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Quelle: Senator, DIF, © Rolf von der Heydt
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"Marlene" (2000)
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Heino Ferch, geboren am 18. August 1963 in Bremerhaven, Sohn eines Marinekapitäns. Der Junge, der Meeresforscher werden will, begeistert sich mit 10 Jahren fürs Kunstturnen und entdeckt über den Leistungssport seine Liebe zur Schauspielerei. Eine akrobatische Rolle im Musical "Can Can" am Stadttheater Bremerhaven wird für den 15-jährigen Bundesliga-Turner zum Zündfunken, nun steht er regelmäßig auf der Bühne. Im Kino bewundert er Terence Hill, dessen "Coolness und Flapsigkeit" (KulturSpiegel, 1999) er nacheifert, noch mehr verehrt er den athletischen Burt Lancaster und den tanzenden Gene Kelly. Auf dem Gymnasium spielt Ferch den Klassenclown, nach zweimaligem Sitzenbleiben macht er 1984 Abitur. Er studiert Schauspiel an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst "Mozarteum" in Salzburg; die Stepptanz, Ballett und Gesang umfassende Ausbildung schließt er 1987 mit einer Magisterarbeit über "Chöre im klassischen Drama der Antike" ab. Noch während des Studiums hat er einen kleinen Auftritt in der TV-Serie "Der Alte".
Ferch ist 1987–90 Ensemblemitglied der Freien Volksbühne Berlin und entwickelt sich unter dem Indendanten Hans Neuenfels zum vielseitigen Charakterdarsteller. 1990-94 arbeitet er mit Alfred Kircher und Alexander Lang am Schillertheater in Berlin und als Gast bei den Salzburger Festspielen, an der Mailänder Scala und am Wiener Burgtheater, wo er 1996 die Hauptrolle in Brendan Behans "Die Geisel" spielt. Weil es ihm immer schwerer fällt, sich zu motivieren und immer wieder die selbe Rolle auf der Bühne zu spielen, wechselt er zu Film und Fernsehen.
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Seinen ersten Kinoauftritt hat Ferch 1987 als Funker in Peter Schamonis "Schloss Königswald". Er profiliert sich in Heiko Schiers Milieustudie "Wedding" als S-Bahnfahrer Klaus, der aus krankhafter Eifersucht seine Frau prügelt und dann, als sie die Scheidung will, ausrastet. Der Proletarierpart findet bei der Kritik keine Beachtung, nimmt aber mit den Aspekten Gewalt, innerer Druck und Amoklauf spätere Rollen vorweg. Wieder unter Schiers Regie und eher zurückgenommen stellt Ferch in der Künstlerfarce "Wer hat Angst vor rotgelbblau?" einen talentierten Maler aus der Ex-DDR dar, der erfolglos die Freundin seines WG-Genossen (Max Tidof) umwirbt, sowie einen aalglatten Vertreter für Luxushundefutter in der Didi-Hallervorden-Klamotte "Alles Lüge".
Größere Bedeutung für seine Karriere gewinnt das Fernsehen, für das er mit den Regisseuren Uwe Janson, Nico Hofmann und Roland Suso Richter wiederholt dreht. Ein stummer Dorfdepp, der Zeuge eines Verbrechens wird, in der TV-Serie "Die Männer vom K3" (Folge: "Schützenfest") ist 1988 seine erste größere Rolle, die er im TV-Remake des Kinokrimis "Es geschah am hellichten Tag" als unschuldiger Hausierer Bock variieren wird. Er erweitert sein Repertoire um einen couragierten Arbeiter, der Störfälle im Chemiewerk aufdeckt ("Gefährliche Verbindung"), einen saufenden und randalierenden Skinhead-Anführer, der im Zorn seine Freundin umbringt ("Samstags, wenn Krieg ist") und den ehrgeizigen Trainer einer Läuferin (Christiane Paul) in "Nur der Sieg zählt".
Auf der Leinwand verhilft ihm Volker Schlöndorff
durch seine kunstgewerbliche Tournier-Verfilmung "Der Unhold" zum
Karriereschub. Die Rolle des Obersturmbannführers Raufeisen, eines
ehrgeizigen jungen Nazis mit erziehungsdikatorischen Vorstellungen,
empfiehlt Ferch für den Part des Gestapochefs Klaus Barbie in Claude
Berris Résistancedrama "Lucie Aubrac"; den Schlächter von Lyon gibt er
"unspektakulär und genau" (Blickpunkt: Film, Nr. 10, 1997). Zum Shooting Star des deutschen Films avanciert Ferch durch Tom Tykwers Melothriller "Winterschläfer". Der Skilehrer Marco, ist "jemand, der nur um sich kreist und es nie schafft, seiner Freundin ›Ich liebe dich‹ zu sagen. Er drückt seine Gefühle nie direkt aus, sondern über Aggressionen oder Eifersucht" (Ferch in Der Spiegel, Nr. 12, 1998). Ferchs Interpretation des eitlen, kraftstrotzenden und auch empfindsamen Machos Marco lässt tragische Vereinzelung und Orientierungsverlust erahnen, erreicht durch sportlichen Einsatz und körperbetontes Spiel präzise physische Präsenz. Wegen seiner Ähnlichkeit mit dem US-Actionstar Bruce Willis erhält er am Set den Spitznamen "Bruce".
In Wolfgang Beckers berliner Tragikomödie "Das Leben ist eine Baustelle" hat Ferch einen Kurz-Auftritt als genervter Filialleiter, in Tom Tykwers "Lola rennt" überzeugt er mit glattrasiertem Schädel und Ohrclip als schweigsamer und brutaler Gangsterboss Ronnie. Nebenrolle ist auch der coole Frauenliebling und Rockstar Vince Travelli in Sherry Hormans Weiberkomödie "Widows – Erst die Ehe, dann das Vergnügen", bedeutender der Part des stocksteifen, von der Ehefrau betrogenen Staranwalts Nick in Vivian Naefes "2 Männer, 2 Frauen – 4 Probleme", mit dem Ferch das Rollenfach des Liebhabers und schnöseligen Yuppies erobert und seine Tauglichkeit für die deutsche Beziehungskomödie beweist.
Nur Nebenfigur ist Ferch unter der Regie von Joseph Vilsmaier im Ensemble der "Comedian Harmonists", erhält aber für die formvollendete Performance des Sängers und gläubigen Juden Roman Cykowski den Bayerischen Filmpreis. Vilsmaier besetzt ihn erneut in seiner Bio-Seifenoper "Marlene" als "den treulich wartenden, in Lyrik beschlagenen Offizier und Gentleman Carl" (Der Spiegel, Nr. 10, 2000), einen heimlichen und fiktiven Liebhaber, der dank der Diva zum Widerstand findet.
Für seine handfeste Darstellung des ehemaligen DDR-Schwimmstars Harry Melchior, der sich im TV-Film "Der Tunnel" einen Weg in den Freiheit gräbt, erhält Ferch den Bayerischen Fernsehpreis. Obwohl gern als harter, zupackender Kerl besetzt, zieht er auch sensible Register als eigenbrödlerischer, gemobbter Computerexperte ("Wer Kollegen hat, braucht keine Feinde") und "eindringlich, doch ohne Pathos" (Berliner Zeitung, 25.1.2001) gespielter Vater eines leukämiekranken Jungen ("Die grüne Wüste"). Diese Darbietungen stehen im Kontrast zum rambohaften Exfremdenlegionär "Straight Shooter", neurotischen Spanner "Nachts im Park" und gespaltenen, muttergeschädigten Frauenmörder im TV-Thriller "Der Schutzengel".
Auch international hat sich Ferch etabliert, er spielt im isländischen 1950er-Jahre-Drama "Mávahlátur" einen Schlittschuh laufenden Bauingenieur und begehrtes Liebesobjekt einer jungen Witwe, im Action-Thriller "Extreme Ops" des Kanadiers Christian Duguay den draufgängerischen Kameramann eines Werbefilms über Extremsportarten, gibt im TV-Historienschinken "Julius Cäsar" den keltischen Häuptling Vercingetorix ebenso überzeugend wie den steifleinernen Marquis de Caulaincourt in "Napoleon".
Ferch ist vielseitig einsetzbar, er interpretiert dumpfe Kleinbürger ("Wedding"; "Straight Shooter"), Polizisten ("Todfeinde – Die Falsche Entscheidung"), Nazis ("Der Unhold"; "Lucie Aubrac"), Herzensbrecher ("Winterschläfer"; "Widows"; "Küss mich!") und selbstbewusste Yuppies ("Single sucht Nachwuchs"; "Der Anwalt und sein Gast"), vor allem verkörpert er glaubhaft, was er "authentische Männlichkeit" (Der Spiegel, Nr. 12, 1998) nennt. Physische Präsenz und minimale Mimik kennzeichnen sein Spiel vor der Kamera: "Im Film gewinnt der Schauspieler durch Reduzierung, nicht durch, naja: ständige Orientierung in der Darstellung der Seelenlage." (Süddeutsche Zeitung, 8.3.2003). Die Mischung aus Ruppigkeit und Intelligenz, verbunden mit gutem Aussehen und athletischer Figur, haben ihn zum begehrten TV- und Filmschauspieler gemacht.
Für den ehemaligen Kunstturner, der auch Boxen, Eishockey, Volley- und Basketball sowie Polo beherrscht, ist die disziplinierte Vorbereitung auf Text und Rolle selbstverständlich. Der "Mr. Body" des deutschen Kinos gibt außerdem einen attraktiven Werbeträger für "Boss"-Textilien und "Jaguar"-Automobile ab.
Von seiner langjährigen Lebenspartnerin, der Schauspielern Suzanne von Borsody, hat sich Ferch 2000 getrennt. Aus einer Beziehung mit der Ärztin Julia von Pufendorf stammt die Tochter Louise (geb. 2000). Heino Ferch lebt in Berlin.
In Christian Duguays "Extreme Ops" (2002) versucht er sich als Actiondarsteller, wobei der Film allerdings weder bei der Kritik, noch beim Publikum einen nennenswerten Eindruck hinterlässt. Überzeugender sind Ferchs Auftritte in dem TV-Drama "Das Wunder von Lengede" (2003) und, als Albert Speer, in "Der Untergang" (2004). Nach einer Nebenrolle als Götterbote "Hermes" in Helmut Dietls fantastischer Romantikkomödie "Vom Suchen und Finden der Liebe" (2005) spielt Ferch in erster Linie in ambitionierten TV-Produktionen wie Markus Imbodens "Auf ewig und einen Tag" (2006) oder Roland Suso Richters "Das Wunder von Berlin" (2008).
2008 ist er auf der Kinoleinwand in einer kleineren Rolle in Uli Edels "Baader Meinhof Komplex" zu sehen. Ein Jahr später spielt er eine Hauptrolle als Mönch Volmar in Margarethe von Trottas hoch gelobter Filmbiografie "Vision – Aus dem Leben der Hildgard von Bingen" (2009). 2010 kann man Ferch dann in gleich drei Kinofilmen sehen: in dem Krimi "Jerry Cotton" spielt er den Ganoven Klaus Schmit, in der Filmbiografie "Max Schmeling" von Trash-Maestro Uwe Boll gibt er den Max Machon, und in der Kinderbuch-Adaption "Hanni & Nanni" verkörpert er den Herrn Sullivan.
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*18.08.1963
Bremerhaven
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