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Quelle: DIF
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"Streit um den Knaben Jo" (1937)
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Willy Fritsch – Schauspieler
Wilhelm Egon Fritz Fritsch, geboren am 27. Januar 1901 in Kattowitz (Oberschlesien; heute Katowice, Polen), Sohn des Landwirts und Maschinenfabrikanten Lothar Fritsch und seiner Frau Anni, geb. Bauckmann. Nach dem Bankrott seiner Firma Fritsch & Brattig geht der Vater 1910 als Siemens-Betriebsleiter nach Berlin, zwei Jahre später folgt ihm der Sohn Wilhelm. Er besucht die Oberrealschule, beginnt 1915 eine Mechanikerlehre bei Siemens, die er nicht beendet, arbeitet anschließend als Botenjunge und Hilfsschreiber beim Berliner Landgericht II.
1919 wirkt er in der "Orestie"-Aufführung zur Eröffnung des Großen Schauspielhauses im Chor mit; er nimmt Unterricht beim Reinhardt-Schauspieler Gustav Sczimek und erhält durch Protektion des Regisseurs Richard Gerner kleine Rollen am Deutschen Theater und den angeschlossenen Kammerspielen, schließlich einen regulären Anfängervertrag als jugendlicher Liebhaber und Komiker (Monatsgage 65 Mark). 1922 begleitet er das Reinhardt-Ensemble auf einer Skandinavien-Tournee.
Ab 1921 spielt Fritsch gelegentlich im Film, u.a. in dem "Tonfilmvorläufer" "Miss Venus". 1923 bewirbt er sich auf Empfehlung des Bühnenkollegen Paul Hartmann bei der Decla-Bioscop um die Hauptrolle eines kriegsblinden Künstlers in "Seine Frau, die Unbekannte", die nach Probeaufnahmen auf sein eher sonniges Naturell hin umgeschrieben wird: "Ein großes Licht ist er ja nicht, aber er macht sich ganz nett, wenn er lacht und seine schönen Zähne zeigt." (Film-Kurier, 14.10.1923).
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Fritsch überzeugt als vermeintlicher Grafensohn in Joe Mays "Der Farmer aus Texas" – "der Film wurde der Durchbruch Willy Fritschs zum Ufa-Star und zum Leibeigenen des Konzerns" (K. Kreimeier) – und als fescher Leutnant Niki in Ludwig Bergers "Ein Walzertraum". Der Erfolg des Films in den USA bringt ihm einen Vertrag mit United Artists ein, gegen den die Ufa interveniert; ihre folgenden Fritsch-Produktionen ("Der Prinz und die Tänzerin"; "Der letzte Walzer") variieren das erprobte "Walzertraum"-Muster, ohne jedoch dessen Qualitäten zu erreichen.
Allein "Die Boxerbraut", in dem Fritsch z.T. als Schwarzer geschminkt auftritt, sowie die Fritz Lang-Filme "Spione", in dem er als "Agent Nr. 326" Mut zur Häßlichkeit beweist, und "Frau im Mond", in dem er einen Raketeningenieur spielt, weichen vom üblichen Fritsch-Image ab.
Für seinen ersten Tonfilm "Melodie des Herzens" nimmt Fritsch auf Geheiß der Ufa Gesangsunterricht. Die genre-bildende "Tonfilmoperette" "Liebeswalzer" ist nach "Die keusche Susanne" (1926) und "Ihr dunkler Punkt" (1928) Fritschs dritte Zusammenarbeit mit der fünf Jahre jüngeren Lilian Harvey, mit der ihn auch eine private Romanze verbindet.
Der Film etabliert die beiden 1930 als das "Traumpaar des deutschen Films" und Fritsch als einen der populärsten Stars dieser Zeit. Gemeinsam agieren sie noch im gleichen Jahr in der Curt Goetz-Verfilmung "Hokuspokus", der musikalischen Ehekomödie "Einbrecher" und dem Kassenschlager Die drei von der Tankstelle", 1931/32 in der opulenten Ausstattungskomödie "Der Kongress tanzt" und der Rezessions-Satire "Ein blonder Traum".
Jeder dieser Filme präsentiert zugleich mehrere Harvey/Fritsch-Lieder, die wie "Liebling, mein Herz läßt dich grüßen", "Du bist das süßeste Mädel der Welt" oder "Ein Freund, ein guter Freund" zu Schlagern werden und, als Schallplatten vermarktet, die Popularität der beiden abermals steigern. Bei einer Monatsgage von 20.000 RM, die sich im Laufe der 30er Jahre verdoppelt, langfristig an die Ufa gebunden, wandelt sich Fritsch allmählich vom Sonny-Boy zum abgeklärten Charakterdarsteller, dem auch komische Extempores gestattet sind, so etwa in Ludwig Bergers Liebeskomödie "Ich bei Tag und Du bei Nacht" (mit Käthe von Nagy) und der Musikgroteske "Walzerkrieg" (mit Renate Müller).
Ihren Höhepunkt findet diese Entwicklung mit seiner Doppelrolle als olympischer Lustgreis und strahlender Krieger in Reinhold Schünzels "Amphitryon".
Mit der aus den USA zurückgekehrten Lilian Harvey spielt er 1935 in dem propagandistisch unterlegten Befreiungskampfdrama "Schwarze Rosen", 1936 in der Alltagskomödie "Glückskinder", dem geglückten Versuch einer deutschen Variante der amerikanischen "screwball comedy". Das Emanzipationslustspiel "Frau am Steuer" ist 1939 der letzte ihrer zwölf gemeinsamen Filme.
Fritschs Partnerinnen der 40er Jahre sind nunmehr Marika Rökk ("Frauen sind doch bessere Diplomaten") und Marte Harell ("Die Fledermaus").
Nach Kriegsende zieht Fritsch nach Hamburg. In "Film ohne Titel" persifliert er seinen eigenen Liebhaber-Nimbus, kabarettistisches Talent beweist er als Conférencier in Günter Neumanns kritisch-amüsantem Kompilationsfilm "Herrliche Zeiten", in dessen Spielszenen er mit der jeweils porträtierten Epoche altert.
Obwohl weiterhin vielbeschäftigt, findet er in seichten Unterhaltungs- und Heimatfilmen kaum noch Möglichkeiten zur Profilierung: "Die Erinnerung an jene Jahre nach 1945 erscheint mir heute nicht mehr so wichtig. Ich spielte an Filmrollen was sich ergab." (Fritsch, 1972). Als Film-Vater Romy Schneiders wechselt er 1953 endgültig ins Fach des graumelierten Gentlemans.
In dem mißglückten Remake seines Erfolgsfilms "Die drei von der Tankstelle" übernimmt er nun die Rolle des gestrengen Vaters der Heldin – "zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich da mitgemacht habe".
1937 hat Fritsch die wiener Tänzerin und Schauspielerin Dinah Grace (= Ilse Schmidt, 14.2.1916-10.5.1963) geheiratet. Der Ehe entstammen die Söhne Michael (geb. 1937) und Thomas (geb. 16.1.1944), der ebenfalls Schauspieler wird. Nach dem Tod seiner Frau zieht Fritsch sich aus der Öffentlichkeit weitgehend zurück.
Er bleibt ein gefragter Interviewpartner, moderiert im Radio nostalgische Film- und Schlagersendungen sowie die Schallplatten-Kompilation "...zu schön, um wahr zu sein". Sein letzter Kinofilm "Das hab' Ich von Papa gelernt" erweist 1964 sowohl dem eigenen vergangenen Filmruhm Reverenz wie der soeben begonnenen Filmkarriere seines Sohnes, neben dem er zuletzt 1965 in der ZDF-Show "Das gibt's doch zweimal" auftritt. Willy Fritsch stirbt am 13. Juli 1973 in Hamburg.
CineGraph Lexikon zum deutschsprachigen Film © 1984ff edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag, München
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(
Wilhelm Egon Fritz )
*27.01.1901
Kattowitz (heute Katowice, Polen)
; †13.07.1973
Hamburg
Darsteller, Mitwirkung, Musik-Ausführung, Gesang
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