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Quelle: Deutscher Filmpreis 2006
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Wolfgang Kohlhaase
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Wolfgang Kohlhaase – Autor, Regisseur Wolfgang Kohlhaase wird am 13. März 1931 in Berlin als Sohn des Maschinenschlossers Karl Kohlhaase und seiner Frau Charlotte, geb. Lentzkow geboren. Er wächst auf in Berlin-Adlershof, besucht die Volks- und Mittelschule. Schon während der Schulzeit beginnt er zu schreiben, wird 1947 Volontär und Redakteur bei der Jugendzeitschrift Start, dann Mitarbeiter der FDJ-Zeitung Junge Welt. 1950-52 arbeitet er als Dramaturgie-Assistent bei der DEFA. Seit 1952 ist er freischaffender Drehbuchautor und Schriftsteller. Bei seinem zweiten Kinderfilm "Alarm im Zirkus" beginnt die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Gerhard Klein, mit dem er ab 1955/56 eine Reihe vom Neo-Realismus beeinflußter Filme über Jugendliche im geteilten Berlin dreht, die unter der Genre-Bezeichnung "Berlin-Filme" berühmt werden. "Es war unser beider Beginn, wir erzählten von der Stadt, in der wir zu Hause waren, in gewisser Weise von uns selbst, wir versuchten, offene Fragen ins öffentliche Bewußtsein zu heben, wir wollten richtiges Kino machen und doch politisch wirksame Filme, an alltäglicher, wenn man will historischer Konfrontation, war ja in Berlin kein Mangel." (Kohlhaase zu Richter, 1979). "Der Fall Gleiwitz" stellte in "hart-dokumentarischer" Weise eine historische Episode dar, mit der die Nationalsozialisten 1939 den Anlaß zum 2. Weltkrieg schufen. "Berlin um die Ecke", mit dem Klein und Kohlhaase die Thematik ihrer Berlin-Filme noch einmal aufnehmen, gerät 1965 in die Wirren nach dem 11. Plenum der SED, wird nicht fertiggestellt und kann erst 1987 – in einer Rohschnittfassung – im Rahmen einer Klein-Retrospektive aufgeführt werden. "Leichensache Zernik", der 1970 abgebrochen werden muß, als Gerhard Klein stirbt, entsteht 1972 unter der Regie seines langjährigen Assistenten Helmut Nitzschke.
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Konrad Wolfs "Ich war neunzehn" begründet 1967 die zweite Co-Operation mit einem Regisseur. Mit ihm realisiert Kohlhaase Stoffe über den antifaschistischen Kampf im 2. Weltkrieg ("Mama, ich lebe" nach einem Hörspiel von Kohlhaase), wie auch Gegenwartsthemen ("Der nackte Mann auf dem Sportplatz"). "Wir haben, glaube ich, professionell und zugleich mit Improvisation und Leichtigkeit gearbeitet, was nicht immer gelingt." (Kohlhaase zu Richter, 1979). Bei "Solo Sunny" zeichnet Kohlhaase zum erstenmal auch als Co-Regisseur. Bei dieser Geschichte einer jungen Sängerin auf der Suche nach einem eigenen Stil – auf der Bühne wie im Leben – knüpft er an die Tradition seiner Berlin-Filme an. Nach dem Tod Konrad Wolfs leitet Kohlhaase die Herstellung eines langen Dokumentarfilms über den Regisseur und Kulturpolitiker. Aus einer zentralen Episode von Hermann Kants autobiografischem Roman "Der Aufenthalt" entwickelt Kohlhaase ein Drehbuch, das der Regisseur Frank Beyer 1982 inszeniert. Der Film, als Beitrag der DDR für die Berlinale 1983 vorgesehen, wird nach polnischer Intervention zurückgezogen, beim 3. Nationalen Spielfilmfestival der DDR Karl-Marx-Stadt 1984 erhält er zahlreiche Preise, u.a. Kohlhaase für das Szenarium. Ebenfalls unter der Regie von Beyer entsteht 1988 "Der Bruch", nach einem authentischen Fall aus der frühen Nachkriegszeit, mit den populären westdeutschen Schauspielern Götz George und Otto Sander in Hauptrollen.
Seit Mitte der 1960er Jahre schreibt Kohlhaase Hörspiele: "Fisch zu viert" (zusammen mit Rita Zimmer, 1969; auch als Bühnenstück und im Fernsehen); "Fragen an ein Foto" (1970; als "Mama, ich lebe" verfilmt); "Die Grünstein-Variante" (1976; von Bernhard Wicki verfilmt). "Hörspiel hat mich zuerst gereizt, weil es mit so anderen literarischen Mitteln betrieben wird als Film. Es war für mich eine Möglichkeit, mit Sprache umzugehen, alle Bedeutung einer Geschichte muß ja im Dialog stehen." (Kohlhaase zu Richter, 1979). 1977 veröffentlicht er "Silvester mit Balzac", einen Band mit Erzählungen, die seit 1968 verstreut in Zeitschriften erschienen sind. In den 1990er Jahren beschäftigen sich Kohlhaases Drehbücher mit verschiedenen Epochen der deutschen Geschichte. "Inge, April und Mai", bei dem er auch mit Gabriele Denecke zusammen Regie führt, schildert die Erlebnisse eines Jungen in Berlin am Ende des Zweiten Weltkriegs. Ein heikles Thema der gesamtdeutschen Nachkriegsgeschichte greift Kohlhaase 2000 mit Volker Schlöndorff in "Die Stille nach dem Schuss" auf, der den Lebensweg einer in der DDR untergetauchten RAF-Terroristin bis zur Wende nachzeichnet.
Für das Fernsehen widmet er sich in Heiner Carows Komödie "Begräbnis einer Gräfin" der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit, mit Frank Beyer erzählt er 1997 in "Der Hauptmann von Köpenick" seine Version des bekanntesten Skandals im Deutschen Kaiserreich und 1999 zeichnet er als Autor und Co-Regisseur mit Ullrich Kasten für die TV-Dokumentation "Mein Leben ist so sündhaft lang. Viktor Klemperer – ein Chronist des Jahrhunderts" verantwortlich.
Für Andreas Dresen schreibt Kohlhaase das Drehbuch zum tragikomischen Berlinfilm "Sommer vorm Balkon" (2005) - ein enormer Erfolg bei Publikum und Kritik. Die Zusammenarbeit mit Dresen setzt er bei "Whisky mit Wodka" (2008) fort. Der sehr eloquente Kohlhaase wird gerne für DEFA-Retrospektiven in aller Welt als Gast eingeladen. Er gibt Kurse über Drehbuchschreiben an verschiedenen Hochschulen. Wolfgang Kohlhaase ist ab 1972 Mitglied der Akademie der Künste der DDR und wird 1991 in die Akademie der Künste Berlin-Brandenburg gewählt. Er ist verheiratet mit der Tänzerin und Choreografin Emöke Pöstényi und lebt in Berlin. CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film © 1984ff edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag, München.
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*13.03.1931
Berlin
Mitwirkung, Regie, Co-Regie, Regie-Assistenz, Drehbuch, Drehbuch-Mitarbeit, Szenarium, Vorlage, Interviews, Dramaturgie, Liedtexte
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