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Quelle: DIF
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Robby Müller (1991)
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Robby Müller – Kameramann Robert Müller, geboren am 4. April 1940 in Willemstad, Curacao (Niederländische Antillen), sein Vater arbeitet für eine Ölfirma und bereist mit seiner Familie die ganze Welt. "Ich habe schon sehr früh die Zweitkamera meines Vaters, der sein Leben lang Filmamateur war, bekommen. Also eigentlich war mein Leben schon bei der Geburt aufs Filmen eingestellt. Außerdem habe ich später mit Super8 gearbeitet. Man kann da sehr gut lernen, was ein bewegtes Bild ist. Man kann eigentlich alles Fundamentelle lernen." (Müller zu Wiedemann, 1978).
1953 kommt Müller nach Amsterdam, besucht das Gymnasium, absolviert seinen Militärdienst. 1962-64 Studium an der Nederlandse Filmacademie in Amsterdam, wo er mit Studienkollegen – darunter Pim de la Parra, Nikolai van der Heyde und Frans Weisz – erste Kurzfilme dreht. Anschließend arbeitet er mehrere Jahre als Assistent von Gerard Vandenberg, der in der Bundesrepublik einer der wichtigsten Kameramänner des Jungen deutschen Films ist und unter anderem Filme von Peter Zadek und Peter Lilienthal fotografiert. 1968 lernt Müller bei den Dreharbeiten zu "Lebe und so weiter" Hans W. Geissendörfer kennen, der als Assistent des Regisseurs George Moorse arbeitet und Müller als Kameramann für seinen ersten eigenen Fernsehfilm, "Der Fall Lena Christ", engagiert. Gemeinsam drehen sie in den 1970er Jahren neun Filme, meist für das Fernsehen; bei der Großproduktion "Der Zauberberg" (1981) wird Müller nach wenigen Tagen gegen den Widerstand des Regisseurs vom Produzenten abgelöst.
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Als Aufnahmeleiter bei "Der Fall Lena Christ" fungiert 1968 der Filmstudent Wim Wenders, dessen Hochschulfilme "Alabama" und "Summer in the City" Müller fotografiert. Damit begründen sie eine langanhaltende Freundschaft und filmische Partnerschaft. Müller nimmt starken Anteil an der Herausbildung des Wenders-Stils, was sowohl die optische Wirkung, wie auch die Arbeitsweise betrifft: Sorgfältige Auswahl der Original-Schauplätze, vorwiegend natürliche Lichtgebung und chronologisches Drehen. "Everything starts with the finding of the location. We find the locations that fit the story and fit the man or woman who has to move around that place, so a lot is already given. The same with the light, actually, because you choose a location, whether you're conscious of it or not, because you have a certain light there." (Müller zu Scharres, 1985).
Müller strebt – wenn Stoff und Regisseur nichts anderes verlangen – einen realistischen Kamerastil an. Das Licht setzt er als Verstärkung vorhandener Lichtquellen. "Wie das Licht, so die Art der Objektive, die Kadrierung der Bilder, die Bewegung der Kamera. Feste Brennweiten, die dem Sehwinkel des menschlichen Auges entsprechen, weder Zoom- noch Teleobjektiv, allenfalls ein sehr, sehr leichtes Weitwinkel. Keine zu schönen, aufdringlichen Bilder, keine der Realität widersprechende, unlogische Bewegung. Nichts tun, was das Erzählen hindern oder es übertreiben könnte. Alles, um die Menschen, ihre Stimmungen und Gefühle zu unterstützen." (Würker, 1989). Das klaustrophobische Klassenzimmer in Peter Steins Schüler-Psychodram "Klassen-Feind" beleuchtet er "wie im Aquarium" nur mit Neonleuchten.
Ein Höhepunkt seiner Arbeit mit Wenders ist die Highsmith-Adaption "Der amerikanische Freund", die vor allem in Hamburg und Paris entsteht: "Wim hat Vorstellungen gehabt, ich habe meine gehabt – wir haben ein bestimmtes Filmmaterial gewählt, dessen Eigenschaften wir akzeptieren mußten – auf dem Set haben wir versucht, unsere Bilderideen zusammenzubringen und zu realisieren. Alle Faktoren, wie Drehort, Jahreszeit und Tageszeit, Schauspieler, wie sie sind und wie sie wirken, bestimmen die Möglichkeiten der Bilder. Also muß man reaktionsfähig sein, Korrekturen vornehmen, neu kombinieren, auf Situationen eingehen. Trotzdem: wie es auf der Leinwand wirkt, kann man nie sicher wissen. Deshalb sind die ersten Muster so wichtig: sie zeigen, ob das, was man sich vorgestellt hat, auch gelungen ist. Erst wenn man die ersten Muster kennt, kann man den Weg präzise ausmachen und weitergehen." (Müller, Presseheft zu "Der amerikanische Freund").
Die gemeinsame Arbeit mit Wenders wird zunächst unterbrochen, als dieser in Amerika "Hammett" dreht, und Müller aus gewerkschaftlichen Gründen keine Arbeitsgenehmigung erhält. Er fotografiert u.a. Peter Handkes "Die linkshändige Frau", Geissendörfers Highsmith-Film "Die gläserne Zelle" und Paul de Lussanets "Mysteries", ehe ihn Peter Bogdanovich für sein Asien-Abenteuer "Saint Jack" engagiert (in dem Müller auch einen Auftritt hat).
"That was also a very exotic background – Singapore, Asia, extreme colors, extreme heat, rain, the extreme clothing of the people in the street. Of course, in that situation you are very proud when you manage to light things well. Peter taught me about throw-aways: 'OK Robby, very nice – throw it away'" (Müller zu Scharres, 1985).
Seither wird Müller wiederholt in amerikanischen Produktionen beschäftigt: bei Bogdanovichs "They All Laughed", Jerry Schatzbergs Roadmovie "Honey-Suckle Rose" mit dem Country & Western-Star Willie Nelson, Alex Cox' "Repo Man", William Friedkins Großstadt-Thriller "To Live and Die in L. A.", Barbet Schroeders Säufer-Ballade "Bar Fly" und John Schlesingers "The Believers".
1983 kommt es wieder zur Zusammenarbeit mit Wenders. "Paris, Texas" entsteht an Schauplätzen im Südwesten der USA, mit deren oft unwirklichem Licht und malerischer Verführung Müller sich auseinandersetzen muß. "What I hate in images is when people find a nice location and they celebrate it too much. I think it's very bad for the story you're telling, because what are you filming, the story or the location? I hate seeing films where they make typical, picturesque shots so you can feel that they are proud they found the location and are going to show it whether you want it or not. That's where you should have control over the mechanisms at work." (Müller zu Scharres, 1985).
In Amerika findet Müller auch einen neuen Stamm-Regisseur: Jim Jarmusch. Mit seiner expressiven Schwarz-weiß-Fotografie verhilft Müller der Südstaaten-Ballade "Down By Law" zum Kultfilm-Status und kreiert die bunten Bilder des Rock'n Roll-Traums "Mystery Train". Weitere Kameraarbeiten für Jarmusch folgen: beim Neo-Western "Dead Man", "Ghost Dog: The Way of the Samurai" und bei der Kurzgeschichte "Twins" in "Coffee and Cigarettes" Für Jarmuschs Hauptdarsteller Roberto Benigni macht Müller die Kamera zu dessen Regie-Arbeit "Il piccolo diavolo".
Nach Andrzej Wajdas Ghetto-Film "Korczak" geht Müller 1990 mit Wenders auf Weltreise "Bis ans Ende der Welt", bevor er für Lars von Trier die Independent-Produktionen "Breaking the Waves" (1996) und "Dancer in the Dark" (2000) in Szene setzt. Müller bevorzugt die Arbeit direkt an der Kamera, ohne Tricks, spezielle Filter oder technischen Aufwand. "When you strip everything down, it really is a lens, film a camera and one knob – on and off." (Müller zu Scharres, 1985). Dabei verzichtet er auch auf einen großen Stab, arbeitet ohne den in Amerika üblichen "Camera operator". Aus Müllers "Schule" ist der Kameramann Martin Schäfer hervorgegangen, der 1971-77 als sein Assistent arbeitet und in den 1980er Jahren zu einem der bedeutendsten Kameramänner des deutschen Kinos (Rudolf Thome, Helke Sander, Vadim Glowna) wurde. CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film © 1984ff edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag, München.
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*04.04.1940
Willemstad, Curaçao, Niederländische Antillen
Darsteller, Mitwirkung, Kamera, Kamera-Assistenz, Ton
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