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Quelle: Buena Vista International Germany, DIF
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Sebastian Koch, Martina Gedeck
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Ost-Berlin, November 1984. Der Stasi-Hauptmann Wiesler erhält den Auftrag, den erfolgreichen Schriftsteller Georg Dreymann und dessen Lebensgefährtin, die bekannte Theaterschauspielerin Christa-Maria Sieland auszuspionieren. Doch was als kühl kalkulierter, karrierefördernder Spitzeldienst geplant war, stürzt Wiesler zusehends in einen schweren moralischen Konflikt: Durch die Beschäftigung mit dem Leben dieser "anderen" Menschen, mit Kunst und Literatur, lernt er Werte wie freies Reden und Denken kennen, die ihm bislang fremd waren. Aber trotz seiner plötzlichen Selbstzweifel sind die Mechanismen des Systems nicht mehr zu stoppen: Wieslers Existenz wird dabei ebenso zerstört wie die Beziehung zwischen Dreymann und Sieland. Als im Jahr 1989 die Mauer fällt, beginnt ein anderes Leben.
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Deutschland
2005/2006, Spielfilm
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Die DDR in "Das Leben der Anderen"
Thomas Brussig, Süddeutsche Zeitung, München, 21.03.2006
Kundera sagte mal: Der Kitsch ist die Umsteigestation zwischen dem Sein und dem Vergessen. Wendet man diesen Satz auf die DDR-Erinnerung an, müssten wir jetzt im Stadium des Vergessens sein; den Kitsch (die DDR- und Ostalgie-Shows des deutschen Fernsehens) hatten wir schon. Diese Woche kommt allerdings ein Film in die Kinos, der Kunderas Axiom aushebelt.
Dieser erstaunliche Film heißt "Das Leben der Anderen", und er ist das Debüt von Florian Henckel von Donnersmarck. Er erzählt die Geschichte eines Stasi-Hauptmanns, der einen politisch harmlosen Schriftsteller ans Messer liefern soll, auf besonderen Wunsch des Kulturministers, welcher eine (an Vergewaltigung grenzende) Affäre mit der Lebensgefährtin jenes Schriftstellers hat. An der Skrupellosigkeit des Stasi-Hauptmanns besteht kein Zweifel. Er organisiert einen Einbruch in die Wohnung des Schriftstellers, lässt sie verwanzen, um dann auf dem Dachboden des Hauses mitzuhören und mitzuschreiben. Doch allmählich entwickelt sich eine Art umgekehrtes "Stockholm-Syndrom": Der Stasi-Hauptmann verwickelt sich zunächst emotional in das Leben derer, denen er schaden wollte, unterschlägt dann brisante Informationen und wird schließlich zum anonymen Schutzengel.
Wie ein Mielke-Imitator
Dass Stasileute ihre Opfer beschützten, können wir getrost als Kinomärchen abtun. (Nicht zufällig interessiert sich Hollywood gerade für jene – wahre – Geschichte, wonach sich während monatelanger Verhöre eine Liebesbeziehung zwischen einem Stasi-Vernehmer und einer Beschuldigten entwickelte.) Vermutlich wird sich die Empörung über die Kinolüge, die Florian Henckel von Donnersmarck mit seinem Film in die Welt setzt, in Grenzen halten. Sofern sie überhaupt als solche auffällt. Denn sein Film ist in den Details so realistisch, dass man wie von selbst glaubt, er beruhe auf Tatsachen. Es gibt zum Beispiel ein Telefonat, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob da ein Mielke-Imitator am Werke ist, oder ob der Regisseur die Mielke-Mitschnitte so sorgfältig gesichtet hat, dass sich daraus dieser Anruf montieren ließ.
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"Das Leben der Anderen" strotzt vor großartigen Szenen. Drei Beispiele: Vorlesung an einer Stasi-Hochschule. Ein Dozent erläutert die Methoden der Stasi anhand des Tonbandmitschnitts einer realen Vernehmung, die mehr als 40 Stunden dauerte. Diese Vernehmungsmethode ist äußerst effektiv, verbietet aber jegliches Erbarmen mit dem Opfer. Den Studenten dämmert, dass sie bald selbst solche Vernehmungen zu führen haben. Einer von ihnen fragt mit einem mulmigen Gefühl, ob solche Vernehmungen denn mit dem Humanismus vereinbar seien. Dafür gibt es erst ein heimliches Häkchen hinter dem Namen und dann eine klassenmäßige Antwort. In einer späteren Szene ist ein Stasi-Unbedeutling so dämlich, in der Kantine einen politischen Witz zu erzählen, während ein Oberst am Nebentisch sitzt. Der fühlt sich herausgefordert und spielt nun im Stile einer Fingerübung auf der gesamten sadistischen Klaviatur des Drohens und Vergebens.
Mein Favorit ist aber der Auftritt des Stasi-Schriftexperten. Die Szene benutzt folgenden Hintergrund: Wer in der DDR eine Schreibmaschine kaufte, musste den Personalausweis vorlegen. Jede Schreibmaschine hatte eine Nummer, noch im Werk wurde von jeder einzelnen Schreibmaschine im Auftrag der Stasi eine Schriftprobe genommen, so individuell wie ein Fingerabdruck. Kursierte subversives Gedankengut und war getippt, konnte über Schriftprobenvergleiche und Gerätenummer der Besitzer der Schreibmaschine identifiziert werden. So weit, so absurd.
Nun kommt der Film an einen Punkt, wo tatsächlich der Urheber eines unbotmäßigen Pamphlets mittels Schreibmaschinen-Schriftprobenvergleichen ermittelt werden soll. So wird nach dem Schreibmaschinenexperten gerufen. Sein Auftritt ist ein wahres Kabinettstückchen: Er weiß alles über Schreibmaschinen, rattert sein Fachidiotentum runter, beantwortet jede Frage wie aus der Pistole geschossen – um am Ende doch nur zu sagen, dass die Schreibmaschine nicht in der DDR verkauft wurde. Der Abgang des Schriftexperten, als er seine klapprige Staffelei durch verwinkelte Türen bugsieren muss, war den Filmemachern eine Extra-Einstellung wert. Darf man über die Stasi lachen? Nee, aber manchmal muss man.
Die ganze Armseligkeit der DDR zeigt "Das Leben der Anderen" immer wieder in jeglichen Formen von Leere: ein fast leerer Hörsaal, eine fast leere Kantine, eine fast leere Kneipe, die fast leere Wohnung des Stasi-Hauptmannes – und wenn nachts nur ein einsames Fahrzeug auf der sechsspurigen Magistrale unterwegs ist, dann ist es nur folgerichtig, dass tagsüber keine Autos am Straßenrand parken... Nur in der Wohnung des Schriftstellers Georg Dreyman wohnt Opulenz.
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Dass diese formale Strenge nicht manieriert wirkt, liegt vermutlich an den Schauspielern. Sebastian Koch als Schriftsteller Georg Dreyman, Martina Gedeck als seine Lebensgefährtin; Thomas Thieme spielt den Kulturminister, als sei er Fleischereiminister, Ulrich Mühe gibt einen Stasi-Hauptmann, dem jeder Zuschauer in die Beurteilung schreiben würde, er gehe seinem Beruf "mit Umsicht und Initiative nach". Weil aber auch die Nebenrollen sehr gut funktionieren, wird sich Florian Henckel von Donnersmarck die Frage gefallen lassen müssen: "Woher wissen Sie das alles?" Sein Film ist so authentisch, dass man es gar nicht glauben mag, dass der Regisseur im Westen und in den Siebzigern geboren wurde. Ganz bestimmt hat er neben jeder Menge Neugier und Interesse auch die Fähigkeit, seinen Beratern gut zuzuhören.
Es hat schon Bayerische Filmpreise geregnet und wird hoffentlich noch Deutsche Filmpreise hageln. Und man wird doch mal träumen dürfen: Vielleicht bringt Florian Henckel von Donnersmarck ein Oscarchen für den besten ausländischen Film nach Deutschland...
Ein Hinweis in eigener Sache sei gestattet: Als Co-Autor des Filmes "Sonnenallee" werde ich in den nächsten Wochen des öfteren hören, dass man es so (wie in "Sonnenallee") "nicht machen kann", weil man es nämlich so (wie in "Das Leben der Anderen") "machen muss". Das ist natürlich Quatsch. Man muss es weder so noch so machen; man kann es sowohl so als auch anders machen. Nicht die DDR-Komödien haben das DDR-Bild verzerrt, sondern das schlichte Nichtvorhandensein solcher Filme wie "Das Leben der Anderen". Insofern bin ich über diesen Film schon deshalb froh, weil endlich dieses Manko behoben ist. Warum er nicht früher kam? Weil man einen solchen Film nicht einfach mal so macht. Doch ein guter Film kommt nie zur Unzeit.
Die jüngste deutsche Geschichte bietet reichlich Stoff, und das Unterhaltungskino sollte sich souverän daraus bedienen. Das tut "Das Leben der Anderen", und auch deshalb sollten wir froh sein, dass es diesen Film gibt. Kinounterhaltung ist eben nicht nur Gelächter und Schenkelklopfen, sondern auch Rührung, Tränen, Spannung. Letzteres bietet "Das Leben der Anderen", und ich hoffe, dass diese Qualität auch dann nicht untergeht, wenn sich ganz allmählich so ein "Stasiopfer-Film-gucken-ist-Bürgerpflicht"-Geruch breitzumachen droht. Nein, Florian Henckel von Donnersmarcks Film ist, in Kinogenres übersetzt, ein melodramatischer Thriller.
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Arbeitsbeschaffung für die Stasi
Lässt er noch Wünsche offen? Bei mir nur einen: Er lässt Spielraum für die verbreitete Auffassung, in der DDR hätten stolze, freie Menschen gelebt, die nur durch die Stasi und die Verbreitung nackter Angst niedergehalten wurden. Dabei waren die Katzbuckelei, das beflissene Mitmachen und der bürgerliche Gehorsam so verbreitet, dass sich die Stasi so manches Mal ihre Fälle im Stile einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gleichsam erfinden musste, um überhaupt noch etwas zu tun zu haben. (Sehr lesenswert: Joerg Waehners Tagebuch "Ein Strich, kein Strich", das jüngst bei KiWi erschienen ist.)
Aber wie soll man alles in einen Film packen können? Ein Film ist schließlich kein Roman, und vielleicht kommt die DDR jetzt noch mal verstärkt ins Kino. Das ist leichter und schwieriger zugleich: leichter, weil wir uns nun vorstellen können, einen realistischen DDR-Film auch mal freiwillig zu sehen, und schwieriger, weil mit "Das Leben der Anderen" Standards gesetzt sind, hinter die wir nicht mehr zurück wollen. Der Verfasser ist Drehbuchautor und Schriftsteller. Zuletzt ist sein Roman "Wie es leuchtet" bei Fischer erschienen. Lizensiert durch DIZ München GmbH
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2.369.375 (Stand: April 2009). Quelle: FFA |
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