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Joe May (Mandl, Julius Otto)
Der Sohn einer reichen Industriellen-Familie besucht die Handelshochschule Leipzig und studiert an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin. Anschließend bringt er als Playboy in verschiedenen Berufen das elterliche Vermögen durch. 1902 heiratet er die Operetten-Sängerin Hermine Pfleger, im selben Jahr wird die Tochter Eva Maria geboren, die ab 1917 eine Karriere beim Film versucht. Pfleger nennt sich fortan Mia May; ihr Mann übernimmt als Joe May den Künstlernamen. 1911 dreht er in Hamburg einen Einleitungs-Film für die Revue "Rund um die Alster", in der Mia auftritt.
1912 debütiert May in Berlin bei der Continental-Filmkunst als Regisseur und Autor mit der Liebestragödie "In der Tiefe des Schachtes" – zugleich Filmdebüt Mia Mays. "Die geheimnisvolle Villa" ist die erste Folge der Serie mit dem Detektiv Stuart Webbs (Ernst Reicher). 1915 gründet May in Berlin die May-Film und startet mit "Das Gesetz der Mine" die Joe Deebs-Detektivserie, die Spannungselemente mit Komödiantischem mischt. Daneben stellt eine Serie Mia May als Star in Melodramen und Gesellschaftstücken heraus. Produzent May setzt dabei z.T. andere Regisseure ein und fördert neue Talente wie die Autoren und Regisseure Thea von Harbou, Fritz Lang und Ewald André Dupont. 1918 übernimmt die neugegründete Universum-Film AG (Ufa) die May-Film GmbH, tritt jedoch nach einem Jahr ihre Anteile an der Firma wieder an May ab, hat aber weiterhin starken Einfluss auf die May-Film, die ein Film-Atelier in Berlin-Weißensee und das Außengelände Woltersdorf betreibt.
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Noch im Krieg beginnt May mit den Dreharbeiten zum "Prunkfilm" "Veritas vincit". Der Erfolg dieser 3 1/2-stündigen Großproduktion ermuntert ihn 1919 zum achtteiligen Sensationsfilm "Die Herrin der Welt", der mit der Exotik der Spielorte, dem Reiz der raffinierten Dekorationen und wechselnden Genres – vom Melodram über Detektiv- und Reisefilm bis zur parodistischen Komödie – arbeitet. Ebenfalls mit Mia May als Star entstehen Melodramen, bei denen u.a. Fritz Lang, Robert Dinesen und Holger-Madsen Regie führen. Als 1921 amerikanische Filmkreise als Reaktion auf die Ufa in Berlin die Europäische Film Allianz GmbH (E.F.A.) gründen, ist May neben Ernst Lubitsch wichtigster künstlerischer Exponent. Für die E.F.A. realisiert er 1921 den Zweiteiler "Das indische Grabmal" nach einem Drehbuch von Harbou und Lang. Ein künstlerischer Erfolg gelingt May 1922/23 mit dem vierteiligen Gesellschafts-Krimi "Tragödie der Liebe".
Wegen der Inflation wird 1923 der Konzern zur May-Film AG umstrukturiert. Nach dem Selbstmord der Tochter Eva dreht Mia May keinen Film mehr. "Der Farmer aus Texas" (1924/25) nach Georg Kaisers Bühnenstück "Kolportage" zielt auf den internationalen Markt, wird jedoch ein finanzielles Fiasko und May inszeniert im Auftrag anderer Produzenten mehrere kleine Filme. Im Rahmen der Erich Pommer-Produktion der Ufa realisiert er 1928/29 seine letzten beiden Stummfilme: "Heimkehr" (nach der Weltkriegs-Novelle "Karl und Anna" von Leonhard Frank) und "Asphalt", ein Höhepunkt des Weimarer Films.
May verfasst (als Fred Majo) mit Hans Székely das Drehbuch zum ersten Tonfilm der Pommer-Ufa-Produktion, "Ungarische Rhapsodie" (1928, Hanns Schwarz) und produziert Gustav Ucickys Tonfilm-Operette "Der unsterbliche Lump" und Kurt Bernhardts Preußen-Ballade "Die letzte Kompagnie". Sein erster eigener Tonfilm, "Ihre Majestät die Liebe", ist einer der seltenen Höhepunkte der deutschen Filmkomödie. Die internationalen Unterhaltungsfilme "...und das ist die Hauptsache" und "Paris – Méditerranée" bleiben die letzten Produktionen der May-Film AG, die 1932 aufgelöst wird.
Nach der Premiere des Jan Kiepura-Films "Ein Lied für Dich" im April 1933 emigriert May über London nach Hollywood, wo er 1934 im Auftrag von Pommer für die Fox-Film das Musical "Music in the Air" inszeniert. Der Film – der erste Hollywood-Film unter maßgeblicher Beteiligung von Emigranten aus Nazi-Deutschland – wird ebenso ein Mißerfolg wie das Gerichtsmelodram "Confession" (1937) für Warner Bros. Ab 1939 verlegt sich May auf die Inszenierung von B-Filmen für die Universal. 1943 entsteht der Anti-Nazi-Film "The Strange Death of Adolf Hitler" über ein fiktives Mordkomplott gegen den "Führer". Die Kriegs-Komödie "Johnny Doesn’t Live Here Anymore" wird seine letzte Film-Regie. Joe und Mia May, die schon in Berlin das Restaurant "Piowati" betrieben haben, eröffnen 1949 in Los Angeles das Restaurant "The Blue Danube", das nach wenigen Wochen schließen muß.
© hmbock
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*07.11.1880
Wien, Österreich
; †29.04.1954
Hollywood, Kalifornien, USA
Darsteller, Darsteller (Sonstiges), Regie, Künstlerische Oberleitung, Drehbuch, Bauten, Schnitt, Produzent, Co-Produzent, Produktionsleitung
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