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Quelle: DIF
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Klaus Wildenhahn
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Klaus Wildenhahn – Dokumentarfilmmacher
Klaus Wildenhahn wird am 19. Juni 1930 in Bonn geboren. Er ist das einzige Kind des zum kaufmännischen Direktor aufgestiegenen Tischlers und Tapezierers Max Wildenhahn und seiner Frau Nora, geb. von Sochatzki, die als Krankenschwester ausgebildet ist. Als der Vater 1933 arbeitslos wird, Umzug nach Duisburg; die Mutter pendelt mit dem Kind zwischen Verwandten in Saarbrücken und Hamburg. Die Familie läßt sich in Berlin nieder, als der Vater wieder Arbeit findet und schließlich Direktor einer Möbelfabrik wird. Ab 1936 besucht Wildenhahn die Schule, ab 1940 den neusprachlichen Zweig eines Internats der Herrnhuter Brüdergemeinde bei Görlitz. Das Kriegsende erlebt er mit seiner Mutter – der Vater hat die Familie verlassen – im Clubhaus des Yachtclub von Deutschland. Besuch der Oberschule in Berlin-Dahlem, die er 1949 mit dem Abitur abschließt.
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Er beginnt an der Freien Universität ein Studium der Publizistik,
Soziologie und Politologie, verbringt ein Jahr als Austauschstudent in
den USA. 1953 bricht er das Studium ab und geht nach London, wo er eine
Zeit lang als Krankenpfleger in der Nervenheilanstalt Banstead Hospital
arbeitet. Er heiratet die Japanerin Mizuki, sie bekommen ein Kind, den
Sohn Nikolaus. 1959 kehrt er nach
Deutschland zurück. Durch Vermittlung eines Freundes kommt er bei der
Fernsehlotterie unter. Er arbeitet bei der Herstellung von 30 zwei- bis
dreiminütigen Werbespots mit, lernt so die Filmtechnik kennen. Als 1960
Rüdiger Proske
für den Norddeutschen Rundfunk das zeitkritische Magazin "Panorama"
entwickelt, geht Wildenhahn als Realisator in die Redaktion der
Abteilung Zeitgeschehen, die zunächst Gert von Paczensky
leitet. Es entstehen zunächst Bearbeitungen fremder Filme,
Bebilderungen von Texten der Redakteure, dann politische Reportagen. Wildenhahn
beschäftigt sich mit Geschichte und Technik des Dokumentarfilms. Sein
spontan bei einer Reportage entstandener Film "Parteitag 64", bei dem
er den bislang üblichen Stil von Fernsehdokumentationen durchbricht,
indem er mit seinem Kameramann Rudolf Körösi
lange Einstellungen ohne Zwischenschnitte dreht, soll bei den
Westdeutschen Kurzfilmtagen laufen, wird vom NDR zurückgezogen und auch
im TV erst 17 Jahre später gekürzt gesendet.
1964 wechselt Wildenhahn mit dem 9-Minuten-Film "Zwischen 3 und 7
Uhr morgens" – Beobachtungen über das Leben in St. Pauli – in die von Egon Monk geleitete Hauptabteilung Fernsehspiel des NDR. Er arbeitet für den Musik-Redakteur Hansjörg Pauli.
Als Regisseur und Autor dreht Wildenhahn zahlreiche Dokumentarfilme
über musikalische Themen: "Bayreuther Proben", "Eine Woche Avantgarde
für Sizilien" über das Festival "Settimana Internazionale Nuova
Musica", "Smith, James O." über den Jazz-Organisten Jimmy Smith, das
Porträt "John Cage", "498, Third Avenue" über die Cunningham-Tanzgruppe
in New York. Bei diesen Filmen arbeitet er ständig mit dem Kameramann
Rudolf Körösi und dem Tonmann Herbert Selk zusammen. 1967
beginnt er mit Beobachtungen in der deutschen Provinz. "In der Fremde",
über eine Kolonne Bauarbeiter, die ein Futtermittelsilo errichten, wird
bei den Kurzfilmtagen Oberhausen gezeigt und ist sein erster Erfolg bei
der Filmkritik.
1968-72 ist er Dozent für Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB). Dort lernt er Gisela Tuchtenhagen
kennen, mit der er zwischen 1972 und 1980 zusammenarbeitet (Mitautorin,
Kamera). Seit etwa 1968 macht Wildenhahn, um das Filmteam möglichst
klein zu halten, meist auch den Ton. An der DFFB initiiert er eine
"Gruppe Wochenschau" (mit Michael Busse, Gardi Deppe, Rolf Deppe, Thomas Mitscherlich, Cristina Perincioli, Hans Helmut Prinzler,
Gisela Tuchtenhagen), die kollektiv Film-Beobachtungen zur politischen
Situation, besonders während der Studentenbewegung, erarbeitet. Mit
einigen Studenten entsteht die mehrteilige Film-Recherche über ein
verschüttetes Thema aus der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung:
"Der Hamburger Aufstand Oktober 1923".
Sein
1972 aus der Arbeit an der DFFB entstandenes Buch "Über synthetischen
und dokumentarischen Film" (gedruckt 1975) wird zur einflußreichsten
Theorie in der Diskussion über Methode und Technik des dokumentarischen
Films in der BRD. Die in dieser Zeit für das Fernsehen entstehenden
Filme über "mittelständische Themen" (Orbanz) stoßen bei den
Betroffenen auf Widerstand: Bei "Institutssommer" zieht eine der
porträtierten Gruppen von Wissenschaftlern während der Dreharbeiten die
Erlaubnis zurück; der 2. Teil des Films über die berliner Tageszeitung
"Der Tagesspiegel" wird auf Einspruch des Verlegers nicht gesendet und
vernichtet.
1972, nach Hamburg zurückgekehrt, nimmt er seine Beobachtungen aus
der deutschen Provinz wieder auf: "Die Liebe zum Land" schildert die
Lage einer Kleinbauern-Familie und von Landarbeitern. Die Situation von
Industriearbeitern, denen die Schließung ihres Werkes (VW Emden) droht,
die Reaktion der Gewerkschaft und der Politiker schildert er in dem
Mehrteiler "Emden geht nach USA"; zugleich versucht er die in seinem
Buch entwickelten Theorien über dokumentarischen und synthetischen Film
in die Realität umzusetzen, indem er den vier Dokumentarteilen einen
poetischen Film über die norddeutsche Landschaft und ihre Menschen
hinzufügt; ein geplanter Spielfilm zum Thema wurde durch den NDR
verhindert. Die Ostfriesland-Filme stoßen auf heftige Reaktionen in der
Regionalpresse, werden mit dem Adolf Grimme-Preis ausgezeichnet.
1977
entsteht in Köln gemeinsam mit Gerhard Haag die Hörspiel-Reportage "Wo
die Kamine qualmen, da mußt du später hin" (WDR, 2.3.1979). Im
Ruhrgebiet entstehen die nächsten Filme, die – neben einem Porträt des
Arbeiterdichters Günter Westerhoff (Der Nachwelt eine Botschaft) –
Wildenhahns Themenstränge "Musik" und "Provinz" zu vereinen suchen:
"Bandoneon" über das im Ruhrgebiet entstandene Instrument und seine
Musik und "Was tun Pina Bausch und ihre Tänzer in Wuppertal?" über das
experimentelle Tanztheater. In "Ein Film für Bossak und Leacock"
verarbeitet er seine Reflektionen zur Theorie und Geschichte des
Dokumentarfilms in Form von Porträts zweier bedeutender, stilistisch
unterschiedlicher Dokumentaristen.
Mitte
der 80er Jahre wendet er sich wieder stärker Themen aus Arbeitskämpfen
zu. In zwei Teilen verfolgt er zwei Etappen des monatelangen
Bergarbeiterstreiks 1984 in Yorkshire. Er protokolliert die zunehmende
Militanz der Auseinandersetzung zwischen den Streikenden und ihrer
Gewerkschaft NUM (National Union of Miners) auf der einen Seite und der
Polizei, der staatlichen Kohlebehörde und der Thatcher-Regierung auf
der anderen.
Im Sommer 1987 berichtet er über die Folgen der "Stillegung" der
Thyssen-Hüttenwerke in Oberhausen und macht einen kurzen Ausflug in die
Stahlregion Belgiens. "Der Dokumentarist faßt diese Endzeit-Chronik
teils in elegisch lange Einstellungen, dann einfach nur in lakonisch
pointierte Momentaufnahmen, die nie eine bloße Draufsicht sind; mehr
als in früheren Filmen stößt er freilich an die Grenzen des rein
Dokumentarischen, wo es abstrakter anmutende Dinge, etwa die
Mitbestimmungsstrukturen bei Thyssen, im Text zu erklären gibt, ohne
sie in konkreten Situationen auch zeigen zu können. Da ist dem Film
anzumerken, daß auch ein erfahrener Dokumentarist wie Wildenhahn sich
offenbar schinden mußte, um in all den Verästelungen und
Vertracktheiten erfahrbar zu machen, was für viele in der Konsequenz
nicht mehr faßbar scheint." (R. Timm, Süddeutsche Zeitung, 30.12.1987).
In "Rheinhausen. Herbst '88"
beobachtet er das Leben in der duisburger Vorstadt einige Monate nach
dem Ende des Kampfes gegen die Schließung des Krupp'schen Hüttenwerkes.
"Reise nach Ostende" ist ein Ausflug in die Vergangenheit. Wildenhahn
sucht in Flandern die Schauplätze der Schlachten des Ersten Weltkriegs
auf, spürt nach, welche Spuren in der Landschaft und ihren Bewohnern
zurückgeblieben sind.
In
den letzten Jahren beginnt Wildenhahn auch eine filmische
Auseinandersetzung mit Problemen der Menschen in der DDR. 1987 zeichnet
er in "Bln. DDR & ein Schriftsteller" ein – auf den ersten Blick –
impressionistisch-zerstückeltes Porträt des Schriftstellers Christoph Hein.
"Bei dieser Begegnung bewegt Wildenhahn sich, spricht und hört er eben
nicht nur als Tourist, nicht nur als literaturbeflissener
Bildungsbürger, nicht nur als 'Westler' mit dem Blick für Eigenarten
und Eigenheiten im anderen Teil Deutschlands: Er vereinigt statt dessen
all diese Funktionen miteinander, läßt sie dann wieder
auseinanderlaufen und schafft somit eine außergewöhnliche Harmonie aus
Distanz und Nähe zu der ihn umgebenden Wirklichkeit." (H. H. Obuch,
Süddeutsche Zeitung, 2.1.1987).
Im
Sommer 1990, in den Wochen um die Einführung der DM in der DDR,
beobachtet Wildenhahn in Dresden die Arbeiter und Ingenieure, die das
im Krieg zerstörte Schloß wiederaufbauen. Er verfolgt, welche
Auswirkungen die Währungsunion auf das persönliche Leben der Menschen
und auf ihre Arbeit in der VEB Gesellschaftsbau hat.
Klaus
Wildenhahn ist mehrfach Mitglied der Programmkommission der Duisburger
Filmwoche und gibt 1980 Anstoß zu einer ausgedehnten Debatte über die
Position des Dokumentarfilms in der Bundesrepublik. 1989 widmen ihm die
Akademie der Künste Berlin/West und der Satellitenkanal 3SAT, 1990 die
Internationale Leipziger Filmwoche und Eins Plus eine Retrospektive.
Klaus Wildenhahn lebt in Hamburg-Eppendorf.
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film © 1984ff edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag, München.
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*19.06.1930
Bonn
Darsteller, Mitwirkung, Sprecher, Regie, Regie-Assistenz, Drehbuch, Idee, Stoff, Kommentar, Interviews, Drehbuch (Sonstiges), Schnitt, Ton, Produzent
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2004-2006 |
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Zuneigung - Die Filmemacherin Gisela Tuchtenhagen Mitwirkung |
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2002/2003 |
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Pausenfilm Mitwirkung |
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1999/2000 |
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Ein kleiner Film für Bonn Drehbuch, Mitwirkung, Ton, Sprecher, Regie, Interviews |
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1998/1999 |
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Der letzte Dokumentarfilm Mitwirkung |
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1998 |
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Die kritische Masse Mitwirkung |
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1995 |
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Die dritte Brücke Drehbuch, Mitwirkung, Sprecher, Ton, Regie, Kommentar, Interviews |
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1994/1995 |
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Reise nach Mostar Drehbuch, Kommentar, Regie, Ton, Sprecher, Mitwirkung, Interviews |
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1993 |
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Reiseführer durch 23 Tage im Mai Drehbuch, Ton, Sprecher, Regie |
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1992 |
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Freier Fall: Johanna K. Drehbuch, Regie, Ton, Sprecher |
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1991 |
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Konditors Nachmittag Idee, Regie |
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