahmen und Beiträgen für die Fachpresse plädiert
Correll für eine Qualitätssteigerung der deutschen Produktion, die nur durch
eine drastische Reduzierung des Produktionsvolumens zu erreichen sei. Ihm
schwebt eine Selbstkontingentierung der einheimischen Filmindustrie vor; der
Vorschlag, "daß sämtliche Fabrikanten sich einigen über die Anzahl der in
einem Jahre herzustellenden Filme" (Film-Kurier, 6.8.1927), ist jedoch
nicht durchsetzbar. Dagegen wird seine im selben Artikel erhobene Forderung
nach einem Zusammenschluß der Produzenten Wirklichkeit; im neu gegründeten
Verband der Filmindustriellen e.V. fungiert Correll als 1. Vorsitzender.
Außerdem ist er Mitglied der Akademie für deutsches Recht (Spezialgebiet: Urheberrecht
und Film). Studienreisen führen ihn zwischen 1922 und 1927 wiederholt in die
USA, nach England, Frankreich, Italien und Skandinavien.
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Seit der Inflation kursieren (vielleicht bewußt lancierte) Gerüchte über eine mögliche Übernahme der Phoebus durch die Amerikaner. Verhandlungen über eine Fusion mit der Ufa scheitern. Die am Rande der Illiquidität operierende Firma wird, wie die Presse Anfang August 1927 aufdeckt, jahrelang mittels Krediten in Millionenhöhe von der Reichsregierung gestützt. Der Phoebus-Skandal beschäftigt den Reichstag, hat aber für Correll persönlich keine nachhaltigen Folgen. Im Februar 1928 holt Generaldirektor Ludwig Klitzsch Correll zur Ufa. In dieser Phase der Sanierung und Neustrukturierung des Konzerns – im Vorjahr hat die Hugenberg-Gruppe die Ufa übernommen – wird er Produktionsdirektor. Correll steht in der Branche in dem Ruf, "ein guter Haushalter" zu sein, der die sonst übliche Überschreitung des Herstellungsbudgets nicht duldet (Film-Kurier, 21.7.1927). Bei der Umstellung der deutschen Filmindustrie auf den Tonfilm ist die Ufa besonders erfolgreich, was nicht zuletzt auf Correll zurückgeht. Die Umwälzung der bisherigen Arbeitsmethoden und die damit verbundenen Konsequenzen für Dramaturgie und Ästhetik des Films sind Thema mehrerer Artikel von Correll, der jedoch in erster Linie als Praktiker gilt. Sein Einfluß in den brancheninternen Gremien und Interessenvertretungen ist unbestritten: "Herr Correll hat aber für die Industrie weit mehr getan, als die Öffentlichkeit weiß. (...) Die Einfuhrfragen, die Steuerprobleme sind im Gremium der Verantwortlichen von ihm stets entscheidend gelenkt und beeinflußt worden – stets im Interesse der deutschen Fabrikationsmöglichkeiten, aber auch in gerechter Zusammenarbeit mit dem Ausland." (Film-Kurier, 23.1.1928). Der SPIO, die ohnehin von der Ufa dominiert wird, gehört er als Vorstandsmitglied an. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme bleibt er in allen Ämtern, wird am 17.4.1934 vom Reichsjustizkommissar zum Mitglied der Akademie für deutsches Recht ernannt und hält 1937 und 1938 Referate auf den Jahrestagungen der Reichsfilmkammer. Minister Goebbels drängt jedoch auf eine Ablösung Corrells bei der Ufa. Im Februar 1939 muß er als Vorstandsmitglied und Leiter der Produktion ausscheiden. Der als Kompensation im März 1939 abgeschlossene Auftragsproduktions-Vertrag über sechs Filme wird wenige Monate später von der Ufa storniert. Ernst Hugo Correll stirbt am 3. September 1942 in Garmisch-Partenkirchen an Herzembolie. Die Witwe Lena Correll, seine Kinder – Margarete Correll, die unter dem Künstlernamen Merian als Opern- und Kammersängerin auftritt, und Rechtsanwalt Hans Correll – bemühen sich 1954 vergeblich darum, wegen Nichterfüllung des Vertrags Schadenersatz-Ansprüche bei der wieder auferstandenen Ufa geltend zu machen. CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film © 1984ff edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag, München.
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*09.06.1882
Neubreisach, Elsass (heute Neuf-Brisach, Frankreich)
; †03.09.1942
Garmisch-Partenkirchen
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