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Werner Bergmann – Kameramann, Regisseur
Werner Bergmann, geboren am 14. Januar 1921 in Niederkaina bei Bautzen; Sohn des Tischlers Richard Bergmann und seiner Frau, der Köchin Alma Bergmann, geb. Schwenke. 1931 zieht die Familie nach Dresden, wo der Vater als Nachtwächter arbeitet. Nach Abschluß der Volksschule ab 1935 Lehre als Porträt- und Industriefotograf. 1938 Laborant, Beleuchter und Kamera-Assistent bei der Industrie- und Werbefilmproduktion Boehner-Film in Dresden.
1939 eingezogen, wird er als Kameramann an den Fronten in Westen, Südosten und Osten eingesetzt, 1943 wird er durch Granatsplitter so schwer verwundet, dass sein rechter Arm amputiert werden muß. Bergmann erhält eine Anstellung in der Kulturfilm-Abteilung der Ufa als Kameramann.
Nach Kriegsende zunächst freischaffender Fotograf in Potsdam. Mit einer im Schutt gefundenen und selbst reparierten ARRI-Kamera beginnt er zu filmen. Es entsteht der Dokumentarfilm "Ein kleines Wunderwerk" über eine Uhr. 1946 geht er zur DEFA, bei der ab 1949 auch sein jüngerer Bruder Helmut sein Assistent ist, der ab 1952 selbst als Kameramann tätig wird.
1947-53 arbeitet Werner Bergmann als Regie-Kameramann beim DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme, fotografiert u.a. Heiner Carows Debütfilm "Bauern erfüllen den Plan" über Schweinemast und einige Kurzfilme, die Gerhard Klein mit dem sowjetischen Puppenspieler Sergej Obraszov dreht.
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1953 wechselt er als Kameramann an das DEFA-Studio für Spielfilme. Nebenbei beschäftigt er sich praktisch und theoretisch mit der Standfotografie. Bei seinem ersten wichtigen Spielfilm, Kleins "Alarm im Zirkus", entwickelt er gegen die damals üblichen Stil-Gepflogenheiten einen stark dokumentarisch beeinflußten Bildstil, indem er kurze Brennweiten und ein grobkörniges, (für die damalige Zeit) hochempfindliches Filmmaterial benutzt.
Von "Einmal ist keinmal" bis "Mama, ich lebe" verbindet ihn für 12 Filme mit Konrad Wolf eine intensive künstlerische Partnerschaft. Dabei versucht er – mal in Farbe, oft in Schwarzweiß – mit kontrastreicher Effektbeleuchtung, einer bewegten Kamera und oft ungewöhnlichen Perspektiven eine "wirkungsvolle Bildsprache der besten Stummfilm-Tradition nach modernen Gesichtspunkten und mit den Mitteln der heutigen Technik neu" anzuwenden (Bergmann zu Czygan, 1959).
So arbeitet er z.B. bei "Lissy" teilweise mit zwei Kameras gleichzeitig, benutzt wiederholt Weitwinkel-Objektive oder erprobt in "Der geteilte Himmel" das Breitwand-System Totalvision ("Dieses Verfahren ... ist ,krank`"; Bergmann, 1978). 1966 dreht Bergmann "Defa 70", einen Testfilm im 70mm-Format, das er dann in Wolfs aufwendiger Feuchtwanger-Verfilmung "Goya" künstlerisch anwendet.
Ab "Sterne" beginnen Wolf und Bergmann, der präzise Planung dem spontanen Improvisieren vorzieht, gemeinsam mit dem Szenografen (ab 1963 wiederholt Alfred Hirschmeier), für einige ihrer Filme ein "optisches Drehbuch" zu erarbeiten.
Neben mehreren Filmen für das Dokumentarfilmstudio H & S dreht Bergmann seit den 60er Jahren wiederholt auch für das Fernsehen. 1978 schreibt und inszeniert er "Nachtspiele", einen Kammerspielfilm über vier Menschen im Hotel und ihre Beziehung während einer Nacht. "Vielleicht ist das Resultat etwas geschwätzig – aber was soll man tun, wenn der Zufall plötzlich Menschen Zeit schenkt. Ruhe, Zweisamkeit, und so fast verschüttete Gedanken und Empfindungen auch zu Worten, Sätzen, Gesprächen werden? Geschrieben und gemacht wurde dieser Film aus Sehnsucht, einmal ohne großen materiellen Aufwand etwas zu machen, was dennoch nicht ärmlich ist – so wie ein aufwendiger Film nicht automatisch reich." (Bergmann, Film und Fernsehen, Nr. 1, 1979). Sein Kinderfilm "Die dicke Tilla", nach dem Buch von Rosel Klein, behandelt die Auseinandersetzungen zweier sehr unterschiedlicher Mädchen und bemüht sich um Verständnis und Toleranz gegenüber Außenseitern.
Bergmann lehrt auch als Dozent an der Filmhochschule in Babelsberg und beschäftigt sich wiederholt in Veröffentlichungen mit foto- und filmtechnischen Problemen. In den 60er Jahren versucht er als Moderator der erfolgreichen TV-Serie "Greif zur Kamera, Kumpel!" in über 50 Sendungen Film- und Fotoamateuren Tips für ihr Hobby zu vermitteln; die Sendung wird nach dem 11. Plenum des ZK der SED abgesetzt.
Ab 1986 arbeitet er an "Das verwundete Objektiv", einer Materialsammlung mit Dokumenten seines Lebens, die er zu einem Film oder Buch zu gestalten plant. 1989/90 berichtet er in Thomas Tielschs und Niels Bolbrinkers Dokumentarfilm "Schuss Gegenschuss" über seine Erfahrungen als Kriegs-Kameramann.
1984 pensioniert, lebt Bergmann mit seiner Frau in Potsdam-Babelsberg. Im Herbst 1990 wird Bergmann in Tiblissi, wo er sich zu Vorträgen aufhält, bei einem Autounfall schwer verletzt. In die Heimat zurücktransportiert, stirbt er am 25. Oktober 1990 an einem Herzinfarkt in Potsdam-Babelsberg.
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film © 1984ff edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag, München.
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*14.01.1921
Niederkaina (heute Bautzen-Niederkaina)
; †25.10.1990
Potsdam-Babelsberg
Mitwirkung, Regie, Co-Regie, Drehbuch, Szenarium, Kamera, Kostüme
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