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Filme der NS-Zeit sind im Kontext der staatlich beeinflussten Produktion und Rezeption zu sehen. mehr... |
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Hendrik und Willy sind Besitzer und gleichzeitig Mannschaft eines Schleppkahns. Sie fahren auf der Havel, haben hier und da eine Freundin und träumen von "'was Festem". Eines Abends beobachten sie ein Mädchen, das sich offenbar von einer Brücke ins Wasser stürzen will. Beide eilen zu Hilfe und müssen zu ihrer "Enttäuschung" feststellen, dass Anna nur einen Zehnmarkschein in den Fluss geworfen hat, um eine unangenehme Erinnerung loszuwerden. Aber immerhin lässt sich Anna überreden, als Passagier mit nach Berlin zu fahren, und beide Freunde verlieben sich alsbald in sie. Als Anna, durch eine ungeschickte Bemerkung Willys gekränkt, das Schiff verlässt, schließen die beiden Männer ein Abkommen: Wer Anna gewinnt, muss auf seinen Anteil am Kahn verzichten. Siegesgewiss geht Willy an Land und kümmert sich rührend um Anna. Doch bald spürt er, dass sie in Hendrik verliebt ist. Er ist ehrlich genug, Hendrik das zu sagen. Und letzten Endes mag er Hendrik auch viel zu gern, um auf der Erfüllung des Abkommens zu bestehen. So werden Anna, Hendrik und Willy künftig gemeinsam auf dem Kahn fahren.
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Deutschland
1944/1945, Spielfilm
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Käutners "Unter den Brücken"
Peter Buchka, Süddeutsche Zeitung, München, 08.06.1995
Nichts und niemandem ist in diesem Film zu trauen. Alles ist anders, als jeder gerade denkt. Und wenn einer gar etwas ausspricht im Brustton der Überzeugung, dann kann man sicher sein, daß er sich in die Tasche lügt.
Es geht gar nicht so beschaulich zu auf dem Flußkahn von Hendrik und Willi. Mit ihrer Unabhängigkeit ist es nämlich so weit nicht her. Immer quälender stößt ihnen auf, daß sie im Schlepp hängen und gleich wieder weiter müssen, wenn sie mal ein Mädchen getroffen haben. Es fehlt eine Frau an Bord, das wird immer offensichtlicher; die aufgehängten Unterhosen signalisieren schon die Kapitulation. Auch Hendriks Lieder auf dem Schifferklavier werden immer eindeutiger.
Trübt die Entsagung den Blick? Es scheint so; jedenfalls gibt sie Raum für Wunschdenken. Als die zwei nachts auf einer Brücke ein einsames Mädchen stehen sehen, denken sie sofort an Selbstmord. Also "retten" sie Anna, die nur angewidert einen Zehn-Mark-Schein ins Wasser geworfen hat, den sie sich beim Modellstehen verdiente. Was das überhaupt sei, Modell stehen? "Erst zieht sie sich aus, dann läßt sie sich malen; dann hängt sie im Museum." Moral kommt auf, daran merkt man, daß die beiden verliebt sind. Also häufen sich die Mißverständnisse, wie bei der Gans, die Pfötchen geben konnte und nun im Kochtopf liegt.
Eine wunderbar unbeschwerte Dreiecksgeschichte hat Helmut Käutner in "Unter den Brücken" erzählt, fast ein Märchen, denn die Stimmung schwankt gelöst zwischen Abgeklärtheit und sanfter Bösartigkeit. Weich liegt der Sommer über dem Fluß und lauernd klingt Carl Raddatz' Stimme. Aber wie gesagt: man darf nichts und niemandem trauen. Gedreht wurde der Film nämlich 1944, und überm Fluß lag der grauenhafte Klang von Fliegeralarm, und viele Brücken waren schon kaputt. In jenen Tagen war das Leben alles andere als ein langer ruhiger Fluß.
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Trotzdem ist die falsche Idylle, die Käutner hier entwirft, nicht nur eine verlogene Gegenwelt, wie sie das deutsche Kino schon im 1. Weltkrieg als Eskapismus praktizierte. Gerade weil Käutner das Vertrauen in den ersten Augenschein nahezu systematisch untergräbt, ist seine Idylle auch ein stiller Widerstand gegen ein großmäuliges Deutschland, das gerade dröhnend untergeht. Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte den Artikel in einer Serie mit dem Titel "100 Jahre Kino – 100 Jahre deutscher Film" Lizensiert durch DIZ München GmbH
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