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Karl Freund Karl Freund wird am 16. Januar 1890 im böhmischen Königsdorf an der Elbe (Dvur Králové nad Laben) geboren. Mit seinen Eltern, dem Glaser Julius Freund und seiner Frau Marie, geb. Hermann, zieht er 1901 nach Berlin. Nach dem Besuch der Schule beginnt er eine Lehre in einer Stempel-Fabrik und wird 1906 Vorführer bei der Spezial-Fabrik für Kinematographen und Films Alfred Duskes, 1907 bei der Internationalen Kinematographen- und Licht-Effekt-Gesellschaft.
Dort dreht Freund wahrscheinlich als Kameramann oder Assistent erste kurze Filme: "Das Lied von der Glocke" und einen der ersten kurzen Filme um den "Hauptmann von Köpenick" (beide genannt in Lufts auf Gesprächen mit Freund basierenden Porträts, sonst nicht nachweisbar).
1908 arbeitet er als Wochenschau-Kameramann bei Pathé Frères, ist technischer Mitarbeiter von Oskar Messter bei dessen Tonbildern.
1911 geht Freund nach Belgrad, um für die Gebrüder Savić ein Filmlaboratorium einzurichten, und dreht im nächsten Jahr dort seinen ersten Spielfilm, das Melodram "Jadra Majka" (Arme Mütter), vermutlich unter der Regie von Boža Savić. Der österreichische Playboy und Filmpionier Alexander ("Sascha") Graf Kolowrat-Krakowský engagiert ihn als einen der ersten Mitarbeiter seiner Sascha-Film-Fabrik, die er zunächst auf seinem Gut Groß-Meierhöfen, dann in Wien installiert. Freund fotografiert "Naturaufnahmen" und 1912 in Wien Filmpossen mit Max Pallenberg: "Pampulik als Affe", "Pampulik kriegt ein Kind" und "Pampulik hat Hunger", die jedoch mißglücken und nicht aufgeführt werden.
Freund kehrt 1913 nach Berlin zurück, wo ihn Paul Davidson als Kameramann für die Projektions-AG Union (PAGU) engagiert, für die er gemeinsam mit Axel Graatkjaer die Filme der "Asta Nielsen / Urban Gad-Serie 1913/14" dreht.
Zuvor hat er angeblich Friedrich Weinmann bei den zwei Filmen – "Eine Venezianische Nacht", "Die Insel der Seligen" – assistiert, die unter der Regie von Max Reinhardt in und bei Venedig entstehen.
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1915 leistet Freund drei Monate Kriegsdienst in der k.u.k. Armee, wird jedoch wegen Übergewichts entlassen. Er arbeitet für die "Messter-Woche" und dreht ab 1916 für die Messter-Film GmbH Spielfilme mit den Regisseuren Robert Wiene und Rudolf Biebrach, darunter der größte Teil der Henny Porten-Serie 1916/17.
1915-18 ist Freund in erster Ehe mit der Tochter des Musikantiquars Leo Lippmansohn verheiratet und wird Vater einer Tochter. 1919, bei den Dreharbeiten zu Richard Oswalds "Die Arche", lernt Freund die Schauspielerin Gertrude Hoffmann kennen, die am 31.5.1920 seine zweite Frau wird.
1919 macht sich Karl Freund selbständig, gründet sein eigenes Spezial-Laboratorium, das mit einer Tagesleistung von 15000 Metern alle film- und fototechnischen Arbeiten – von der Negativentwicklung über Musterkopien und Virage bis zur Herstellung von Massenkopien für den Verleih – durchführt sowie "erstklassige Operateure mit kompletten Apparaten für Tage und ganze Filme immer zur Disposition" anbietet. Im Rahmen seiner Karl Freund-Film GmbH versucht er sich im Frühjahr 1921 bei "Der tote Gast" erstmals auch als Regisseur.
Als Kameramann übernimmt Freund, unterstützt von seinem langjährigen Assistenten Robert Baberske,
vorwiegend Großproduktionen für verschiedene Produzenten, arbeitet u.a.
für die Decla-Bioscop, Gloria und die Oswald-Film, unter anderem mit
den Regisseuren Ernst Lubitsch, Richard Oswald, Fritz Lang, Ludwig Berger, Paul Wegener, Paul Czinner, E. A. Dupont, Carl Theodor Dreyer – in dessen "Michael" Freund als Kunsthändler auch vor der Kamera chargiert.
Mit Friedrich Wilhelm Murnau, den Filmarchitekten Robert Herlth und Walter Röhrig und dem Filmdichter Carl Mayer bildet er – meist unter der Leitung des Produzenten Erich Pommer – das künstlerisch bedeutendste Team des deutschen Stummfilms.
Auf
Anregung Mayers entwickelt er 1924 für "Der letzte Mann" die
"entfesselte Kamera", indem er sich den – motorgetriebenen – Apparat
(er arbeitet zu der Zeit mit einer Mitchell) vor die Brust schnallt
oder ihn auf einem Fahrrad befestigt. Seine brillante Kameraführung für
E. A. Duponts "Varieté" macht Freund auch in Amerika bekannt.
Freund gilt zu dieser Zeit als bedeutendster deutscher Kameramann,
wird von seinen Kollegen zum Vorsitzenden des "Klubs der Kameraleute"
gewählt. In seinem Filmlabor beteiligt sich der auch wirtschaftlich
erfolgreiche Freund – ein Landgut bei Berlin, ein persönlicher Diener
im Atelier und Luxuslimousinen kennzeichnen seinen Lebensstil – an
zahlreichen Experimenten mit der Film-Technologie: Blattnerophone
(Magnetton-Aufzeichnung) und Tri-Ergon (Lichtton), Schüfftan-Prozeß
(Spiegel-Kombinationsverfahren) oder hochempfindlicher Film.
Nach
Abschluß der Arbeiten an Langs "Metropolis" wird Freund im Herbst 1926
Produktions-Chef für die Fox-Europa Filmproduktion, die in der
Deutschen Vereins-Film-AG Quota-Filme herstellt. Dabei leistet er sich
einige Experimente, bei denen er jungen Talenten eine Chance gibt. So
entstehen unter seiner Leitung u.a. Walther Ruttmanns Querschnitt-Film
"Berlin – Die Sinfonie Der Großstadt" (nach einer Idee von Carl Mayer)
und Berthold Viertels K 13513. "Die Abenteuer eines Zehnmarkscheines"
(unter Mitarbeit von Béla Balázs).
1928 arbeitet Freund in London, fotografiert dort mit Lupu Pick
"Eine Nacht in London" als Co-Produktion mit der Blattner Picture
Corporation, für die er auch eine Serie von Kurztonfilmen im
Nadelton-Verfahren dreht. Er gründet die Firma Movie Colour Ltd., für
die er neue Farbverfahren (Keller-Dorian) erprobt. Herbert Kalmus, der
Chef der Technicolor Corporation, lädt ihn 1929 zu Versuchen nach
Amerika ein. Freund macht im newyorker Astoria-Studio der
Paramount gemeinsam mit John Capstaff von Eastman Kodak
Farbfilm-Experimente, ehe er nach Hollywood weiterfährt.
Gleich
nach seiner Ankunft entwickelt er mit Lewis Milestone die Schlußsequenz
für dessen Remarque-Verfilmung "All Quiet on the Western Front", die
für Carl Laemmles Universal entsteht, bei der Freund als Kameramann
engagiert ist. Unter den Filmen, die für diese Firma entstehen,
erweisen sich "Dracula" und "Murders in the Rue Morgue" – beide mit Bela Lugosi
in der Hauptrolle – als Klassiker des Horror-Genres, ebenso wie der
stilbildende Zombie-Film "The Mummy" mit Boris Karloff in der
Titelrolle. Dies ist Freunds erste Regiearbeit in Hollywood.
In den nächsten zwei Jahren inszeniert er bei Universal eine Reihe
von Filmen verschiedener Genres. Der musikalischen Komödie "Moonlight
and Pretzels" werden "several catchy songs and a good cast" nachgesagt.
Der Spionagefilm "Madame Spy" ist ein Remake der deutschen
Universal-Produktion "Unter Falscher Flagge", "The Countess of Monte
Cristo" die amerikanische Version eines Ufa-Films (1932) von Karl Hartl.
"Uncertain
Lady" bringt eine Bühnen-Komödie mit Edward Everett Horton auf die
Leinwand, "I Give My Love" eine tränenreiche Familientragödie von Vicki
Baum. "The Gift of Gab" versammelt eine lange Liste von Radio-Stars und
vermittelt dem Kritiker der New York Times den Eindruck "of an endless
and progessively soporific procession of one-reelers" (26.9.1934).
Mit seiner Inszenierung von Peter Lorres
Hollywood-Debüt "Mad Love" wechselt Freund 1935 auf Veranlassung von
Irving Thalberg zu Metro-Goldwyn-Mayer. Dieses mit den Elementen des
Horrorfilms und des Kamera-Expressionismus ironisch spielende Remake
von "Orlacs Hände" (Robert Wiene, 1924) ist zugleich Freunds letzte
Regie-Arbeit. Bis Anfang 1938 bleibt er durch Zeitvertrag an M-G-M gebunden und dreht u.a. zwei Filme mit Greta Garbo.
Für die Kamera-Arbeit bei Irving Thalbergs letzter Produktion, dem
China-Melodram "The Good Earth", wird Freund 1937 mit einem Oscar
ausgezeichnet.
In den Jahren 1938/39 arbeitet Freund für
verschiedene Produzenten und kehrt Ende 1939 zu M-G-M zurück. 1947
wechselt er zu Warner Bros., für die er 1950 seinen letzten Kinofilm
dreht: Michael Curtiz' Western "Bright Leaf" mit Gary Cooper und Lauren
Bacall.
Im Rahmen seiner Forschungsarbeiten zur Film- und
Kameratechnik gründet Freund 1944 in Burbank die Photo Research
Corporation, die – neben Entwicklungen für die Militär-Technologie –
u.a. den Norwich Belichtungsmesser und Instrumente zur Bestimmung der
Farbdichte sowie Fernsehkameras entwickelt.
1950 engagieren ihn
die erfolgreichen TV-Stars Desi Arnaz und Lucille Ball für ihre
Produktionsfirma Desilu als Chefkameramann (Supervising Photographer).
Er entwickelt gemeinsam mit Arnaz das sogenannte "Multicam"-System, bei
dem drei (Film-)Kameras gleichzeitig drehen, was die Serienproduktion
beschleunigt, jedoch besondere Schwierigkeiten bei der Ausleuchtung
bereitet. Es entstehen so die Komödien-Serien "I Love Lucy", "December
Bride" und "Our Miss Brooks".
1960 zieht Freund sich auf seine
Farm im San Fernando Valley zurück. Er widmet sich seinen Forschungen,
besucht Fachkongresse in aller Welt und veranstaltet in Hollywood Kurse
für Kameraleute.
Karl Freund stirbt am 3. Mai 1969 im St. John's Hospital, Santa Monica.
CineGraph Lexikon zum deutschsprachigen Film © 1984ff edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag, München
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*16.01.1890
Königinhof an der Elbe, Böhmen (heute Dvur Králové nad Labem, Tschechien)
; †03.05.1969
Santa Monica, Kalifornien, USA
Darsteller, Regie, Künstlerische Oberleitung, Regie-Assistenz(Sonstiges), Drehbuch, Kamera, Kamera-Assistenz, Kamera-Überwachung, Produzent, Herstellungsleitung
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