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Harry Liedtke
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Harry Liedtke – Schauspieler Harry Liedtke, geboren am 12. Oktober 1882 in Königsberg (heute: Kaliningrad, UdSSR), siebtes von elf Kindern eines mit Flachs und Hanf handelnden Import- und Exportkaufmanns. Nach dem Tod des Vaters 1896 lebt er in einem Waisenhaus. Er besucht in Königsberg das Altstädtische Gymnasium bis zur Primareife, beginnt eine kaufmännische Lehre in einem Bank- und Getreidekommissionsgeschäft, arbeitet dann in einer Kolonialwarenhandlung.
Bei einem Besuch in Berlin schließt er Bekanntschaft mit Hans Oberländer, dem Intendanten des Königlichen Schauspielhauses. Nach kurzem Schauspielunterricht tritt er sein erstes Engagement am Stadttheater Freiberg (Sachsen) an, arbeitet anschließend am Elysium-Theater Bromberg, den Stadttheatern Görlitz, Bad Rothenfelde, Göttingen und Magdeburg (wo er unter falschem Namen spielt).
Er wird ans Kleine Theater nach Berlin verpflichtet; als er dort kaum Rollen erhält, geht er 1908 für ein Jahr ans New German Theatre in New York. Nach seiner Rückkehr erhält er einen 5-Jahresvertrag am Deutschen Theater, debütiert am 4.5.1909 an den Kammerspielen in Ernst von Wolzogens Komödie "Der unverstandene Mann" (R: Felix Hollaender). Er spielt klassisches und modernes Repertoire, u.a. unter Max Reinhardts Regie Marcellus in "Hamlet" (1909), Melchior Gabor in "Frühlings Erwachen" (1910), Alwa Schön in "Der Erdgeist" (1913). 1913/14 ist er am Hof- und Nationaltheater in Mannheim engagiert, dann am berliner Residenz-Theater. Nach einjähriger Militärzeit in Potsdam kehrt er ans Deutsche Theater zurück, dem er bis 1916 angehört.
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Seit 1912 filmt Liedtke, verkörpert noble Elegants in Messter-Produktionen (Eva), ab 1915 in Filmen vor allem von Rudolf del Zopp. 1916 spielt er in Stuart Webbs- und Joe Deebs-Detektivabenteuern von Ernst Reicher ("Der Amateur") und Joe May ("Wie ich Detektiv wurde"), 1917 unter der Regie von Paul Leni ("Prima vera"; Sir Archibald in "Das Rätsel von Bangalor"; Prinz in "Dornröschen").
Er wird einer der bevorzugten Darsteller Ernst Lubitschs, markiert den jugendlichen Charmeur sowohl in den Burlesken den Hallodri Reitzenstein in der "Fledermaus"-Verfilmung "Das fidele Gefängnis"; den verlotterten Prinz Nucki in "Die Austernprinzessin" als auch in den historischen Epen: Armand de Foix in "Madame Dubarry", Ramphis in "Das Weib des Pharao" – "trotz der geringen Bekleidung eine bezaubernde Berlin W-Type; nicht nur mit dem Mund, sondern auch mit den Augen so reizvoll lächelnd, daß er vergeblich in den Nil springt, man weiß doch, es ist Spree oder Havel." (K. Pinthus, Das Tage-Buch, 18.3.1922).
Als "Der Mann ohne Namen" jagt er in der ersten, sechsteiligen Verfilmung des Bestsellers "Peter Voß, der Millionendieb" von Ewald Gerhard Seeliger um den Globus; er versprüht einen Bonvivant-Charme, der zum Markenzeichen wird. Voll Übermut und Optimismus, verkörpert Liedtke, einer der ersten männlichen Stars des deutschen Films, vitales Draufgängertum, siegreiche Chuzpe. Ob als verarmter Adeliger ("Die Finanzen des Großherzogs") oder als Vertreter bürgerlicher Häuslichkeit ("Madame wünscht keine Kinder"), im Frack oder in Uniform, in Militärkomödien von Richard Eichberg ("Liebe und Trompetenblasen") oder Friedrich Zelniks Film-Operetten ("Die Försterchristel"; "An der schönen blauen Donau"): Liedtke ist ein 'Herrenspieler', ein stets agiler Kavalier.
"Er hat einen Ausdruck von schalkhafter Kraft, von Männlichkeit ohne Brutalität und Wichtigtuerei, ein lächelndes und schelmisches Pathos, das das Herz erfrischt." "Sonst wirkt es auf uns Männer nie ganz überzeugend, wenn Frauen sich in einen anderen verlieben. Aber bei Harry Liedtke... das ist klar." (B. Balázs, Der Tag, 30.10.1923 und 16.3.1923).
Mit dem Tonfilm sinkt sein Stern; denn "Harry Liedtkes Stimme trübt das Rosenrot seines Lächelns." (S. Kracauer, Frankfurter Zeitung, 13.4.1931). Noch einmal darf er als enttäuschter, misogyner Frauenheld in "Nie wieder Liebe" die Weltmeere durchpflügen und sich von einer Nixe (Lilian Harvey) in Ketten legen lassen. Der soignierte Baron, den sich "Der Page vom Dalmasse-Hotel" (Dolly Haas) mit weiblicher List angelt, leitet seinen Wechsel ins Fach der graumelierten Herrn und Väter ein.
Doch erst 1941, mit dem heiteren und abgeklärten Patriarchen in "Sophienlund", der wegen eines verheimlichten Fehltritts die Katastrophe seiner familiären Idylle gegenwärtigen muß, kann er als Partner Käte Haacks und deren Tochter Hannelore Schroth unter der Regie Heinz Rühmanns seine Wandlung auch in einer Hauptrolle unter Beweis stellen.
Liedtke ist in erster Ehe verheiratet mit Hanne Schutt, 1920-26 mit der Schauspielerin Käthe Dorsch. Gemeinsam mit seiner dritten Ehefrau, der Reinhardt-Schauspielerin Christa Tordy (= Dr. phil. Annelise Uhlhorn), wird Harry Liedtke am 28. April 1945 von Angehörigen der Roten Armee bei der Besetzung seines Wohnorts Bad Saarow-Pieskow umgebracht.
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film © 1984ff edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag, München.
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*12.10.1882
Königsberg (heute Kaliningrad, Russland)
; †28.04.1945
Bad Saarow-Pieskow
Darsteller, Mitwirkung
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